Corona-Virus
Existenzsorgen auch in Gesundheitsberufen

Arbeit in der Praxis derzeit zu risikoreich: Jutta Kojalek, Eva Sommer und Bettina Bodner
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Praxen von Physiotherapeuten und Co. wurden nicht behördlich geschlossen. Die WOCHE hat mit Therapeuten vom Therapie:Raum in Klagenfurt gesprochen. 

KLAGENFURT. Der Therapie:Raum Klagenfurt wurde im Juni 2018 von Logopädin Eva Sommer und Ergotherapeutin Bettina Bodner eröffnet. Physiotherapeutin Jutta Kojalek kam ein paar Monate später dazu. Und auch Logopädin Christina Repitsch ist in der Praxis eingemietet.
Die drei Fachbereiche ergänzen sich ausgesprochen gut. "Viele Patienten benötigen Hilfe in einem oder mehreren Bereichen. Durch die enge Vernetzung können wir rasch handeln und Hilfe anbieten", sagt Logopädin Eva Sommer.  
Seit 16. März keine Therapien mehr angeboten, die Therapeuten sind telefonisch erreichbar und stehen für Fragen zur Verfügung. Da sie nur für Therapieeinheiten mit direktem Kontakt mit dem Klienten bezahlt werden, bedeutet das momentan keine Einkünfte.

Wegfall aller Therapien

Von einem Tag auf den anderen kam es zu einem kompletten Wegfall aller Therapien. Für Logopädin Eva Sommer bleiben lediglich ein paar Beratungstätigkeiten via Telefon übrig. Alle fordern möglichst klare Richtlinien: Wie soll man vorgehen um Patienten und Angehörige die in die therapeutischen Praxis kommen, zu schützen.
"Einige Patienten und Angehörige melden sich telefonisch um Rücksprache zu halten wie alltagsrelevante Therapieziele umgesetzt werden können", berichtet Sommer. Sommers Alltag sieht derzeit so aus: Die Mutter von drei Kindern ist zuhause und mit Home-School beschäftigt. Nebenbei hängt sie am Telefon und berät ihre Patienten.

"Es betrifft uns alle"

"Laut Physio Austria, unserer Berufsvertretung, werden uns ohne behördlicher Schließung unserer Praxen keine Ausfallzahlungen gewährt und somit stehen freiberufliche Physiotherapeuten vor dem wirtschaftlichen Ruin", berichtet Physiotherapeutin Jutta Kojalek. Auch sie arbeitet derzeit nicht in der Praxis Die Therapie wurde bei einigen Patienten vorzeitig beendet. Ein paar Patienten coacht sie via Face-Time . "Wie das mit der Verrechnung ist, weiß ich noch nicht", sagt Kojalek.
Kojalek ist als Physiotherapeutin teilweise in der Praxis tätig und macht zusätzlich Hausbesuche, vor allem bei älteren Patienten und in Pflegeheimen.
"Auch diese Möglichkeit des Erwerbs fällt momentan weg aufgrund der Corona-Maßnahmen", so die Therapeutin.

Bewegung geht online

Kojalek ist Lehrerin der Feldenkrais-Methode – sie unterrichtet zweimal wöchentlich Gruppen in „Bewusstheit durch Bewegung“. "Diesen Unterricht habe ich kurzerhand auf online umgestellt", sagt die Physiotherapeutin. Interessierte erhalten einen Link und können teilnehmen. "So erreiche ich die Menschen zuhause in ihren Wohnzimmern und kann ihnen Bewegungslektionen verbal anleiten", freut sich Kojalek. Das verbindet Menschen miteinander, hält körperlich und geistig beweglich und bietet Inspiration in Zeiten der Isolation.

Hoffen auf Härtefonds

Auch ergotherapeutische Praxen sind ein Teil des Gesundheitssystems, was bedeutet, dass der (Notfall)Betrieb momentan aufrecht bleibt, damit die medizinische Grundversorgung weiterhin gesichert ist.
Ergotherapeutin Bettina Bodner: "In Abwägung des Risikos machen ergotherapeutische Behandlungen, wie ich sie durchführe, aus meiner Sicht jetzt keinen Sinn. "
Da es noch nicht absehbar ist, wie lange wir unsere therapeutische Arbeit pausieren müssen, wünschen sich die Therapeuten der Praxis unbürokratische Hilfe vom Staat, um diese Krise auch finanziell zu überstehen. "Wir hoffen sehr, dass der Härtefonds hier rasch helfen kann", so Bodner.
Auch Klarheit wird gefordert, was ist erlaubt und was nicht.

Ausfallsversicherung zu teuer

Ein finanzieller Vorteil wäre derzeit eine Ausfallsversicherung. Der Therapie:Raum: "Eine Ausfallsversicherung ist sehr kostenintensiv und zahlt sich bei Kleinunternehmen wie wir es sind, in den meisten Fällen nicht aus. "

Finanzieller Ruin? 

Christina Repitsch arbeitet einerseits als angestellte Logopädin am Klinikum Klagenfurt, andererseits ist sie auch im niedergelassenen Bereich als Wahllogopädin für alle Kassen tätig. Aus Rücksicht und Vorsicht gegenüber Patienten wurde die Praxis geschlossen. 
Für Repitsch ist die Argumentation, warum Praxen nicht von den Behörden geschlossen wurden nicht nachvollziehbar: "Ein Abstand von einem Meter kann nicht gewährleistet werden, da eine Hands-on Therapie in vielen Fällen erforderlich ist und Logopäden immer einer vermehrten Aerosolaussetzung ausgesetzt sind, da die Berufsgruppe speziell Kopfbereich des Patienten arbeitet." Zudem weist ein Großteil der Klienten Vorerkrankungen der vulnerablen Risikogruppe auf. Damit stellt man laut Repisch Therapeuten vor folgende Wahl: Finanzieller Rúin oder gesundheitlicher Schaden?

Behandlungen wären wichtig, Risiko ist zu hoch 

"Aus therapeutischer Sicht wären alle Behandlungen sinnvoll, da die Patienten in ihrer Genesung stagnieren oder Rückschritte machen werden" sagt Repitsch. Bei Patienten mit einer Schluckstörung kann es durch das Aussetzen der Therapie und der damit regelmäßig verbundenen Befunderhebung und Behandlung zu einer Verschlechterung der Symptomatik kommen. 
Da in den niedergelassenen Praxen die notwendige persönliche Schutzausrüstung nicht zur Verfügung steht ist eine Behandlung jedoch zu risikoreich. 

Online Therapie nicht möglich 

Repitsch hat sich vorallem auf die Behandlung von tumor- und neurologisch bedingte Dysphagien (Schluckstörungen) sowie die therapeutische Rehabilitation bei Fazialisparesen und im Speziellen auf operativ „reanimierte“ Fazialisparesen spezialisiert:"In der Therapie von Schluckstörungen oder bei heimbeatmeten Patienten ist eine Tele-Therapie nicht adäquat umsetzbar."
Auch Ergotherapeutin Bodner bietet keine Online-Therapie an. Beratende Telefongespräche finden jedoch statt, auch Übungen für zuhause werden zugesandt.  

Therapie:Raum Klagenfurt

Praxis für Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie: Eva Sommer, Bettina Bodner, Jutta Kojalek und Christina Repitsch
Nähere Infos:www.therapierau-klagenfurt.at

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