Im Portrait
Kult-Trainer Peter Pacult im Gespräch (mit Videos)

Woche-Redakteur Lukas Moser im Gespräch mit Peter Pacult.
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Austria-Klagenfurt-Trainer Peter Pacult im ausführlichen Gespräch mit  der Woche über den Sport, die Familie und natürlich über alkoholfreies Bier.

KLAGENFURT. Seit knapp einem Jahr ist Peter Pacult Trainer der Klagenfurter Austria. Als der Verein damals bekannt gab, dass der gebürtige Floridsdorfer künftig bei den Lindwurm-Veilchen den Ton angeben werde, hagelte es teils harsche Kritik. Er selbst jedoch habe den Großteil der kritischen Stimmen gar nicht mitbekommen, wie er meint, und auch generell „überhaupt keinen Druck“ verspürt. Es war für ihn damals nicht nur wieder eine „reizvolle Aufgabe, in Österreich zu arbeiten“, sondern auch die Austria Klagenfurt war für ihn kein unbekannter Verein. Pacult spielt auf die Jahre 2004/05 an, in denen er bereits den Nachfolgeverein der traditionellen Austria Klagenfurt, den FC Kärnten, trainierte.

"Mit voller Euphorie“ in Klagenfurt

Man erlebt Pacult in Klagenfurt beinahe durchwegs gut gelaunt. Dabei hatte der Kult-Trainer sportlich keine leichte Zeit hinter sich: Mehrere Stationen in Staaten des ehemaligen Jugoslawien verliefen teils unglücklich. Oft wurde er dafür belächelt, obwohl er, wie er ausführt, dort gar „nicht unerfolgreich“ war. Was man aber in Österreich kaum verstehe: Am Balkan gebe es einfach eine ganz andere Mentalität, besonders im Fußballgeschäft. Ob er die Ausflüge etwa nach Albanien, Montenegro oder Serbien bereut? Er winkt ab: „Ich würde es immer wieder so tun“. Dass er nun aber in Klagenfurt gelandet ist, freut ihn umso mehr. Und auch bei den Austria-Fans, die ihn anfangs zu großen Teilen kritisch beäugten, entwickelte er sich binnen kürzester Zeit zum Publikumsliebling. Doch „Peter der Große“, wie er nach dem Bundesliga-Aufstieg liebevoll genannt wurde, kennt keine Genugtuung: „Ich verstelle mich einfach nicht und dass man nicht jedem sympathisch sein kann, ist auch klar. Aber natürlich tut es gut.“

Pacult und Rapid?

Es wirkt, als würde er mit der Austria längerfristig planen wollen, auch wenn er zu bedenken gibt, wie schnell es im Trainergeschäft gehen kann: „Es hängt alles auch von den Ergebnissen ab.“ Dabei wurde Pacult bis vor kurzem als einer der Top-Kandidaten für die Nachfolge von Didi Kühbauer als Rapid-Trainer gehandelt (Anm.: Mittlerweile wurde Ferdinand Feldhofer bereits als neuer Rapid-Trainer präsentiert). Im Gespräch wird er diesbezüglich deutlich: „Mein Herz, meine Euphorie und mein Fußballerleben besteht hier bei Austria Klagenfurt.“ Mit Rapid Wien wurde er Meister, mehr ginge gar nicht. Ob nicht ein Meistertitel mit einem Kärntner Verein dann noch fehle? Er lacht: „Also da bleiben wir jetzt am Boden. Jetzt werden wir einmal dran arbeiten, dass wir die Liga halten.“ Klar ist, dass die aktuelle Bundesliga-Saison tatsächlich enorm knapp verläuft. Jedoch: Nach 16 Spieltagen liegen seine Austria-Kicker am vierten Tabellenzwischenrang – als Aufsteiger sogar etwa vor Rapid, der Wiener Austria oder dem LASK.

„Sie verstehen mich“

Bei der Austria arbeitet Pacult, gewissermaßen ein Ur-Wiener, mit vielen Deutschen zusammen – die beiden Sportdirektoren, aber auch sein Co-Trainer kommen aus der Bundesrepublik. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob die Mentalitätsunterschiede überwindbar sind. Pacult lacht: „Sie verstehen mich, das passt.“ Mit ernster Miene schickt er jedoch nach, dass es eine wirklich gute Zusammenarbeit ist und man den Männern aus Deutschland sehr dankbar sein sollte.

„Wegen Krankheit“ kaum in der Schule

Gefragt nach seinem bisher größten Fehler im Fußball-Business muss der eigentlich wortgewandte Wiener lange überlegen. Nicht, weil ihm nicht genug einfallen würde. Viel mehr meint er, dass aus Emotionen heraus einfach viel passiere, was sich im Nachhinein aber eben nicht mehr korrigieren ließ. Doch abseits des Sport fällt ihm dann doch noch etwas ein: „Ich sollte ja ein Vorbild sein für die heutige Jugend, aber ich bin nicht so gerne in die Schule gegangen.“ Die halbe Zeit war er nicht da – „wegen Krankheit“, wie er augenzwinkernd hinzufügt.

