Filmland Kärnten 2019
Der Krampus und die Pornographie – zur Veröffentlichung von zwei Filmen aus Kärnten im deutschen Sprachraum

Poster für die deutsche Fassung: 'die goldene Rute'
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  • Poster für die deutsche Fassung: 'die goldene Rute'
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Im August 2019 sind völlig unerwartet zwei „Krampus“-Filme aus Kärnten endlich auch im deutschen Sprachraum erschienen. (Links zu den Filmen)
Sexy Girls und der Krampus
Die goldene Rute
Weltweit längst erfolgreich, war es besonders für „Sexy Girls und der Krampus“ aka "4 Models for the devil" bisher unmöglich im deutschen Sprachraum zu erscheinen, dieser Artikel untersucht die vielfältigen, nahezu unglaublichen Hintergründe, wie der beliebte Krampus in „Verruf“ geraten ist.

18 Filme listet der Streaming Dienst ‚Amazon Prime Video‘.de unter dem Stichwort „Krampus“ auf. Nur 2 sind im Ursprungsland des „Krampus“, also in Österreich gedreht worden, aber auch sie sind ‚finanz- und produktionstechnisch‘ keine österreichischen Filme. 15 Filme sind aus den USA, einer ist eine Folge aus einer Serie, die später, wegen seiner ‚bedenklichen, jugendgefährdender Inhalte‘ nicht fortgesetzt wurde.



Wieso ist das so? Und was hat der „Krampus“ mit den USA zu tun? Und wieso hat es der österreichische, aber auch der süddeutsche und der Schweizer Film bisher nicht geschafft, eigene „Krampus“-Filme zu drehen, wo doch in diesem Raum das „Krampus“-Brauchtum und die „Schreckensgestallt“ des „Krampus“ ein ganz großes Thema sind?

Werfen wir einmal einen Blick zurück auf das Jahr 2008. Damals erschien der Film „Day of the devils“, ein für das US-Fernsehen in Ktn. gedrehter Fernsehfilm. Der Film berichtet in schönen Cinemascope-Bildern von einer Kleinstadt Odyssee in der eine ambitionierte junge TV-Journalistin sich auf die Spuren unbewältigter kleinstädtischer Vergangenheit macht, es geht um einen tragischen Unfall am Krampustag, ein Mädchen ist, auf der Flucht vor dem Krampus von einem Auto überfahren worden und ihren Verletzungen erlegen. Natürlich will es niemand gewesen sein, wer weiß wer unter der Maske steckt? Natürlich werden die Falschen belastet und das Unglück nimmt seinen dramatischen Verlauf. Ein durchaus realistisches Szenario, möchte man meinen.

Bereits damals gab es erhebliche Probleme mit den Brauchtumsverbänden und langwierige Diskussionen mit zahlreichen Krampus-Gruppen vor, während und nach den Dreharbeiten, so dass der Film erst 2 Jahre nach Abschluss der Dreharbeiten in Ktn. aufgeführt werden konnte und das durchaus mit Erfolg. Immerhin haben 12.830 Besucher den Film damals in den Aut-Kinos gesehen. (Kinostart: 20.11.2008)
„Day of the Devils“ und der Klamauk-Film „Spanking Devils“ (USA/Aut 2008) gelten in den USA als die Initialzündung für den „Krampus“-Film „Made in Amerika“ zunächst im Independent Film. Die Produzenten erhofften sich mit der neuen, in den USA noch unbekannten „Schreckensgestallt“ aus Europa einen neuen Impuls für das schwächelnde Horrorgenre, der jedoch vorerst ausblieb. Durchaus auch, weil niemand sich mit den Hintergründen des Brauchtums auseinandersetzen wollte und keiner verstand, wieso jemand in Fell und Maske gewandet, mit einer Rute die Straßen einer Kleinstadt unsicher macht. Daher mussten Messer und andere Mordwerkzeuge her, um das Spektakel reißerischer zu machen.

Der „Krampus“ war endgültig im Horrorfilm angekommen, der sich jedoch kaum nach Europa exportieren ließ, auch die US-Großproduktion „Krampus“ aus dem Jahr 2015 blieb letztendlich weit unter ihren Erwartungen zurück, sie hat mit dem „Krampus“-Brauchtum auch überhaupt nichts zu tun, sondern zeichnet einmal mehr ein verzerrtes Bild des US-amerikanischen Weihnachtsfestes.

