JVA Klagenfurt
Gefängnis-Neubau geht in Detailplanung

Freuen sich auf den geplanten Neubau der JVA Klagenfurt und verbesserte und moderne Bedingungen für Insassen als auch Mitarbeiter: der Stv.-Leiter und Wirtschaftsleiter der JVA Klagenfurt, Josef Gramm sowie JVA-Leiter Brigadier Peter Bevc, die Leiterin des psychologischen Dienstes, Doris Rogatschnig sowie Justizwachekommandant Gerhard Steller (von links)
  • Freuen sich auf den geplanten Neubau der JVA Klagenfurt und verbesserte und moderne Bedingungen für Insassen als auch Mitarbeiter: der Stv.-Leiter und Wirtschaftsleiter der JVA Klagenfurt, Josef Gramm sowie JVA-Leiter Brigadier Peter Bevc, die Leiterin des psychologischen Dienstes, Doris Rogatschnig sowie Justizwachekommandant Gerhard Steller (von links)
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Mehr Sicherheit, bessere Bedingungen für Mitarbeiter und Insassen sowie eine verbesserte Re-Integration in die Gesellschaft: Warum der Neubau der JVA Klagenfurt mittlerweile dringend ist: Leiter Peter Bevc im WOCHE-Gespräch. 

KLAGENFURT (vep). Es ist eine alte Dame, das Landesgerichtsgebäude, in dem seit Jahrzehnten die Justizvollzugsanstalt der Landeshauptstadt untergebracht ist. Zunächst Reitschule in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, dann Hotel bis hin zum Umbau zum ersten "Arresantenhaus" im Jahr 1859. Die letzte große Sanierung der JVA fand übrigens in den 80er-Jahren statt.

"Zählen zu den hässlichsten JVA Österreichs"

"Entsprechend hat das Gebäude viele Macken. Rohrbrüche, Stromleitungs-Tausch und einiges mehr stehen - nicht übertrieben - an der Tagesordnung", sagt JVA-Leiter Brigadier Peter Bevc. Und: "Es ist schlichtweg abgewohnt, das Gebäude ist mehr als alt. Es stand viele Jahre lange eine Generalsanierung im Raum, deshalb wurde abgewartet und nicht investiert. Und das merkt man jetzt. Wir gehören zu den hässlichsten JVA in ganz Österreich." 

Bis zu sieben Insassen in einem Raum 

Eines der größten Probleme: Es ist eng geworden in der JVA, Platz und Räume fehlen - sowohl für die Insassen als auch die Mitarbeiter. "Wir haben in den Zellen zum Teil Stockbetten aufgestellt und sogar einige Hafträume mit bis zu sieben Insassen. Wir haben kaum die Möglichkeit, Häftlinge einzeln unterzubringen, wenn es erforderlich sein sollte", so Bevc. Auch die Mitarbeiter sitzen sich laut Bevc sprichwörtlich am Schoß. "Zuletzt mussten wir einen alten, kleinen Haftraum für den sozialpädagogischen Dienst umbauen, damit zumindest ein kleines Büro mit Gesprächsbereich sichergestellt ist."

Mehr Differenzierung und Komplizentrennung nötig

So viele Menschen auf engem Raum - naturgemäß nicht förderlich in punkto Aggressionspotenzial, es "kriselt" oft wegen Kleinigkeiten. Insgesamt gibt es acht Abteilungen, die größte hat 80 Insassen. "Der Anteil ausländischer Häftlinge beträgt ca. 60 Prozent, wir haben ca. 40 Nationen hier. Wir separieren Kulturen, die sich nicht verstehen, aber wir müssen künftig noch besser differenzieren können", sagt Bevc. 
Und: "Wir haben ein Problem mit der Komplizentrennung. Wir können derzeit gewährleisten, vier Personen zu trennen. Heute gibt es aber Banden mit oft bis zu zehn Personen."

Beschäftigung für Häftlinge nicht gewährleistet

Besonders freut sich Bevc auf den Neubau, da dann die Räumlichkeiten geschaffen werden können, um mehr Insassen eine Beschäftigung zu bieten. "Derzeit haben wir 14 hausinterne Betriebe, von der Tischlerei bis zur Wäscherei, sowie weitere sechs Einrichtungen. Aber nur 60 Prozent der Häftlinge können einer Beschäftigung nachgehen. Das soll sich ändern." Vor allem Auftragsarbeiten für Firmen sollen ausgebaut werden. "Wir brauchen vor allem mehr Beschäftigungsformen im niederschwelligen Bereich, die alle, nicht nur die Insassen mit Fachausbildungen machen können, also vom Zusammenbau von Transportrollen bis zum Zuschneiden von Stroh für Bio-Bauern, was wir aktuell auch schon machen." 

