Wie Wissenschaft in die Popmusik kommt

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KLAGENFURT. "Mit Popsongs können wissenschaftliche Inhalte mehr in den Alltag gebracht werden." Dieser Meinung ist Joachim Allgaier von der Alpen-Adria-Universität. Der Soziologe im Interview über sein ungewöhnliches Forschungsgebiet.

Sie beschäftigen sich damit, wie sich Popmusik zur Wissenschaftskommunikation eignet. Deshalb gleich die erste Frage: Wie sehr eignet sie sich wirklich?
Das kommt darauf an, was man unter Popmusik versteht, und wer sie macht.
Es wird wahrscheinlich noch sehr lange dauern, bis wir beim Eurovision Song Contest Lieder über Quantenphysik oder Enzymforschung hören werden.
Ich habe nicht den Eindruck, dass sich viele professionelle Musiker in ihren Lieder mit wissenschaftlichen Themen beschäftigen, obwohl es hier auch einige sehr interessante Ausnahmen gibt. Zum Beispiel das Lied "Meet the Elements", in dem spielerisch einige Elemente erklärt werden.

Was sind die Gründe, warum Leute solche Videos machen?
Die Gründe können völlig unterschiedlich sein. Manches sind einfach Fan-Songs, andere benutzen gereimte Songtexte um sich Sachen besser merken zu können. Richtig interessant wird es aber für die Wissenschaft, wenn man die Lieder mit Bildern bzw. Filmen verknüpfen kann, wie etwa auf YouTube. Eine kurze Suche auf YouTube wird bestätigen, dass es hier bereits unzählige Songs in unterschiedlichen Sprachen zu unterschiedlichen Themen gibt.

Gibt es in der deutschsprachigen Popmusik Lieder, die wissenschaftliche Inhalte haben?
In der gegenwärtigen Popmusik im Radio kommt Wissenschaft, glaube ich, recht selten vor, und wenn dann nur am Rande. Auf YouTube ist das natürlich anders. Hier gibt es Lieder, mit denen mathematische Formeln erklärt werden. Oder Lieder, in denen das gesamte Periodensystem vorgetragen wird.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in diese Richtung zu forschen?
Prof. Chun Ju Huang hat mich zur Mitarbeit an einer Studie eingeladen. Mit dieser Studie wollten wir einfach einmal abklären, ob man überhaupt etwas über Wissenschaft in Popmusik findet.
Die Idee, die hinter dieser Forschung steckt, ist die, dass nicht nur journalistische, sondern eben auch andere popkulturellen Formate das Bild beeinflussen, das die Öffentlichkeit von bestimmten Wissenschaften und wissenschaftlichen Themen hat.

Welche Vorteile könnten sich für die Wissenschaft ergeben, wenn ihre Inhalte öfter in Popmusik eingebaut werden?
Hier besteht die Chance, dass Wissenschaft mehr im Alltag der Menschen verankert wird. Das heißt nicht automatisch, dass die Wissenschaft dann positiver wahrgenommen wird. Aber sie kommt dadurch vielleicht ein wenig mehr im Alltag der Menschen an, und wird ihnen dadurch vielleicht etwas weniger fremd vorkommen. Oftmals klingen wissenschaftliche Begriffe erst einmal fremd und unverständlich. Bekommt man sie jedoch öfter im Alltag zu hören, schaut der eine oder die andere vielleicht auch mal nach, was diese eigentlich bedeuten. Heutzutage sind „Bürokratie“ oder „Globalisierung“ fast jedem geläufig. Ursprünglich waren beide Wörter jedoch Begriffe aus der sozialwissenschaftlichen Fachsprache.

Besteht nicht die Gefahr, dass wissenschaftliche Inhalte im Popsongs eher plump rüberkommen?
Absolut. Es besteht natürlich die Gefahr, dass Inhalte und Begriffe falsch, plump oder inkorrekt dargestellt werden. Das passiert in der Populärkultur auch häufig. Doch trotzdem bietet das auch eine Chance: Kommen wissenschaftliche Themen bereits im Alltag vor, kann man darauf aufbauen und Inkorrektheiten klar stellen und drüber reden. Wenn die Themen überhaupt nicht vor kommen, hat man auch keine Chance sie richtig zu stellen.
Auf der anderen Seite wissen aber auch die „Gegner“ der Wissenschaften bzw. Pseudowissenschaftler, wie sie popkulturelle Formate nützen können - ich denke hier zum Beispiel an Kreationisten oder Impf-Gegner. Hier besteht meiner Meinung nach eine echte Gefahr für die Wissenschaft, um die man sich kümmern sollte.

Haben Sie einen persönlichen „wissenschaftlichen Lieblings-Popsong“ oder können Sie gelungene Beispiele nennen?
Ich finde viele Parodien auf Popsongs aus der Welt der Wissenschaft sehr gelungen. Hier haben zum Beispiel auch die Nachwuchswissenschaftlerinnen die Chance wahrgenommen Missstände im Wissenschaftsbetrieb anzuprangern, wie etwa in diesem Beispiel, in dem ein Lied von Lady Gaga parodiert wird.
Es gibt auch einen Rap, in dem die Arbeit im Large Hadron Collider erklärt wird. Aber auch Popmusiker selbst untermalen Musikvideos hin und wieder mit wissenschaftlichen Inhalten - in einem Video von Fatboy Slim zum Beispiel wird der Evolutionsprozess nachgestellt - mit korrekten Zeitangaben.

Autor:

Peter Lindner aus Klagenfurt

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