Während Gewalt und Softsex in den USA in den Medien kein Problem sind, der Sexismus ist dort allgemein verbreitet, gab es speziell in Deutschland sofort ganz große Probleme: denn die selbsternannten Sittenwächter lauern überall. So wurde z.B. auf Youtube das Wort „Krampus“ auf den Index der „gefährlichen“ Wörter gesetzt, die in Zusammenhang mit „Sex“, „Gewalt“ und „Pornographie“ stehen und somit „jugendgefährdend“ sind. Zahlreiche „Krampus“-Videos, nicht nur von Spielfilmen, auch von Umzügen etc. wurden sofort gelöscht, viele Kanäle gesperrt. Auch Amazon.de hat diese Interpretation übernommen und so kam es, dass die „Krampus“-Filme vorerst zwar überall erscheinen konnten, außer im deutschen Sprachraum, da diese Filme angeblich irgendetwas mit „Pornographie“ zu tun haben sollten. Wozu gibt es denn die praktischen digitalen Filter?

Erst durch das Erscheinen des Films „Krampus“ (USA 2015) und der damit verbundenen Marktmacht des dahinterstehenden US-Konzerns hat sich das geändert und so konnten auch andere US-Krampus-Filme auch im deutschen Sprachraum veröffentlicht werden. Das kam auch den beiden in Österreich gedrehten „Krampus“-Filmen zu Gute.

„4 Models for the devil“ (USA/GB 2012) konnte nun endlich im August 2019, also 7 Jahre nach seiner Entstehung im Februar 2012 und seiner Erstaufführung am 27.7.2012, unter dem Titel „Sexy Girls und der Krampus“ (ab 19.8.2018 als Streaming bei Amazon Prime Video.de) veröffentlicht werden.

Zuvor war der Film bereits in den USA, England und Italien zusammengeschnitten zu einer Kurzserien für Handyuser erfolgreich unter den verschiedensten Titeln ausgewertet worden. Aktuell ist der Film auf zirka 200 verschiedenen Streamingdiensten in den USA, UK, Italien, Spanien, Lateinamerika, Asien und Australien zu sehen.
Noch erfolgreicher ist der Film „Die goldene Rute“ (US-Titel: Hot spanking Rod) Erstaufführung: 1. Juni 2018 in Dallas, Texas, seit Anfang Juli 2018 mit ungebrochenem Erfolg auf 200 Streamingdiensten in den USA und auf noch einmal 200 Streamingdiensten Weltweit zu sehen. Bisher haben den Film zirka 2,5 Millionen Filmfreunde gesehen. Aktuell sehen täglich 7.000 Filmfreunde aus aller Welt die schräge in Kärnten gedrehte Komödie, die, bisher als einziger „Krampus“-Film den „Krampustag“ am 5. Dezember in den Mittelpunkt der Handlung stellt und wohltuend ohne Gewalt und Verbrechen auskommt. An diesem Beispiel kann man/frau leicht nachvollziehen, worauf es den Streamingdiensten eigentlich ankommt. Es geht dort nur um die Zahlen und um den geschäftlichen Erfolg. Wem kümmern die Unkenrufe von ein paar selbsternannten Sittenwächtern, die das „Brauchtum“ und die „Sittlichkeit“ durch das verwerfliche kapitalistische Spektakel in Gefahr sehen? Niemand! Was 2018 noch unmöglich war, ist, dank der guten Geschäfte im Ausland 2019 kein Problem mehr, auch in Mitteleuropa wollen die Konzerne mitverdienen und irgendwie bleibt dann auch noch ‚kleine Münze‘ bei den Produzenten hängen, was natürlich gut ist.



