Weihnachten hinter verschlossenen Türen

Auch in der JVA ist Weihnachten:  Leiter Peter Bevc, Harald Streicher, AI Manfred Skala, RI Armin Hausharter und BI Christian Brunner
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KLAGENFURT (vep). Am Heiligen Abend gibt es wie bei vielen Familien in Kärnten traditionell Selcher mit Kraut für die rund 300 Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Klagenfurt. "Auch hier feiern wir Weihnachten", informieren Oberstleutnant Harald Streicher und JVA-Leiter Brigadier Peter Bevc. In der Weihnachzszeit backen die Frauen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Kekse, alle dekorieren ihre Abteilungen. "Die Jüngeren basteln gemeinsam mit den Sozialpädagogen Geschenke für ihre Eltern", sagt Streicher.
Am Vormittag des 24. Dezembers hält Pater Anton in der Anstaltskapelle eine Weihnachtsandacht, die meisten Inhaftierten freuen sich auf das Fest. "Es gibt auch Musik und unser Gefangenenchor singt", erläutert Streicher. Auf den einzelnen Abteilungen der Männer, Frauen und Jugend sowie in den hauseigenen Betriebsstätten, in denen die Häftlinge beschäftigt sind – von der Tischlerei bis zur Schlosserei – finden die ganze Woche vor Weihnachten Feiern statt. "Also wie Firmenweihnachtsfeiern, nur ohne Alkohol", so Streicher.

Schwierige Zeit für alle

Knapp die Hälfte darf, weil sie Freigänger sind, in der Weihnachtszeit auch nachhause. "Viele wählen aber bewusst nicht den Heiligen Abend, da sie in ihren Familien da oft unerwünscht sind oder sich unerwünscht fühlen." Generell herrsche in der Weihnachtszeit eine andere Stimmung in der JVA. "Es ist eine schwierige Zeit, viele belastet es sehr, fern ihrer Familien zu sein. Wenn sie sonst nach außen stark und hart sind, viele werden dann ganz ruhig, manche weinerlich oder depressiv, andere aggressiv", sagt Streicher. Das sei auch eine große Herausforderung für die rund 120 Justizwachebeamten und die vier Sozialpädagogen. "Alle kennen ihre Schützlinge gut und wissen, wie sie in dieser Zeit auf sie eingehen können."

Packerln gibt es keine

Viele Häftlinge werden von ihren Familien besucht, die 14- bis 21-Jährigen können ihre gebastelten Geschenke überreichen. Für die Inhaftierten gibt es aber keine Weihnachtspackerln. Das wurde laut Streicher vor einigen Jahren eingestellt, da die Drogenproblematik zugenommen habe. Aber: ein "Weihnachtsgeld" kann auf das Konto der Häftlinge eingezahlt werden.

"Feiern auch Ramadan"

In der JVA Klagenfurt prallen viele Kulturen und Religionen aufeinander – der Anteil ausländischer Häftlinge beträgt 60 %. "Wir haben 40 Nationen, 26 Sprachen. Von den anerkannten Religionen sind fast alle vertreten." Deshalb gilt für das Weihnachtsfest: Jeder hat das Recht, es zu begehen, muss aber nicht.
"Wir feiern für die Moslems dann auch den Ramadan", sagt Streicher. Auch andere Religionen werden berücksichtigt, wie etwa die Jüdische. "Jedoch haben wir derzeit keinen mit dieser Religionszugehörigkeit hier. Übrigens: Auch geheiratet wird hier bzw. am Standesamt. Etwa alle zwei Jahre "traut" sich jemand. Streicher: "Eigentlich ist die JVA wie ein kleines Dorf: Es gibt genauso Beziehungen, Streit, Menschen sterben und Kinder werden geboren."

„Etwas tun können“ ist immens wichtig

Eine Tagesstruktur schaffen, Beschäftigung bieten, Neues lernen – darauf wird in der JVA Klagenfurt besonderer Wert gelegt. Etwa 60% aller Häftlinge gehen einer Beschäftigung nach, viele in den hauseigenen Betrieben. 20 sind es, von der Küche und der Wäscherei über Tischlerei und Schlosserei bis hin zur Buchbinderei und Kunstwerkstatt. „Auch Ausbildungen sind möglich, die Berufsschule findet bei uns im Haus statt“, informiert Oberstleutnant Harald Streicher. Häftlinge mit Freigang arbeiten oft in externen Betrieben. In den JVA-internen wird sowohl für den Eigenbedarf, aber auch für Betriebe, Privatpersonen wie auch den Jailshop produziert.

Der Jailshop

www.jailshop.at ist ein Onlineshop der österr. JVA in denen Handwerk – vom kunstvollen Vogelhaus bis zum Feuerkorb – aus sieben JVA angeboten wird, u. a. von Klagenfurt. „Ein wichtiger Baustein für die Reintegration von Straftätern“, sagt Streicher.

Zur Sache: Die JVA Klagenfurt

381 Personen sind derzeit in der JVA (ändert sich täglich). Davon sind 40 in der Außenstelle Rottenstein und 12 im Freigängerhaus Grafenstein, 7 im Klinikum Klagenfurt und 29 im elektronisch überwachten Hausarrest.
Das entspricht einer Auslastung von insgesamt 94 Prozent.
8 Jugendliche (14-18 Jahre) und 23 junge Erwachsene (bis 21) sind in der JVA, 20 Frauen und 361 Männer.
Vergehen reichen von Unterhaltsschulden über Drogenhandel bis zu Raub und Körperverletzung.
Die meisten Häftlinge verbüßen Haftstrafen bis zu 18 Monate, Langstrafige gibt es wenige.

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