Klagenfurter Leben
Rollenbilder gegen die Ungleichheit

Ina Loitzls Kunstwerke sprechen gesellschaftliche Missverhältnisse an.
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  • Ina Loitzls Kunstwerke sprechen gesellschaftliche Missverhältnisse an.
  • Foto: Pia Sternbauer
  • hochgeladen von Florian Gucher

Die Künstlerin Ina Loitzl widmet sich sozial-gesellschaftlichen Problemen und setzt Akzente, die zum Hinterfragen anregen.

KLAGENFURT. Ungerechtigkeit schlummert in den unscheinbarsten Handlungen. Die in Klagenfurt geborene Künstlerin Ina Loitzl versucht sie in ihren Arbeiten ins Gedächtnis zu rufen und dagegen anzukämpfen. Als Frau macht sie sich für weibliche Thematiken stark, die nicht selten von der Gesellschaft übersehen werden. Hemmungslos, provozierend und nicht zuletzt normative Unsagbarkeiten aufsprengend, ebnet sie den Weg der Kunst hin zum Aufbruch und schafft Werke, die umso stärker wirken, je bewusster wir uns mit ihnen auseinandersetzen.

Ein Plädoyer für Gerechtigkeit

Mit Scherenschnitt und Co die Schnittpunkte und Unebenheiten der Gesellschaft offenbaren: Ina Loitzl kennt keine Grenzen, wenn es um Tabubrüche und Schockmomente geht und das durchaus im positiven Sinne, um eine Hinterfragung normativer Auffassungen von Körper, Geschlecht und Rollenbild einzuleiten. Sezierend setzt sich Loitzl mit dem menschlichen Körper auseinander, dringt bis in das Innere hervor, wodurch ihre Arbeiten auf den ersten Blick nicht gleich ästhetisch anmuten, sondern verpöntes Terrain durchschreiten. „Die Freiheit der Kunst erlaubt es mir, Dinge zu sagen, die man sonst so nicht sagen würde“, so die Kunstschaffende.

Potential der Frauenbilder

Der Künstlerin geht es um positive weibliche Bilder, die jungen Mädchen Mut machen sollen: „Noch immer werden Frauen oftmals als schwächer, unreiner angesehen.“ Mit vielen Tabus behaftet, möchte sie bei der Körperlichkeit der Frau ansetzen und diese als ernstzunehmendes Thema propagieren. Ihre Arbeiten zeigen eine Vielzahl weiblicher Rollen, manchmal auferlegt, oft aber auch bewusst gesucht: „Mich interessieren die positiven Rollen des Menschen und was man alles rausholen kann. Da meine Werke Tabuisiertes und mit Scham Behaftetes ansprechen, sind sie auf den ersten Blick nicht so gefällig, doch je öfter Menschen sie sehen, umso mehr gewähren sie“, so die Künstlerin, die ihre Arbeiten nicht als gewaltvoll, sondern als sanft begreift. Schockhafte Momente vermengen sich dabei mit lebensfrohen und einprägsamen Szenen wie Geburten: „Ich finde den menschlichen Körper als Metier interessant, insbesondere wenn es um die lebensbejahende Seite geht. Dass meine Projekte manchmal aufgrund der Nacktheit mit Pornografie verwechselt werden, schreckt mich, da ich jegliche Form von Gewalt als abstoßend empfinde.“ In diesem Sinne wird es vom 3. März bis zum 19. April 2022 eine von Loitzl kuratierte Ausstellung im Kunstverein mit dem Titel „Proud!“ geben, die sich aktiven Frauen in der Klagenfurter Geschichte widmet, die aufgrund ihres Geschlechtes in den Hintergrund gedrängt wurden. Neben feministischen Themen fließen auch andere gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen in ihre Arbeiten mit ein. Eines ihrer neuesten Werke mit dem Titel „Cut-Out Monkey“ macht beispielsweise auf die prekäre Lage von Kunstschaffenden aufmerksam, doch nicht um Mitleid zu erregen, sondern um die Leistung der Künstlerinnen und Künstler hervorzuheben.

Pluralität und Diversität

Es ist einleuchtend, dass sich Loitzl bei solch komplexen Themen nicht auf ein Material einschränken lässt und Technik mit installativen Objekten wie auch Textilkunst verknüpft. Mit dem Einsatz verschiedenster Techniken wie Assemblagen, Cut-Out, aber auch New-Media arbeitet sich Ina Loitzl an Problemen der Zeit ab und zeigt ineinandergefügte Verwebungen auf, die vom Betrachter erst entknotet werden müssen. Beispielsweise wenn sie Weiblichkeit und Vergänglichkeit in Parallele setzt und der Betrachter bei genauerer Beobachtung erkennt, wie sehr sich Mensch und Natur ähneln: „Diese Entdeckungen werden erst untergründig augenscheinlich.“ Das Besondere an Loitzl ist die Vielfalt der technischen Möglichkeiten, derer sie bedient bei gleichzeitiger Analogie der Themen, die ihr Werk bestimmen. Mit den jeweiligen Materialeigenheiten im Fokus gelingt es ihr, Themenkomplexe unterschiedlich darzustellen und interessanter zu machen. Oftmals mit Verspannungen, die durch die Hängung der Kunstwerke im Raum sichtbar hervortreten. Geprägt von feministischen Künstlerinnen wie Cindy Sherman ist es ihre große Stärke, durch Kunstwerke präzise normative Werte infrage zu stellen. Anknüpfend an den gesellschaftlich immer noch vorhandenen Ungerechtigkeiten, arbeitet sie sich daran ab, um als Frau Benachteiligungen sichtbar zu machen. Die gerade heute, in einer Zeit, wo die vermeintlich progressive Gesellschaft dieses Problem als überwunden zu haben glaubt, brennender denn je sind. Es ist nicht überwunden, das wird es vermutlich nie sein. Doch wenn Simmen wie jene von Ina Loitzl auf Gehör stoßen, gehen wir in die richtige Richtung: Vielleicht macht gerade die Blickverschiebung und Wahrnehmungsveränderung das Dilemma augenscheinlich.

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