Zur Rezeption der Filme:
Alle bisher erschienen 18 „Krampus“-Filme sind vom mitteleuropäischen Publikum kaum wahrgenommen und wenn, dann mit gemischten Gefühlen bis ablehnend aufgenommen worden. Das hat vielfältige Gründe. Einer der wichtigsten dürften die Sehgewohnheiten des mitteleuropäischen Publikums sein, das fast ausschließlich am deutschen Fernsehfilm und dem US-amerikanischen Eventkino ‚geschult‘ ist. Anders, als z.B. in unserem Nachbarland Italien, in dem es eine breite Gegenkulturbewegung, die sowohl formal, wie inhaltlich ausgerichtet und eigenständig ist, gibt es diese Gegenkultur in Mitteleuropa in dieser Form des lockeren Umgangs mit Trivialität nicht, erlaubt ist, was a) den großen Klassikern (frei nach Goethe) entspricht, b) der Umgang mit dem Trivialen ist erlaubt, wenn der Film „formal gut gemacht ist“, sprich entsprechend teuer hergestellt wurde c) Deutschland und vor allem Österreich wird von der sogenannten ‚Alternativkultur‘ der „Camp“-Begriff (siehe Verlinkung) erstaunlicher Weise noch immer gepflegt, obwohl er in vielen anderen Länder (USA, GB, Italien, Spanien, Lateinamerika) längst kein Thema mehr ist d) die aktuelle Auffassung von politischer Korrektheit, der das Subgenre des „Krampus“-Films nicht entspricht, letztendlich e) die #MeToo-Bewegung, der das Subgenre des „Krampus“-Films auch nicht entspricht.



So ist das überraschende Phänomen entstanden, dass das Subgenre des Horrorfilms und neuerdings auch der Komödie, der „Krampus“-Film, überall anders gerade deshalb funktioniert, weil das Publikum dort kein Deutsch spricht, keine Ahnung von Mitteleuropa (Länder und Leute) hat, noch nie etwas vom Krampus und dem Nikolaus gehört hat und so kein Problem mit einem schillernden, lärmenden, bärbeißigen und schrillen Spektakel aus dem alten Europa hat, das im Fall der Komödie (Sexy Girls und der Krampus aka 4 Models for the devil und Die goldene Rute aka Hot spanking Rod) besser geeignet ist, als für den Horrorfilm.



Nun ist es nichts Neues, dass es Filme gibt, die in einem Land überhaupt nicht funktionieren, bzw. nur in gewissen Länden ihr Publikum finden und woanders nicht. Der Film aus Südwesteuropa ist in Mitteleuropa zum Beispiel kaum spielbar, in den Heimatländern aber eine echte Konkurrenz zum US-Film, ähnliches trifft auch für die Filme aus Osteuropa zu, ganz zu Schweigen von Filmen aus Arabien, Asien und aus Afrika.



Wie könnte jetzt z.B. Film- und Tourismusland Kärnten von dieser Filmwelle partizipieren ohne, dass diese ungeliebten „Krampus“-Filme im eigenen Land zu sehen sind?



Da der „Krampus“-Film, sowohl als Horrorfilm, wie als Komödie, reine Unterhaltungsfilme sind, finden sie doch, wie oben dargestellt im Ausland eine breite Fan-Gemeinde. 2,5 Millionen Seher muss man erst einmal mit einem Film aus Ktn. schaffen, was bei Weitem nicht selbstverständlich ist, 2017 betrug der Marktanteil des Films aus Ktn. in Österreich 0,5 % am österreichischen Kinomarkt, schon am deutschen Kinomarkt war der Marktanteil des österreichischen Films unmessbar gering, hier würden die 2,5 Millionen Seher schon einmal gut die lästige Zahlenspielerei aufwerten.
Da durch Unterhaltungsfilme ein eher positives Bild vermittelt wird, besonders in der Komödie und die Schauwerte die „Lust nach mehr“ anstacheln, wäre es also durchaus auch ein Thema für den Tourismus, doch, bisher hat es nicht eine Tourismusregion in Ktn. geschafft sich mit einem der beiden Filme „Sexy Girls und der Krampus“ oder „Die goldene Rute“ zu vernetzen, den Trailer auf ihre Webseiten zu stellen etc. alles bisher kostenlos wohlgemerkt für den werten einheimischen Steuerzahler.



Hier wären wahrscheinlich die Kulturpolitiker und die Touristiker gefordert endlich einmal über den Tellerrand hinauszublicken, was denn anderswo im Film so läuft und zu überdenken, dass auch der „Film“ und nicht zuletzt der „Krampus im Film“ im 21. Jahrhundert angekommen sind und nicht zuletzt sich selbst die Frage zu stellen: für wen drehen wir überhaupt unsere Filme?
Es folgt: The Krampus made the Sex, der nächste „Krampus“-Film! Drehstart: Herbst 2019

Links:
HD Foto.at, Klagenfurt, Line Producer des Erfolgsfilms "Die goldene Rute"
Filmmakers Company, Los Angeles/Paris

Autor:

Christine Trapp aus Klagenfurt

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