For Forest
Littmann: "Der erste Baum im Stadion war der Wichtigste"

Der erste Baum im Stadion. Dieser war für Initiator Klaus Littmann der wichtigste Moment um erstmals real zu sehen, ob die Proportionen so sind, wie geplant.
  • Der erste Baum im Stadion. Dieser war für Initiator Klaus Littmann der wichtigste Moment um erstmals real zu sehen, ob die Proportionen so sind, wie geplant.
  • Foto: For Forest/Gerhard Maurer
  • hochgeladen von Verena Polzer

In vollem Gang ist der Aufbau von "For Forest": Initiator Klaus Littmann im WOCHE-Gespräch über Fortschritte und CO₂-Bilanzen.

KLAGENFURT (vep). Rund 100 Bäume, also etwa ein Drittel, waren Mitte vergangener Woche schon im Wörthersee-Stadion in Klagenfurt platziert. Der Aufbau des Kunstprojektes "For Forest – die ungebrochene Anziehungskraft der Natur" schreitet laut Initiator Klaus Littmann unter Einsatz von 40 Mitarbeitern zügig voran. Muss er auch, denn die Deadline, der 4. September, wenn die offiziellen Medientermine vor der Eröffnung am 8. September starten, rückt näher. "Täglich können wir ca. 25 Bäume aufstellen", erklärt Littmann. Bis ein Baum auf den Traktor verladen, zum Stadion verbracht, dort an richtiger Stelle positioniert und verzurrt ist, dauert es ca. eine Stunde, weiß Adi Fehlmann, Mitarbeiter von Enzo Enea, der ja für die die Choreografie der Bäume verantwortlich ist. 

"CO2-Bilanz wäre mit heimischen Bäumen höher gewesen"

Immer wieder wurde nun kritisiert, warum die Bäume einzeln mit Traktoren ins Stadion gefahren werden. Das hat laut Fehlmann und Littmann mehrere Gründe, auch logistische. Aber allem voran: Beim Verladen und Sichern vieler Bäume auf einem LKW zugleich würde die Wahrscheinlichkeit, dass sie verletzt oder kaputt werden, deutlich erhöht. 
Littmann nimmt auch Stellung zu der mehrfachen Kritik von Klagenfurts Vize-Bgm. Wolfgang Germ, dass der Transport der Bäume aus anderen Ländern und die damit verbundene CO2-Belastung gegen die Nachhaltigkeit und den Gedanken des Kunstprojektes sprechen würde. "Wir haben uns das natürlich ausgerechnet und gut überlegt", so Littmann, "hätten wir alle Bäume innerhalb Österreichs gefunden, hätten wir viele Orte anfahren müssen. Die CO2-Bilanz wäre höher gewesen als nun, da wir die Bäume aus drei Regionen in Italien und Belgien hergeholt haben." Und, so setzt er nach: "Wenn der Wald nach dem Projekt in Klagenfurt verpflanzt wird und die nächsten hundert Jahre hier CO2 bindet, so ist das glaube ich auch ein Ausgleich."
Die Bäume ohne das Zwischenlager direkt erst vor dem Projekt gleich ins Stadion zu bringen, wäre laut Littmann nicht möglich gewesen: "Die Bäume brauchen eine gewissen Zeit, um nach dem längeren Transport zu rasten und sich an das Klima und die Bedingungen hier zu gewöhnen."

Work in Progress 

Die 299 Bäume werden nun jedenfalls nach genauem Plan von Enzo Enea im Stadion aufgestellt. Zuunterst sind jene Metallplatten, die auch bei Konzerten im Stadion zum Einsatz kommen. Darauf ist eine Holzkonstruktion. Auf dieser werden die Wurzelballen der Bäume sorgfältig verzurrt, das computergesteuerte Bewässerungssystem angeschlossen. Der Boden wird dann mit rund 300 Kilo Hackschnitzel aufgeschüttet, gefolgt von Rindenmulch. "Das wird danach alles weiterverwertet, im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens", sagt Littmann. Damit ein richtiger Wald entsteht, werden zuletzt im Feinschliff auch Totholz und Sträucher am Boden platziert. 

Fotografieverbot: 20.000 Euro Strafe

Während der Aufbauarbeiten herrscht ein striktes Fotografie-Verbot. Wer es missachtet, dem drohen 20.000 Euro Strafe. "Aufnahmen während des Entstehens würden ein falsches Bild abgeben", erklärt Littmann. Auch der tatsächliche Überraschungsmoment des fertigen Projektes würde so verloren gehen. Diese Vorgehensweise sei durchaus üblich, auch während des Aufbaus für das Bon-Jovi-Konzert herrschte Fotografie-Verbot. "Es ist ja nichts anderes, als eine Sperrfrist", sagt Littmann, der natürlich eine ganz bestimmte Vorstellung davon hat, welche Bilder und Perspektiven letztendlich um die Welt gehen sollen. "Wir werden natürlich auch kontrolliert und professionell mit Gerhard Maurer Bilder aus allen Perspektiven, bei Tag und bei Nacht machen", erklärt Littmann. Nicht zuletzt denkt er auch schon an das Buch, das zu diesem einzigartigen Projekt erscheinen wird. "Wir dokumentieren das Projekt von Anfang an sowohl fotografisch als auch mit Videos. Auch während des Projektes werden wir für das Buch alles Dokumentieren, etwa die Verfärbung und Veränderung der Bäume im Herbst." 

"Der erste Baum war der Wichtigste" 

Auf die Frage, ob jetzt, da die Bäume wirklich im Stadion stehen, alles so ist, wie er sich das vorgestellt hat, antwortet Littmann: "Man stellt sich so vieles vor. Das Wichtigste war für mich tatsächlich der erste Baum und der Moment, als er vom Waagrechten ins Senkrechte aufgerichtet wurde." Da konnte Littmann erstmals sehen, ob die Proportionen wirklich stimmen. "Und es ist sogar noch besser, als ich mir vorgestellt habe. Die Proportionen sind perfekt", sagt Littmann mit einem Leuchten in den Augen.
Und Besuchern empfiehlt er vorab Folgendes: "Man muss tatsächlich öfter kommen, die Wahrnehmung ist je nach Tageszeit und Lichteinfall ständig eine andere. Auch bei Nacht und im künstlichen Licht ändert sich diese." Auch Perspektivenwechsel sollten vollzogen werden: "Ganz unten auf den Rängen erschließt sich ein völlig anderes Bild, als wenn man von ganz oben hinunter auf die Kronen der Bäume sieht." Ab dem 8. September kann sich jeder sein eigenes Bild von For Forest machen. 

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Wissenswertes zu For Forest 

Gewichtige Installation: Insgesamt wird die Installation der Bäume ein Gewicht von rund 750 Tonnen haben. 
299 Bäume plus 300 Kilo Hackschnitzel plus unzählige kleine Sträucher und Pflanzen werden für das Kunstprojekt benötigt. 
Jeder Baum benötigt ca. 60 Liter Wasser pro Tag, das ist eine volle, handelsübliche Schubkarre.
Eröffnung: 8. September, 14 Uhr. 
Bis bis 27. Oktober können Besucher von den Rängen aus bei freiem Eintritt die Bäume bzw. das Projekt täglich von 10 bis 22 Uhr betrachten. Eingang ausschließlich über die Westseite des Stadions.

Autor:

Verena Polzer aus Klagenfurt

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