Drogendeals an Klagenfurter Schulen: An höherer Schule wird LSD verkauft

Drogendeals an Klagenfurter Schule - auch harte Drogen wie LSD wird verkauft (Symbolfoto)
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KLAGENFURT (vep). "Es gibt alles, von leichten Drogen wie Joints bis zu harten wie LSD in Tropfenform auf einem Löschblatt. Die Drogen gibt es vor, aber auch in der Schule, teilweilse wird auch Geld an fixen Plätzen in WCs deponiert, das dann durch Drogen ausgetauscht wird. Und zum Teil versorgen die Schüler auch Schüler einer nahegelegenen Schule." Das sind die ehrlichen Worte eines Insiders einer renommierten höheren Schule in Klagenfurt, der mit der WOCHE gesprochen hat. Worte, die schockieren.

Unabhängig von Schulform

"Die Drogenkonsumation und auch die Weitergabe erstrecken sich über alle Schultypen, Schüler in Elitegymnasien konsumieren nicht anders oder weniger als zum Beispiel jene in Mittelschulen", zeichnet Karin Melcher ein leider trauriges Bild. Sie ist Sozialarbeiterin des gemeinnützigen Vereins Oikos und betreut suchtkranke bzw. -gefährdete Jugendliche aus Klagenfurt ambulant, die meisten von ihnen sind Schüler. Melcher erzählt: "Auf Schulhöfen, in Umkleiden, aber auch Plätzen rund um die Schulen wird gedealt. Die Jugendlichen sind heute mit einer Vielzahl von Substanzen konfrontiert und bekommen es viel leichter, häufiger und in immer jüngeren Jahren angeboten."

Betroffen sind viele Klagenfurter Schulen, nicht nur jene, über die der Insider mit der WOCHE gesprochen hat. Ein Lehrer einer anderen Klagenfurter Schule bestätigt der WOCHE: "Das geht schon seit einigen Jahren so. Wir müssen immer wieder einzelnen Schülern Drogen wie Marihuana oder LSD-Chips abnehmen."
Betont werden muss an dieser Stelle natürlich, dass die Drogenthematik stets eine Minderheit unter den Schülern betrifft. "Viele der Schüler wissen aber genau, was in ihrer Schule passiert, im Idealfall sprechen sie zuhause darüber", so Melcher.

Cannabis an vielen Schulen

Laut der Sozialarbeiterin sei vor allem Cannabis heute an fast jeder Schule Thema. "Leider kann man sagen, dass es nahezu keine Schule in Klagenfurt gibt, in der nicht mindestens ein paar Schüler Cannabis konsumieren", so Melcher. Die Gefahr hierbei: "Für Jugendliche ist Cannabis harmlos, sie sehen es nicht als richtige Droge an." Nach wie vor sei dies aber die Einstiegsdroge Nummer eins. Melcher: "Alle meine heroinabhängigen Klienten haben mit Cannabis begonnen."

Auch Ecstasy und LSD an Schulen im Umlauf

An den Schulen sind auch härtere Suchtmittel erhältlich, wie der Insider der WOCHE erzählte. Melcher bestätigt: "Vor allem Ecstasy und LSD sind in den Schulen in Umlauf. Die Tabletten sind leider ansprechend aufbereitet, mit Blumen- oder Emoji-Motiv. Auch mir haben Klienten schon von dem LSD auf zum Teil bunt gefärbten Löschblättern an den Schulen erzählt."

Verdachtsfälle werden per Gesetz schulintern geregelt

Der erste Weg, wenn ein Schüler tatsächlich Drogen konsumieren sollte oder ein Verdacht da ist, führt zum Schularzt. "Das ist auch gesetzlich so vorgeschrieben", informiert Melcher, "der Schularzt legt Therapiemaßnahmen fest. Hält sich der Jugendliche daran, wird das nicht an andere Behörden weitergeleitet."
Das ist auch der Grund, warum die Klagenfurter Kriminalpolizei auf Nachfrage der WOCHE keine Zahlen oder Einsatzfälle an Klagenfurter Schulen nennen kann. Klaus Muffat von der Kriminalabteilung des Stadtpolizeikommandos erklärt: "Meldungen im Schulbereich haben wir fast keine, da dies nahezu immer intern geregelt wird."

Betroffener Direktor: "Sind sehr hellhörig"

Der Direktor der betroffenen Schule, über die der Insider gesprochen hat, "weiß nichts von Drogendeals", sagt aber: ""Unser Lehrpersonal ist sehr hellhörig, wir versuchen, auf alles zu achten; auf das Verhalten der Schüler, die unsere Lehrer ja gut kennen, aber auch auf ihre Aktivitäten in den Pausen. Wir setzen auch sehr viele präventive Maßnahmen. Ausschließen können wir natürlich nichts, doch wir beobachten sehr genau und versuchen, auf die Schüler einzugehen und bei kleinsten Veränderungen reagieren wir sofort."
Er glaube nicht, dass Schüler Drogen konsumieren, da dies bei dem hohen Leistungspensum dort auffallen würde. Dem widerspricht Oikos-Sozialarbeiterin Karin Melcher: "Schüler konsumieren ja nicht unmittelbar vor dem täglichen Schulbeginn, sondern in der Freizeit. Bei nicht täglichem Konsum kann es Jahre dauern, bis die Leistungsfähigkeit merklich abnimmt."

Altersberger: "Eltern und Lehrer wollen das oft nicht wahrhaben"

Auch Landesschulrats-Präsident Rudolf Altersberger wurde mit der vom Insider geschilderten Situation konfrontiert. "Drogen sind ein wichtiges Thema geworden, die Schule hat die Verantwortung, die Lehrer nehmen das ernst." Allerdings könne, so realistisch müsse man sein, vieles im Verborgenen bleiben, denn "eine höhere Schule hat im Schnitt 800 Schüler."
Altersberger: "Lehrer und Eltern müssen mehr denn je gemeinsam in eine Richtung arbeiten." Er empfiehlt Eltern ein Zugehen auf die Schulen. "Wenn Eltern einen Verdacht haben, treten sie in der Regel nicht an die Lehrer heran und bitten um Hilfe. Wir haben aber viele Fachleute, die das könnten", sagt Altersberger. Gleichzeitig dürfe keiner die Augen verschließen. "Oft wollen Eltern, aber auch Lehrer so etwas einfach nicht wahrhaben."

Appell an Eltern: Von Klein auf darüber sprechen!

Melcher kann aus ihrer langjährigen Erfahrung nur an alle Eltern appellieren, von Anfang an mit Kindern über Drogen zu sprechen. "Heute muss der richtige Umgang mit Drogen mit zur allgemeinen Entwicklungsaufgabe gehören. Mit Drogen wird nahezu jedes Kind konfrontiert. Sie müssen aber das Gefühl haben, zuhause davon erzählen und offen darüber reden zu können."

Drogendeals an Klagenfurter Schule - auch harte Drogen wie LSD wird verkauft (Symbolfoto)
Karin Melcher, Oikos-Sozialarbeiterin: "Drogenkonsumation und Deals finden in allen Schultypen statt, von Gymnasium bis NMS."

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