Geduldiges Papier und Realität

Derzeit sind 296 Personen in Klagenfurt untergebracht (Zahl schwankt täglich), mit Freigängerhaus, Außenstelle Rottenstein und elektronisch überwachtem Hausarrest sind es 386. das entspricht einer Auslastung von 94-95 Prozent. "Das ist aber nur am Papier so. In Wahrheit sind wir überbelegt. Wenn ich auf der Frauen- und Jugendabteilung die Plätze frei habe, aber Männer zu uns kommen, stimmt das alles schon nicht mehr", erläutert Bevc. Real "voll", sodass die Menschen gut untergebracht werden können, sei man schon mit 350, auch wenn am Papier 400 steht. 

Sicherheitslücke Eingangsbereich

Ein großes Problem durch die Lage in der Innenstadt ist der Eingangsbereich der JVA. "Hier haben wir tatsächlich Sicherheitslücken, die wir mit dem Neubau von vornherein ausschließen können", sagt Bevc. Problem: Es gibt einen Eingang für alle. "Besucher, Neuzugänge, Freigänger. Potenzieller Kontakt zwischen diesen Personengruppen sollte normal nicht stattfinden, es ist ein hochsensibler Bereich." 
Auch, dass baulich keine richtige Schleuse installiert werden kann, macht Bevc und seinem Team immer wieder zu schaffen. "Es ist ein personeller Mehraufwand, weil wir jeden Insassen im Freien in die entsprechenden Autos begleiten müssen. Alleine alle zwei Wochen kommt der Röntgenbus für die Insassen." Konstante Frequenz herrscht auch durch Zulieferer:  Lebensmittellieferung, Müllentsorgung, Materialanlieferung für Werkstätten... "Ja, es gibt auch Fluchtversuche, kürzlich hatten wir wieder einen", sagt Bevc auf Nachfrage. Was unangenehm ist: "Wir haben auch ein Gaffer-Problem. Wenn wir Neuzugänge bekommen, stellen sich die Leute hin und machen Fotos. Das kann und darf nicht sein!", ärgert sich Bevc. 

Jetzt Raum-Funktionsplanung der neuen JVA 

Naturgemäß darf Bevc sich nicht über den Standort der neuen JVA äußern, auch wenn mittlerweile allseits bekannt ist, dass ein xxxx Hektar großer Grund beim Flughafen Klagenfurt am Wahrscheinlichsten gilt. 
Jedoch kann Bevc Einblicke in die Gestaltung des Neubaus geben, wodurch die Arbeit mit den Insassen und deren Re-Integration in die Gesellschaft verbessert werden soll. 
Das Wichtigste für Bevc: "Insassen sollen künftig maximal in Zweier-Räumen untergebracht sein. Etwas, das Standard sein sollte. Und wir wollen mehr Abteilungen als jetzt schaffen, in denen dann aber in Summe nur je 35 Insassen untergebracht sind." 
Auch die Betreuung der Abteilungen soll, durch neue Baustrukturen, effizienter und deutlich besser werden: "Natürlich entscheidet hier letztendlich das Ministerium, es geht ja auch um Personelles, aber wir wollen je vier Abteilungen, quasi ein Department, mit jeweils einem interdisziplinären Team intensiv und gut betreuen können, in dem es baulich zentral an je vier Abteilungen angedockt ist." 
Jede Abteilung solle zudem einen eigenen Raum zur Verfügung haben, in dem dann Vorträge, Schulungen, Beratungen und Arbeiten erledigt werden können.

Aktuelle Situation auf Bundesebene 

Auswirkungen auf den geplanten Neubau der JVA haben die aktuellen Geschehnisse auf Bundesebene wahrscheinlich keine, meint Bevc. „Alles, was jetzt erarbeitet wird, geschieht auf Beamten- und Fachebene. Deshalb glaube ich persönlich nicht, dass es zu Verzögerungen kommen könnte.“ Was gleichwohl dann die neue Bundesregierung ab dem Herbst macht, kann naturgemäß niemand sagen.

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Der Neubau der JVA Klagenfurt

Seit rund einem Jahr berichtet die WOCHE immer wieder über den geplanten Neubau der JVA Klagenfurt, als am wahrscheinlichsten gilt der Standort am Flughafen, auch wenn das Justizministerium dies bis dato nicht offiziell bestätigte.

Hier geht es zu den Artikeln: 
- Februar 2018: Neues Gefängnis in fünf Jahren
- Februar 2019: Interview Justizminister Moser: Justizanstalt und Landesgericht an einem Ort?

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