Interview
Stefan Koubek: "In Kärnten hast du es als junger Tennisspieler schwer ..."

Stefan Koubek
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Er ist der letzte Kärntner, der es in die Top-20 der ATP-Weltrangliste geschafft hat (2000). Heute ist Stefan Koubek (43) Kapitän des österreichischen Daviscup-Teams. Im WOCHE-Interview spricht er über Dominic Thiem, den Tennis-Boom in Österreich und sein Comeback beim Tennisclub Fresach. 

WOCHE: Vor dem Daviscup gegen Uruguay gehen die Wogen rund um den Österreichischen Tennisverband (ÖTV) hoch. Wie sehr beeinflusst das auf sportlicher Ebene?
STEFAN KOUBEK: Natürlich bekommen wir das alle mit, es wird auch unter den Spielern darüber geredet. Aber wir konzentrieren uns auf den Sport und auf die Vorbereitung. Das beeinflusst sportlich überhaupt nicht. 

Seit Sie Ihre Karriere beendet haben, hat kein Kärntner mehr den Sprung in die Weltspitze geschafft. Was sind die Gründe?
Das hat natürlich immer mit dem Nachwuchs zu tun. Ich selbst bin als Daviscup-Kapitän nicht so sehr in die Jugendarbeit involviert, deshalb will ich mich mit Begründungen nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Es gibt aber Probleme im ÖTV die richtige Richtung zu finden. Der Kärntner Verband ist zwar gut aufgestellt, jedoch sind die Erfolge überschaubar. Am Ende ist es immer eine Frage des Geldes.

Muss man als Kärntner nach Wien gehen, um den Sprung ins internationale Geschäft zu schaffen wie Sie es damals getan haben?
Man muss gar nichts, aber es erleichtert vieles. Der Weg in die Top 10 oder auch schon Top 100 ist sehr hart und mit einem Wahnsinnsaufwand verbunden. Für mich war es damals der einzige Weg, ins Internat in die Südstadt nach Wien zu gehen, weil sich meine Eltern das sonst nicht hätten leisten können. Die Ausbildung bei Günther Bresnik, die ich auch selbst 18 Jahre erlebt habe, ist eine harte, aber sehr gute. Es hilft natürlich, dass dort mehrere Spieler auf ähnlich hohem Niveau sind und sich gegenseitig nach oben pushen. Wenn du in Kärnten bleibst und nach ganz oben willst, hast du es irgendwann schwer einen Sparring-Partner zu finden.

Der Hype um Dominic Thiem bringt sicher einen Boom im Breitensport. Wie hilft das dem Spitzensport?
Alleine durch den Hype finden viel mehr Kids den Weg auf den Tennisplatz. In einer größeren Masse kann man natürlich auch leichter Talente finden. Wenn der Tennissport wieder ein Aushängeschild in Österreich ist, gibt es natürlich auch viel mehr Leute, die das finanziell unterstützen wollen. 

Welche Erwartungen haben Sie an den Daviscup?
Mein Ziel war es immer, in der Weltgruppe ein Match zu gewinnen und weiterzukommen. Das ist einmal nach meiner Zeit gelungen (Anm.: 3:2 gegen Russland 2011) und davor mit Horst Skoff und Alex Antonitsch. Ich habe das als Spieler leider nie geschafft, deshalb will ich das unbedingt als Kapitän schaffen. Und wir haben heuer sicher gute Chancen. 

Ändert der neue ATP-Cup das Standing des Daviscup?
Das könnte natürlich passieren. Ich hätte mir damals als Spieler auch so ein tolles Event gewünscht. Viel besser kannst du nicht in eine neue Saison starten – alleine schon, weil drei Top-Begegnungen garantiert sind. Beim Daviscup ist die Terminfindung immer das große Problem, weil es unter der Saison für die Spieler mit Umstellungen verbunden ist und oft nicht in das individuelle Turnier-Programm passt. 

Sie sind seit über 20 Jahren in Wien - was verbindet Sie heute noch mit Kärnten?
Ich bin in Villach aufgewachsen, liebe das Land heute noch für seine hohe Lebensqualität und bin immer froh, wenn ich nach Kärnten komme. Das wird heuer zum Glück wieder etwas öfter sein, da ich für den Tennisclub Fresach in der Kärntner Landesliga antreten werde. 

Wie hat sich dieses Comeback ergeben?
Ich habe Hannes Arrich kennengelernt, der beim TC Fresach und im Kärntner Verband als Funktionär aktiv ist. Bei Gesprächen mit ihm hat sich das dann irgendwie ergeben. Ich freue mich schon darauf, weil da einige Mitspieler dabei sein werden, die ich noch von früher kenne. Außerdem sind wir Titelanwärter. 

Interview: Stefan Plieschnig

Zur Person

  • Name: Stefan Koubek
  • Geboren am: 2. Jänner 1977
  • Heimatort: Villach
  • Wohnort: Wien
  • Aktive Tenniskarriere: 1994 - 2011
  • Höchste ATP-Platzierung: Platz 20 (13. März 2000)
  • Größte Erfolge: 3 Einzel-Turniersiege (Atlanta 1999, Delray Beach 2000, Doha 2002); Doppel-Turniersieg (Kitzbühel 2006)
  • Daviscup-Kapitän seit: Jänner 2014

Daviscup-Auftakt 2020

  • 6./7. März: Österreich - Uruguay (Premstätten)
    Team: Dennis Novak, Sebastian Ofner, Jürgen Melzer, Oliver Marach, Lucas Miedler
    Kapitän: Stefan Koubek
Stefan Koubek
Autor:

Stefan Plieschnig aus St. Veit

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