Flüchtling aufgenommen: "Er ist eine echte Bereicherung für mich"

WÖLFNITZ (vp). Würden Sie, ohne ihn zu kennen, einen jungen Asylwerber aus Syrien aufnehmen? Eva Leutner aus Großbuch hat es getan. Dabei hatte sie zuerst etwas anderes vor...
"Von den Medienberichten rund um die Flüchtlingssituation war ich gleich sehr betroffen. Nachdem ich in meinem Haus in Großbuch ein Gästezimmer habe, konnte ich mir vorstellen, ein Flüchtlingskind bzw. ein Kind mit Mutter aufzunehmen", so Leutner. In Krumfelden bzw. nach Kontakten zu Landesregierung und Innenministerium kam sie nicht weiter mit ihrem Vorhaben.

"Mum Eva"

Eines Tages war Leutner zum Frühstück machen im Transitquartier in Klagenfurt eingeteilt, wo sie freiwillig hilft. "Um vier Uhr Früh rief mich eine befreundete Helferin an. Da wäre ein junger Flüchtling, der die ganze Nacht am Übersetzen war. Ob ich ihn bei mir aufnehmen würde? Ich sagte ja." Leutner kannte Mohamad (genannt "Mo", 20) aus Syrien da noch nicht. Erst als sie zum Frühstücksdienst kam, wurde er ihr vorgestellt.
"Da damals keiner so genau gewusst hat, wie das mit einer privaten Aufnahme funktioniert, hat er erst einmal meine Handynummer eingespeichert - unter ,Mum Eva'."

Erste Nacht gar nicht daheim

Nach weiteren Umwegen (Zeltlager Krumpendorf) kam "Mo" in die Grundversorgung und nach Großbuch. Leutner: "In der ersten Nacht schlief er aber gar nicht bei mir. Er hatte Dienst als Dolmetscher übers Rote Kreuz im Transitquartier." Über das MORE-Projekt nimmt er außerdem als außerordentlicher Studierender an Lehrveranstaltungen auf der Uni Klagenfurt teil - in Deutsch und Medienkommunikation.

Plötzlich nicht mehr allein

Freunde in der Nachbarschaft hat der junge Syrer auch schon. "Mo hat die Nachbarsburschen Fußball spielen gesehen. Da ging ich einfach zu ihnen hin und fragte, ob er mal mitspielen darf." Die Nachbarn reagierten toll: Sie schenkten Mo eine Fußball-Ausrüstung, brachten Säcke an Gewand und eine alte Playstation vorbei. Und plötzlich sitzen einige Jungs im Haus der 58-Jährigen, die es bisher gewohnt war, alleine zu sein, wenn sie von der Arbeit nachhause kommt.
Leutner ist sich sicher: "Ohne Mo hätten die Leute in Großbuch wahrscheinlich nie Kontakt zu einem Flüchtling gehabt. Die Nachbarin erzählte mir, dass jetzt plötzlich der eine Sohn Arabisch lernen will, der andere will sich in Englisch verbessern."

"Führe ein geregelteres Leben"

Die pro mente-Geschäftsführerin denkt nach: "Irgendwie ist es, als ob es nie anders gewesen wäre. Wir haben so viel Spaß miteinander, blödeln herum, reden auch viel über das, was er erlebt hat. Ich habe manchmal das Gefühl, wir kennen uns von irgendwo. Mo ist eine echte Bereicherung für mich. Ich führe jetzt ein geregelteres Leben. Für ihn geht es um Normalität - eine Mutter hatte er lange nicht."

Einladung zu Weihnachten

Es war dem 20-Jährigen aber vergönnt, seine Mutter, seine zwei Geschwister und den Stiefvater wiederzusehen. Ein Nachbar hat ihn für ein Treffen nach Wien mitgenommen, wo die restliche Familie vor kurzer Zeit Asyl gefunden hat. Der Vater, ein Staatsbediensteter, ist weiterhin in Syrien. Zu Weihnachten will Leutner Mos Familie nach Großbuch einladen ...

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