Militärflugplatz Klagenfurt vor Schließung?

Zwei Pilatus PC-6 "Turbo Porter" waren auch vor Ort
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LURNFELD (aju). Nach dem verheerenden Waldbrand im Lurnfeld ist die Wichtigkeit von engagierten und gut organisierten Löschtrupps wieder ins Gedächtnis Vieler gerufen worden. Eine wichtige Unterstützung für die Einsatztruppen waren die Hubschrauber und Flächenflugzeuge des Bundesheeres. Doch besonders ihr Einsatz könnte bald erheblich erschwert werden.

Einsatz ist Knochenarbeit

"Die Arbeit eines Piloten, besonders in solch heiklen Situationen, ist ein wahrer Knochenjob", erklärt Manfred Linhard, Hubschrauberkommandant in Klagenfurt und seit 37 Jahren Pilot beim Bundesheer. Er war beim Brand im Lurnfeld im Einsatz und spricht von einem der größten Brände seiner ganzen Laufbahn als Pilot. Er und seine Fliegerstaffel leisten dabei einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung eines solchen Flächenbrandes. Doch mit der viel diskutierten Schließung des Hubschrauberstützpunktes in Klagenfurt könnte eine schnelle und unkomplizierte Hilfe von oben bald in weite Ferne rücken. Auch Gerald Preimel, Bürgermeister der Gemeinde Lurnfeld spricht sich gegen die Schließung aus: "In Situationen wie diesen, wird uns die Notwendigkeit des Hubschrauberstützpunktes in Klagenfurt wieder bewusst. Ohne diese schnelle Unterstützung von oben hätte die Situation vielleicht anders ausgesehen." Nach einer Besichtigung der Situation spricht sich nun auch Landeshauptmann Peter Kaiser für den Erhalt des Hubschrauberstützpunktes aus.

Konsequenzen einer Schließung

"Für die Flieger wäre mit einer Schließung des Flughafens in Klagenfurt der nächste Stützpunkt in Aigen im Ennstal. Dies würde eine Verzögerung pro Einsatz von mehr als drei Stunden bedeuten", erklärt Markus Knirschnig, Oberwachtmeister. Diese Verzögerung bezieht sich nicht nur auf die Ankunft des Hubschraubers selbst, sondern auch auf Tankfahrzeuge. "In ein Fahrzeug passen 13.000 Liter Treibstoff. Ein Black Hawk Hubschrauber verbraucht in einer Stunde mehr als 600 Liter. Bei einem Einsatz wie im Lurnfeld wo sechs Hubschrauber und zwei Flächenflugzeuge in Betrieb sind, reicht der Treibstoff eines Tanklasters deshalb nicht aus", so Wachtmeister Franko Langwieser. Die Tragweite dessen wird erst bei genauerem Hinsehen bewusst. "Ein Flug von Aigen im Ennstal würde den Black Hawk eineinhalb Stunden kosten, inklusive der Vorbereitungszeit der Crew sprechen wir von mindestens dreieinhalb Stunden. Die Tanklaster müssen ebenso von Aigen im Ennstal anreisen und auch dorthin zurückfahren wenn nachgetankt werden muss. Dies würde eine Fahrt von mindestens drei Stunden in eine Richtung inkludieren", erklärt Langwieser.

Weitreichende Folgen

Neben den diversen technischen Leistungen ist der Hubschrauberstützpunkt in Klagenfurt auch ein wichtiger Organisationsstandort. "Hinter einem solchen Einsatz steckt viel Organisation damit die Löschkette nicht abreißt. Viele Serviceleistungen und organisatorische Anweisungen stammen hierbei vom Hubschrauberstützpunkt in Klagenfurt", informiert Knirschnig. Weitreichende Folgen hätte eine Schließung nicht nur für die Brandbekämpfung in Kärnten sondern auch für andere Hilfseinsätze der Heereshubschrauber. Der Hubschrauberstützpunkt verfügt nämlich als einer der wenigen über das Equipment und die Ausbildung für Luftfahrzeugrettungen. In Notsituationen können so die Hubschrauberbesatzungen in Sicherheit gebracht werden. Auch eine medizinische Zusatzausrüstung für Hubschrauber ist vorhanden. Diese wäre, bei Schließung, durch die fehlenden Lagerungsmöglichkeiten zwar vor Ort, aber nicht einsatzfähig.

Kostenersparnis

"Ein wichtiges Detail am Rande ist, dass dieser Hubschrauberstützpunkt jährlich 36.000 Euro kostet. Den Betrag würde man aber durch eine Schließung und die Notwendigkeit, die Einsätze vom Ennstal aus zu fliegen, sicherlich überschreiten", erklärt Langwieser. Nicht außer Acht lassen sollte man auch die Tatsache, dass die Leistungen des Bundesheeres in solch heiklen Situationen, wie im Lurnfeld, für die freiwilligen Helfer eine erhebliche Erleichterung darstellen. "Je länger die Luftunterstützung braucht um an den Ort des Geschehens zu kommen, desto länger werden die freiwilligen Helfer mit der Situation alleine gelassen. Schon um die freiwilligen Feuerwehren und alle anderen Helfer in solchen Situationen schnellstmöglich zu entlasten, brauchen wir den Standort in Klagenfurt", informiert Langwieser. Somit bleibt die Frage offen, ob hier nicht an der falschen Stelle gespart werden würde.

Fakten der Hubschrauber

Black Hawk
Verbrauch: circa 600 Liter pro Stunde, je nach Beladung
Leistung: zwei Triebwerke mit je 1940 PS
Transportkapazität: 20 Personen
oder Beförderungslast von vier Tonnen
Reichweite: 500 Kilometer
maximale Geschwindigkeit: 360 Kilometer pro Stunde

Alouette III
Verbrauch: circa 200 Liter pro Stunde
Turbinenleistung: 570 PS
Transportkapazität: 7 Personen
oder Beförderungslast von 750 Kilogramm
Reichweite: 400 Kilometer
maximale Geschwindigkeit: 210 Kilometer pro Stunde

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