Fazit zum Jubiläumsjahr: Was von ‚Klagenfurt 500‘ bestehen bleibt

Was blieb vom Jubiläumsjahr "Klagenfurt 500?"
5Bilder
  • Was blieb vom Jubiläumsjahr "Klagenfurt 500?"
  • Foto: KK/Archiv
  • hochgeladen von Verena Polzer

Das Jubiläumsjahr in Klagenfurt ist vorbei. Ob und was die Stadt daraus mitnimmt, erklärt Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz sowie Vertreter aller anderen Parteien.

KLAGENFURT (vep). Nun ist es vorbei, das Jubiläumsjahr der Landeshauptstadt, in dem man an die Schenkung Klagenfurts durch Kaiser Maximilian I. an die Landstände erinnerte. Auf rund 150 größere und kleinere Veranstaltungen sowie Projekte blickt die Stadt nun zurück. Was aber ist geblieben vom Jubiläum? Die WOCHE hat die Vertreter der Stadt um ein Fazit gebeten.

Mathiaschitz bewertet Jubiläum durchaus positiv

Dieses fällt für Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) positiv aus: "Uns ist es gelungen, Klagenfurt in allen Facetten darzustellen, die Neugier auf die Geschichte zu wecken und einen selbstsicheren Blick in die Zukunft zu wagen."

Highlight sei natürlich die Jubiläumswoche gewesen, mit dem Festakt im Wappensaal und dem Stadtball als gesellschaftlichen Höhepunkt. Besonders gefallen habe auch "das Singen der Klagenfurter Chöre um den Lindwurm, die Darbietungen der Schulchöre im Konzerthaus und die zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen, die in ihrer jeweiligen Ausrichtung etwas ganz Besonderes darstellten."  

"War für Stadt wichtige Erfahrung"

Die größte Herausforderung sei vorab die Koordination und Abwicklung der rund 150 Programmpunkte gewesen: "Diese ist in hervorragender Arbeit gelöst worden. Dem Projektkoordinator und den Mitarbeitern im Magistrat ist für die Umsetzung größte Anerkennung auszusprechen."

Für Mathiaschitz war es ein äußerst erfolgreicher Veranstaltungsreigen, was die zahlreichen positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung zeigen würden. "Rückblickend gesehen war Klagenfurt 500 für uns eine gute und wichtige Erfahrung, die einerseits die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit gefördert hat und andererseits auch neue Kooperationsmöglichkeiten mit externen Partnern ermöglicht hat. Von diesen Erfahrungen werden die Bürger profitieren."

Auch Publikationen zu Klagenfurt 500 gefielen

Die Bürgermeisterin wurde häufig von Klagenfurtern angesprochen, dass sie nach dem Jubiläumsjahr mit ganz anderen Augen durch die Stadt gehen würden. "Besonders gelobt wurden das Engagement im Bildungsbereich und die zahlreichen kulturellen Aktivitäten. Auch das Mittelalterliche Marktfest und die öffentlichen Konzerte sind bei der Bevölkerung gut angekommen", so Mathiaschitz. Großen Absatz haben auch die rund zehn Publikationen, die im Jubiläumsjahr erarbeitet wurden, gefunden.

Dialog mit Bürgern künftig zentral

Aus den Aktivitäten hat Mathiaschitz vor allem ein Erkenntnis für die Zukunft Klagenfurts mitgenommen. "Ein Schwerpunkt von Klagenfurt 500 war die kritische Auseinandersetzung mit der zukünftigen Entwicklung der Stadt. Dabei hat sich gezeigt, dass der Dialog mit der Bevölkerung nicht nur notwendig, sondern ausdrücklich erwünscht ist."

"Wir-Gefühl" wird bleiben

Mathiaschitz nimmt wahr, dass nach dem Jubiläumjahr nun eine positive Stimmung und ein „Wir-Gefühl“ in der Landeshauptstadt spürbar ist, die für die Zukunft positiv stimmt. "Es ist gelungen, unterschiedliche Gesellschaftsschichten und für Klagenfurt relevante Gruppen mit dem Thema des Jubiläums zusammen zu führen und ein Nachdenken über die zukünftige Entwicklung der Stadt zu initiieren." Der Zukunftsdialog, der heuer im März seine Fortsetzung erfährt, ist ein positives Beispiel, genauso wie der kulturelle Diskurs in den Kultureinrichtungen und die, im Architekturhaus Kärnten begonnene, kritische Auseinandersetzung mit der Stadtentwicklung.

Markus Geiger: "Weniger wäre mehr gewesen"

Für StR Markus Geiger (ÖVP) waren v. a. die Begleitausstellungen im Jubiläumsjahr sehr gut gestaltet; ein großes Spektrum, sodass für jeden etwas dabei war. Das sei auch sehr gut angenommen worden. "Man wurde öfters darauf angesprochen, dass für jeden etwas dabei war, über das man sich freuen konnte und auch neues Verständnis gegenüber unserer Landeshauptstadt erweckt wurde." 

