Suchthilfe-Verein ohne Förderungen: "Am Rande unserer Leidensfähigkeit"

Der Verein für Suchtkranke "Oikos" arbeitet seit einem Jahr ohne finanzielle Förderung des Landes.
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KLAGENFURT (chl). Der gemeinnützige Verein "Oikos - Verein für Suchtkranke" arbeitet seit 23 Jahren in der Therapie von Suchtkranken und betreibt eine Beratungsstelle, ein Cannabis-Ambulatorium und die einzigen gemeinnützigen stationären Therapieeinrichtungen für Drogenabhängige in Kärnten. "Allein im Vergleich zum letzten Jahr verzeichnen wir eine 30-prozentige Zunahme an Beratungsgesprächen im ambulanten Bereich. Auch im stationären Bereich sind wir nahezu ständig voll ausgelastet. Diese Klienten werden uns aber aus anderen Bundesländern zugewiesen, nicht aus Kärnten“, erklärt Andrea Wulz, Obfrau-Stellvertreterin des Vereins Oikos.

Vertragslos seit 2017

Bereits im Juni 2017 hat Gesundheits-Landesrätin Beate Prettner den privatrechtlichen Vertrag über die stationäre Unterbringung von Drogenklienten aus Kärnten in der Einrichtung gekündigt. "Begonnen hat alles mit 25 Auflagen, die uns vom Land Kärnten vorgeschrieben wurden. Gegen diese Punkte haben wir Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingelegt. Auf Druck des Landes haben wir die Beschwerde in der Folge in 20 Punkten zurückgezogen und über die verbleibenden fünf Punkte einen Vergleich mit dem Land geschlossen", berichtet Wulz.
Um die Vorwürfe der mangelnden Qualitätsstandards zu entkräften, veranlasste die Therapieeinrichtung die ISO-Zertifizierung, die derzeit im Laufen ist. Mehrere Kontrollen wurden vom Gesundheitsreferat durchgeführt.
„Grundsätzlich ist festzuhalten, dass das Land Kärnten als Aufsichtsbehörde bauliche, sanitäre, finanzielle, personelle Auflagen überprüfen muss. Alle Einrichtungen, nicht nur Oikos, sind verpflichtet, sämtliche dafür notwendigen Unterlagen zeitnah vorzulegen. Im Fall Oikos wurden Gesprächstermine immer wieder verschoben und Unterlagen unvollständig beigebracht“, hält Gesundheitsreferentin LH-Stv. Beate Prettner fest.

Arbeit ohne Förderungen

"Das vergangene Jahr hat uns an den Rand unserer Leidensfähigkeit gebracht, da wir immerzu vergebens bemüht waren, den ständig neuen Anforderungen gerecht zu werden“, fasst Wulz zusammen. "Es geht uns um die Qualität in der Versorgung von Suchtkranken. Das Land Kärnten erzeugt auf keine Einrichtung ,Druck’, vielmehr müssen fachliche Auflagen im Rahmen der Aufsichtspflicht des Landes erfüllt werden, um die Versorgungsqualität der Patienten sicher zu stellen", betont Prettner.
Die ambulante Einrichtung von Oikos werde zwar vom Land subventioniert, jedoch in geringem Ausmaß. Seit über einem Jahr bleibe aber auch diese Zahlung aus und Oikos arbeite derzeit ohne Fördermittel. Eine Erweiterung des Angebotes, stationär und ambulant, sei angedacht, jedoch fehlen dafür die Signale und das Interesse des Landes.
„Wenn alle Auflagen des Landes erfüllt sind und die nach monatelanger Urgenz nun eingelangten Unterlagen vollständig überprüft sind, können die Vertragsverhandlungen wieder aufgenommen werden“, lässt Prettner einen Hoffnungsschimmer durchblicken.
Angesichts der aktuellen Drogensituation ist es für Wulz zudem äußerst verwunderlich, dass kein Experte von Oikos zum Drogengipfel am 1.August geladen wurde.

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