Corona-Folge
In Kärnten geht die Kriminalität zurück

Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß: „Polizei-Arbeit erfordert in Zeiten wie diesen besondere Sensibilität.“
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  • Foto: Studio Horst
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Die Kärntner Polizei ist in schwierigen Corona-Zeiten bestens gerüstet, versichert Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß im Interview mit der WOCHE Kärnten. Sie verfügt über einen „faktischen Personalhöchststand“.

WOCHE: Das Leben verlagert sich in Zeiten der Corona-Verordnungen in die eigenen vier Wände. Ist die Zahl der Polizei-Einsätze in Kärnten deshalb rückläufig?
MICHAELA KOHLWEISS:
Aktuell zeigen unsere Statistiken im Bereich der Kriminalität einen deutlichen Rückgang – und das quer durch fast alle Deliktsbereiche. Zu den „herkömmlichen“ polizeilichen Aufgaben sind aber neue hinzugekommen oder sie haben sich lagebedingt verändert. Die Einführung von Grenzkontrollen auch zu Italien, der Vollzug neuartiger Verordnungen und die Cyber-Kriminalität fordern daher die volle Einsatzfähigkeit der Polizei. Eine sichtbare Präsenz der Exekutive ist in Zeiten wie diesen ohnehin unerlässlich.

Welche Delikte nehmen in Corona-Zeiten zu, Stichwort Cyber-Kriminalität?
Die Momentaufnahmen zeigen – noch – eine konstante Entwicklung. Wir erwarten aber gerade in diesem Deliktsfeld deutliche Steigerungen und warnen einmal mehr vor Betrügern, die die Sorgen der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Corona-Virus ausnutzen. Bereits jetzt treten Tätergruppen auf, die in sozialen Medien und WhatsApp-Gruppen mit unterschiedlichen Methoden, auch durch telefonische und persönliche Kontaktaufnahme, versuchen, Bürger im Zusammenhang mit dem Corona-Virus zu betrügen. Grundsätzlich gilt es, unbekannten Personen – auch im Internet – ein gesundes Misstrauen entgegenzubringen und keinesfalls Forderungen zu erfüllen oder die Türe zu öffnen. Geben Sie niemandem, weder persönlich, schriftlich oder telefonisch Ihre Daten – insbesondere Bankdaten – weiter.

„Es gibt noch immer Uneinsichtige, die selbst in dieser prekären Situation versuchen, rechtliche und faktische Grenzen auszuloten.“

Welche Art von Einsätzen bestimmen nun hauptsächlich den Alltag der Kärntner Polizisten?
Seit Beginn des Maßnahmengesetzes „Covid 19“ unterstützen unsere Polizisten die Gesundheitsbehörden bei der Vollziehung zahlreicher Maßnahmen. Diese Aufgabe erfordert besondere Sensibilität und Fingerspitzengefühl. Gleichzeitig braucht es aber auch die notwendige Konsequenz, um jenen Uneinsichtigen, die selbst in dieser prekären Situation versuchen, rechtliche und faktische Grenzen auszuloten, den Rahmen des Erlaubten vor Augen zu führen. Ungeachtet dieser personal- und zeitintensiver Aufgabe ist selbstverständlich das übliche „polizeiliche Tagesgeschäft“ abzuwickeln.

Wie sieht die Vorgangsweise aus, wenn in einer Polizeiinspektion ein Verdachts- oder gar Corona-Fall auftritt?
Wir haben unter anderem sämtliche Empfehlungen der Gesundheitsbehörden, insbesondere in Hinblick auf Desinfektion und Hygiene, im eigenen Bereich umgesetzt. Es gibt neue Richtlinien bezüglich des polizeilichen Einschreitens und zudem auch zahlreiche dienstbetriebliche Maßnahmen im Zusammenhang mit Sars-CoV-2. Bei Kontakt,- Verdachts- oder Infektionsfällen gibt es einen eigenen Leitfaden, den es umzusetzen gilt. Das kann – je nach Kontakt oder Symptom – „nur“ die Herstellung des Kontakts mit der Gesundheitsbehörde sein, es kann aber auch die sofortige Außerdienststellung des Kollegen und weiterführende Maßnahmen bedeuten.

„Sollte eine Dienststelle temporär gesperrt werden, sind die Agenden von den angrenzenden Polizei- oder Fachinspektionen zu übernehmen.“

Wie gewährleistet die Polizei in der betroffenen Gemeinde die Sicherheit der Bürger, falls eine Polizeiinspektion vorübergehend schließen muss?
Durch die Einstellung sämtlicher Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie der Aufhebung von Zuteilungen verfügen wir über einen faktischen Personalhöchststand in Kärnten. Sollte eine Dienststelle temporär gesperrt werden, sind die Agenden von den angrenzenden Polizei- oder Fachinspektionen zu übernehmen.

Sind aktuell Polizisten in Kärnten am Corona-Virus erkrankt?
Ja, aktuell haben zwei Polizisten ein positives Covid-19-Testergebnis erhalten.

Welche Maßnahmen werden ergriffen, falls zu viele Polizisten ausfallen?
Es ist davon auszugehen, dass auch Exekutivbedienstete von der Pandemie betroffen sein werden und wir nicht mehr auf die gesamte Personalstärke zurückgreifen können. Unsere Planungen nehmen darauf aber jetzt schon Bedacht. Letztlich können wir uns aber auch auf die Assistenzleistung des Österreichischen Bundesheeres verlassen, die uns bei der Bewältigung dieser sicherheitspolizeilich besonders herausfordernden Lage unterstützt.

Die Kärntner Polizei möchte das Direktionsgebäude in der St.-Ruprechter-Straße in Klagenfurt um ein sechstes Stockwerk erweitern. Hält der angestrebte Baubeginn im Herbst?
Aktuell fokussieren wir uns auf die Bewältigung der bestehenden und zukünftigen polizeilichen Herausforderungen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Baubeginn hält. Fest steht aber, dass wir die entsprechenden behördlichen Genehmigungsverfahren in die Wege leiten werden.

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