10. Todestag
Was vom Kult um Jörg Haider übrig ist!

Die Gedenkstätte an der Unfallstelle in Lambichl wird unter anderem von den „Freunden Jörg Haiders“ gepflegt
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Unfallstelle, Brücke, Denkmal & Co.: Ein Rückblick auf den Personenkult zum 10. Todestag von Jörg Haider.

KÄRNTEN. Am 11. Oktober 2008 verunglückte Jörg Haider in seinem Dienstwagen, einem VW-Phaeton. Zum zehnten Todestag begibt sich die WOCHE, abseits aller politischen Spätfolgen, auf Spurensuche. Wer kümmert sich um die Gedenkstätte an der Unfallstelle in Lambichl? Welche Auswüchse nahm der Personenkult in den vergangenen zehn Jahren an? Was erinnert heute an den verstorbenen Landeshauptmann?

Park und Stadion

Unmittelbar nach Haiders Tod kündigte der damalige Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher an, den Kärntner Park der freiwilligen Schützen zwischen Landesregierung, Konzerthaus und Hasnerschule in „Jörg-Haider-Park“ umbenennen zu wollen. Das damalige BZÖ schlug sogar vor, das Klagenfurter EM-Stadion namentlich dem verstorbenen Landeshauptmann zu widmen.

Zahlreiche Vorschläge

2009 war dann mit Christian Scheider (damals BZÖ) ein neuer Bürgermeister im Amt. Scheuchers Pläne wurden verworfen. Der damals zuständige BZÖ-Stadtrat Wolfgang Germ (heute FPÖ-Stadtparteiobmann) erinnert sich: „Ich wüsste nicht, dass damals die Familie Haider, jemand aus der Bevölkerung oder Politik an mich mit diesem Wunsch herangetreten wären. Die neue Stadtregierung hatte sicher auch andere Themen auf der Agenda.“ Überhaupt hätten sich Forderungen und Vorschläge nach Haiders Ableben damals überschlagen.

Die Lippitzbachbrücke

Tatsächlich umbenannt wurde im Jänner 2009 die Lippitzbachbrücke. Ein Jahrhundertprojekt, das die Gemeinden Bleiburg und Ruden über der Drau miteinander verbindet. „Der damalige Landeshauptmann Gerhard Dörfler zog die Umbenennung in Jörg-Haider-Brücke durch, ohne mit uns darüber zu reden“, blickt Bleiburgs Bürgermeister Stefan Visotschnig zurück. Ihn störe der Name nicht: „Weil es ohne Haider diese Brücke niemals gegeben hätte!“ Im Volksmund werde diese aber immer Lippitzbachbrücke genannt.

Ausstellung und Skulptur

Hinter den Erwartungen blieb die auf ein Jahr ausgedehnte Haider-Ausstellung im mittlerweile geschlossenen Bergbaumuseum in Klagenfurt ab 10. Oktober 2009. 30.000 Besucher waren erhofft, geworden sind es „nur“ 11.500. Ein „Überbleibsel“ dieser Ausstellung ist die umstrittene Kunst-Skulptur „Verbindende Hände“, die als Denkmal für Jörg Haider nach der Ausstellung vor dem Gurker Dom aufgestellt wurde. „Der Gemeindevorstand hat das damals einstimmig beschlossen. So lange ich Bürgermeister bin, wird das Denkmal auch in Gurk bleiben“, stellt Bürgermeister Siegfried Kampl klar. Um dessen Pflege kümmert sich die Gemeinde. „Wir pflegen das gesamte Ortsbild, das Denkmal ist ein Teil des Orts“, betont Kampl.

Gedenkstätte in Lambichl

Die Gedenkstätte an der Unfallstelle in Lambichl gehört ebenso in regelmäßigen Abständen gepflegt und gereinigt. Dies hat sich eine private Initiative, die sich „Freunde Jörg Haiders“ nennt, zur Aufgabe gemacht. „Aber nicht nur wir, Jörg Haider hatte ja viele Freunde“, erklärt Arndt Burgstaller, ein FPÖ-Parteifunktionär aus Radenthein. Bei Bedarf greift auch die Landespartei unterstützend ein, wie FPÖ-Landesgeschäftsführer Toni Schweiger hinzufügt. Welche Personen sich hinter den „Freunden Jörg Haiders“ verbergen, wird ebenfalls wie ein Staatsgeheimnis gehütet wie der Name jenes österreichischen Gönners, der jedes Jahr zum Todestag 5.000 Kerzen aufstellen lässt.

Der Neue Platz

Das (vorerst) letzte Kapitel im Personenkult um Jörg Haider ist der Vorschlag des heutigen Rest-BZÖ, den Neuen Platz in Klagenfurt umzubenennen. „Solche Namensgebungen sind sensibel“, warnt Klagenfurts Stadtrat Germ. Für ihn wäre so etwas nur unter Einbindung der Familie denkbar, wenn die Bevölkerung und eine breite politische Basis dahinterstehen. Die aktuelle BZÖ-Forderung kommt für Germ nicht in Frage: „Mein guter Rat: Mit solchen Forderungen vorsichtig umgehen!“
Die FPÖ Kärnten lädt am Donnerstag (11. Oktober) zu einem öffentlichen Gedenkgottesdienst mit Beginn um 18.15 Uhr im Klagenfurter Dom.

ZUR SACHE
Internet-Suche:
Zehn Jahre nach dem Tod Jörg Haiders ist sein Name im Internet gefragter denn je. Auf dem Online-Marktplatz „Ebay“ werden 110 Artikel zum Thema Jörg Haider angeboten. Wer auf „Google“ im Suchfeld „Haider Unfall“ eingibt, erhält innerhalb einer halben Sekunde ungefähr 154.000 Suchergebnisse (Stand: 8. Oktober).

Die Gedenkstätte an der Unfallstelle in Lambichl wird unter anderem von den „Freunden Jörg Haiders“ gepflegt
Das Denkmal „Verbindende Hände“ steht vor dem Gurker Dom

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