Der als „Postler“ aktive Nationalspieler

Was kaum jemand weiß: „Der Postler“, wie er besonders während seiner aktiven Zeit in Wien gerne genannt wurde, ist eigentlich gelernter Bürokaufmann. Zwar war seine Schulzeit auch dort eher schwierig, doch eine verständnisvolle Lehrerin sorgte bis zu einem gewissen Grad dafür, dass er gut durch die Zeit gekommen ist. Pacult, der Charmeur mit Witz – auch schon während der Schulzeit. Heute beurteilt er diese Zeit trocken: „Das sind so die Fehler, die man im Nachhinein sieht, aber im Endeffekt ist´s gut ausgegangen.“ Den Beinamen als „Postler“ bekam er trotzdem nicht zu Unrecht. Nach seiner Zeit beim Bundesheer wollte er Veränderung, verließ seine bisherige Firma. Nicht selten sei er sogar am Schreibtisch eingeschlafen – er lacht und schickt nach: „Ich war das ja aus der Schule gewohnt.“ Sein älterer Bruder arbeitete bei der Post, kurz darauf heuerte auch Pacult dort an. Und es machte ihm so viel Spaß, dass er es bis zum Oberoffizial brachte und sogar noch als Bundesliga- und Nationalspieler dort aktiv war.

"Immer ein freches Mundwerk"

Das Fußballspielen lernte der gebürtige Floridsdorfer im Überschwemmungsgebiet bei der Donau. Es war eine Zeit, die ihn bis heute prägt: In seiner „Hofpartie“ war er immer der mit Abstand Kleinste und Jüngste, er habe sich einfach durchsetzen müssen. Zwar kam er aus einfachen Verhältnissen, doch die „tolle Kindheit“ möchte er nicht missen. Zur Verfügung hatte er pro Jahr nur ein Schulgewand, nur ein paar neue Schuhe – die er meist auch gleich „markierte“, da man bald sah, wenn er mit diesen wieder Fußball gespielt hatte.

Vater mit 16

„Wir haben das ganz gut geschafft“ Rasch endete die unbeschwerte Zeit für Pacult aber: Bereits im Alter von 16 Jahren wurde er Vater. Nicht einfach sei es gewesen, man habe noch schwer damit umgehen können, „aber so wirst dann irgendwie selbstständig und so wirst auch stark.“ Die Mutter des Kindes kannte er schon von klein auf, heute ist sie seine Ehefrau. Während er nun in Kärnten seine Zelte aufgeschlagen hat, wohnt sie noch im Haus in Leobendorf (Korneuburg). Zeit für Besuche bei ihr gibt es kaum, nur etwa in der vergangenen Länderspielpause konnte er zu ihr fahren. Keine leichte Situation, aber sie fühle sich dort einfach wohler.

Pacult mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn.
  • Pacult mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn.
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„Nicht immer alles happy“

Seine Frau mache dies bereits gute 40 Jahre so mit und sei es gewohnt. Optimal ist dies aber natürlich nicht. Etwa den Geburtstag des Sohnes konnte man bisher nur äußerst selten gemeinsam feiern, weil er Ende Jänner geboren ist – eine Zeit, die ein im Fußballgeschäft Tätiger meist im Trainingslager zu verbringen hat. Das seien aber die negativen Seiten des Sports, über die man bereits zuvor Bescheid weiß und deshalb dürfe man sich auch nicht beklagen. Trotzdem wirkt er diesbezüglich nachdenklich: „Man soll nicht immer sagen, es ist alles happy.“ Einsamkeit sei das falsche Wort dafür, aber es gibt zu: „Es ist nicht immer einfach, wenn man alleine ist.“ Mehr Gedanken mache er sich in dieser Situation aber um seine Frau, nicht um sich selbst.

Pacult wird ruhiger – manchmal

Die nachdenkliche Seite an Peter Pacult geht einher mit der, zugegebenermaßen schwer vorstellbaren, ruhigen Seite. Sieht man ihn in der Rückschau eines Fußballspieles, könnte man, überspitzt formuliert, an Rumpelstilzchen denken. In Wahrheit betont er aber immer wieder, bereits viel ruhiger geworden zu sein. Als Beispiel nennt er das Spiel gegen Sturm vor wenigen Wochen in Graz, wo erst in der 94. Minute, als die Partie eigentlich bereits abgepfiffen hätte werden müssen, der Siegestreffer für den Gegner fiel. Man sah keinen Austria-Trainer, der wutentrannt aufs Spielfeld und zum Unparteiischen rannte. Pacult marschierte im Stadiongang auf und ab, blieb ruhig.

"Alkoholfreies Bier?"

Aber auch die humoristische Seite des Floridsdorfers ist weithin bekannt. Vor wenigen Wochen etwa sorgte Pacult unfreiwillig für Schlagzeilen im gesamten deutschsprachigen Raum: Bei der Pressekonferenz nach dem Bundesliga-Sieg gegen WSG waren die Mikrophone bereits eingeschaltet, was der gut gelaunte Trainer jedoch nicht bemerkte. Humorvoll echauffierte er sich über alkoholfreies Bier und verlangte spaßhalber noch ein Malbuch und Buntstifte dazu. In Wahrheit ein unglaublich gut geplanter Werbe-Gag? Er winkt ab: „Nein, das war aus dem Stegreif.“ Dass er auch Eigenhumor besitzt, beweist er, indem er die Resonanz zum Video selbst als „Highlight“ bezeichnet. Am darauffolgenden Tag bekam er ein Biergeschenk überreicht – auch mit alkoholfreiem Bier. Sozusagen, um ihn zu überzeugen. Ob er es mittlerweile gekostet hat? Pacult bleibt sich treu und witzelt: „Skandal! Nein, das kann man nicht kosten. Man trinkt ja auch keinen alkoholfreien Wein.“ Ganz ad acta zu legen ist die Sache aber noch nicht. Eigentlich wäre das nächste Interview Peter Pacults mit den Regionalmedien beim Fischen an der Drau geplant gewesen – er selbst war es aber, der eine neue Location ins Spiel brachte: „Oder die Hirter-Brauerei, das könnts euch aussuchen.“

Woche-Redakteur Lukas Moser im Gespräch mit Peter Pacult.
Pacult mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn.

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