Das Jubiläum war auch Anlass für zahlreiche neue Publikationen, die sich mit der Geschichte Klagenfurts beschäftigen, und die auch in der Zukunft bestehen bleiben.  Nachhaltige Highlights waren für Geiger u. a. auch der Stadtball, der nun fortgeführt wird, die Lindwürmer in der Außenraumgestaltung oder das Altstadtrelief. "Auch viele Flaggen wurden angeschafft, die weiterhin das Ortsbild prägen und an die Zeit erinnern werden."

Das Motto „Klagenfurt 500“ wurde jedoch nach Geigers Ansicht in übersättigter Form verwendet – hier wäre weniger mehr gewesen. "Das Jubiläumsjahr wurde dadurch nicht besser hervorgehoben, sondern erreichte teilweise den konträren Zweck." Auch die Erklärung des Jubiläums sei dadurch etwas untergegangen. "Es ging nicht um „500 Jahre Klagenfurt“, sondern schenkte 1518 Kaiser Maximilian I. Klagenfurt den Kärntner Landständen, wodurch die Stadt wuchs, die wir heute so lieben.Es gibt immer Verbesserungsvorschläge, aber im Großen und Ganzen empfinde ich, dass „Klagenfurt 500“ ein großer Erfolg war", so Geiger.

Wolfgang Germ: "Keine nachhaltigen Akzente gesetzt"

StR Wolfgang Germ (FPÖ) sieht es positiv, dass einige geplante Jubiläumsveranstaltungen "bürgernah" umorganisiert wurden, "als wir darauf hingewiesen haben, dass das Programm mehrheitlich Hochkultur beinhaltet."

Im Endeffekt sei das Jubiläum für Klagenfurter Bürger nicht greifbar gewesen, die Stadt selbst habe keine nachhaltigen Akzente gesetzt. Für Germ wurde lediglich eine Aneinanderreihung von Veranstaltungen, die ohnehin jedes Jahr stattfinden, unter den Deckmantel "Klagenfurt 500" vermarktet, wie Krone Hafenfest und Maisingen. "Es wurde hauptsächlich in Werbemittel investiert, die bald in irgendwelchen Ecken verstauben werden. Sinnvoller wäre es gewesen, endlich das Stadtmuseum zu installieren. Geschichte zum Anfassen für Jung und Alt, dies wäre dem Motto „Gestern – Heute – Morgen“ wesentlich gerechter geworden und das wäre das gewünschte nachhaltige Endprodukt gewesen. Das wäre sich mit einer Projektsumme von einer Million Euro schon ausgegangen."

In Erinnerung bleiben wird Germs Meinung nach vor allem der Festakt, konkret "der skandalöse Auftritt bei der Auftaktveranstaltung von Herrn Winkler im Wappensaal. Mit dieser politischen Inszenierung und geschmacklosen Rede in den bedeutsamsten Klagenfurter Gemäuern hat man definiert eine breite Medien- und Außenwirkung erzielt."
Aus der Bevölkerung habe Germ wahrgenommen, dass viele das Jubiläumsjahr mit Steuergeldverschwendung gleichsetzen: "Kurzum: Außer Spesen nix gewesen."

Frank Frey: "Für die Zukunft wurden wichtige Weichen gestellt"

Als Referent der Abteilung Stadtgarten ist StR Frank Frey (Grüne) stolz auf seine Mitarbeiter, die aus eigenem Antrieb viele sichtbare Zeichen zu Klagenfurt 500 im öffentlichen Raum umgesetzt haben. „Es ging uns darum, den Klagenfurtern das Jubiläum über das ganze Jahr hinweg im Bewusstsein zu verankern. Ich glaube das ist uns gelungen.“

Es mag Stimmen geben, die behaupten, die Stadt hätte insgesamt zu wenig für das Jubiläum getan, sagt Frey. „Meiner Meinung nach soll man runde Jahrestage gebührend feiern, darf jedoch keineswegs die Zukunft vernachlässigen. Und dafür wurden wichtige Weichen gestellt. Das Hallenbad Neu, der Gesamtmobilitätsplan Schwerpunkt öffentlicher Verkehr, die Begegnungszone Neuer Platz, der Schallimmisionskataster etc. sind im Jubiläumsjahr umgesetzt, weitergeführt bzw. beschlossen worden.“

Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien in Freys Bereichen durchwegs positiv gewesen. "Und wenn die, auf meine Initiative gepflanzte, Maximilianeiche vor dem Klagenfurter Stadthaus zukünftige Generationen an das Jubiläum Klagenfurt 500 erinnert, dann haben wir unseren Teil dazu beigetragen."

Autor:

Verena Polzer aus Klagenfurt

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil
Die wichtigsten Nachrichten per Push Mitteilung direkt aufs Handy! Jetzt für Deinen Bezirk anmelden!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.