Manuel Jug
„Slowenisch als Landessprache in der Verfassung hat nicht Priorität“

Manuel Jug ist Obmann des Zentralverbands slowenischer Organisationen und Festredner beim 10.-Oktober-Festakt für die Volksgruppe.
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  • Manuel Jug ist Obmann des Zentralverbands slowenischer Organisationen und Festredner beim 10.-Oktober-Festakt für die Volksgruppe.
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Anlässlich der bevorstehenden 100. Wiederkehr der Kärntner Volksabstimmung am 10. Oktober: Manuel Jug, Obmann des Zentralverbands slowenischer Organisationen, im WOCHE-Interview über zweisprachige Ortsschilder, Slowenisch in der Landesverfassung, den Festakt des Landes Kärnten und eine (mögliche) Kandidatur für die SPÖ.

WOCHE: Am 6. Juli 2011 wurde der Konflikt um zweisprachige Ortstafeln in Kärnten beigelegt. Sie waren damals 13 Jahre jung. Wie haben Sie die Ortstafellösung damals aufgefasst?
MANUEL JUG:
Das Thema war in meiner Kindheit und Jugendzeit immer wieder präsent. Als Kind regt es einen nicht auf, aber ich habe mitbekommen, dass es ein Konflikt-Thema und es endlich zu einer Lösung gekommen ist. Ein Schritt, der lange Schatten hatte.
Die Ortstafellösung war ein Kompromiss. Sehr positiv ist die Öffnungsklausel, dass Gemeinden eigenständig zusätzliche zweisprachige Ortsschilder beschließen können. Es ist ein positiver Schritt, dass dort, wo das Klima passt, die Möglichkeit besteht, zusätzliche zweisprachige Ortsschilder aufzustellen.

In Sittersdorf und St. Jakob im Rosental beschloss heuer der jeweilige Gemeinderat zusätzliche zweisprachige Ortsschilder. Besteht in weiteren Gemeinden eine Notwendigkeit dazu?
Das liegt im Ermessen der Gemeinden. Natürlich freue ich mich, wenn es auf dieser Basis zu positiven Gemeinderatsbeschlüssen kommt. Eine Abstimmung im Gemeinderat ist ein demokratischer Prozess und das Ergebnis dann zu akzeptieren.

Valentin Inzko, Obmann des Rats der Kärntner Slowenen, forderte vergangene Woche, Slowenisch als zweite Landessprache in der Landesverfassung zu verankern. Unterstützen Sie diese Forderung?
Nachdem die Landesverfassung im Jahr 2017 neu beschlossen wurde, ist darin erstmals die slowenische Volksgruppe erwähnt. Im Dialogforum ist besprochen worden, die Möglichkeit rechtlich zu prüfen. Ich denke aber, dass Slowenisch als zweite Landessprache in der Landesverfassung nicht die Priorität für die Volksgruppe hat. Wenn es rechtlich möglich wäre, werde ich der Letzte sein, der sich dagegen wehrt. Aber bei allem Respekt vor der Landesverfassung: Sie hat nur symbolischen Charakter und bringt der Volksgruppe keine unmittelbare Verbesserung.

Am 10. Oktober jährt sich die Kärntner Volksabstimmung zum 100. Mal. Ist die Forderung Inzkos Provokation unmittelbar vor einem historischem Datum oder ein berechtigter Vorstoß?
Weder noch. Der Zeitpunkt dieser Forderung war nicht optimal. Die Landesverfassung ist auch nicht diskriminierend. Man muss mit einem gewissen Fingerspitzengefühl an die Sache herangehen und schauen, wie man das im Dialog lösen kann.

Manuel Jug ist der oberste Volksgruppen-Vertreter in Kärnten.
  • Manuel Jug ist der oberste Volksgruppen-Vertreter in Kärnten.
  • Foto: Walter Fritz
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Sie sind beim offiziellen 10.-Oktober-Festakt des Landes Kärnten Festredner für die slowenische Volksgruppe. Waren Sie überrascht?
Wir haben im Volksgruppenbeirat darüber gesprochen, weil der Landeshauptmann den Beirat gebeten hat, einen Festredner zu nominieren. Über meine Nominierung wurde mit zehn Ja- und drei Nein-Stimmen, bei drei Enthaltungen, abgestimmt. Mich hat besonders gefreut, dass auch die Vertreter der SPÖ, ÖVP und FPÖ für mich gestimmt haben.

Für Ihre Rede sind fünf Minuten vorgesehen. Was werden Sie inhaltlich vermitteln?
Ich möchte vermitteln, dass man die Geschichte zwar nicht vergessen darf, aber man sich stets weiterentwickeln muss. Diese Weiterentwicklung und diese positive Entwicklung, die das Land in den vergangenen Jahren genommen hat, gehört auch als Vertreter der slowenischen Volksgruppe angesprochen. Und welche Chancen diese neue Situation bietet, an offene Fragen im Dialog heranzugehen und im Konsens zu lösen. Es geht um ein positives Miteinander und eine Stärkung für die moderaten und konstruktiven Kräfte.

Sie befürworten eine Erhöhung der Volksgruppenförderung, die zuletzt 1995 angepasst wurde. Wie sind die Verhandlungen mit der Bundesregierung fortgeschritten?
Im Regierungsprogramm ist die Volksgruppenförderung dahingehend erwähnt, ich bin aber nicht in die Verhandlungen eingebunden. Auch bezüglich der Abstimmungsspende wird zwar gemunkelt, dass wieder eine kommen soll und zu einem gewissen Teil der Volksgruppe zugute kommt, aber es gibt noch keine offizielle Bestätigung.

Ihnen wird nachgesagt, mit der SPÖ zu sympathisieren. Kandidieren Sie bei der Gemeinderatswahl am 28. Februar 2021?
Ich habe mich mit dieser Frage bisher wenig auseinandergesetzt. Ich bin im Moment parteipolitisch nicht sehr aktiv, weil ich mit der Volksgruppen-Politik und dem bevorstehenden 10. Oktober sehr viel zu tun habe. Ich lasse es offen, ob ich in der Gemeinde Zell-Sele kandidiere.

Im Fall des Falles: Kandidatur für die slowenische Einheitsliste oder die SPÖ?
Wenn ich kandidiere, dann selbstverständlich für die SPÖ.


ZUR PERSON
Manuel Jug
ist 23 Jahre jung, lebt in Zell-Pfarre und Klagenfurt, studiert an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt (Lehramt für Deutsch und Mathematik) und ist seit Februar 2019 Obmann des Zentralverbands slowenischer Organisationen.

Manuel Jug ist Obmann des Zentralverbands slowenischer Organisationen und Festredner beim 10.-Oktober-Festakt für die Volksgruppe.
Manuel Jug ist der oberste Volksgruppen-Vertreter in Kärnten.
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