Schwarz: „In Gründungen investieren!“

Erich Schwarz ist Leiter der Abteilung Innovations- management und Unternehmensgründung und Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
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Uni-Professor Erich Schwarz will die Abwanderung von jungen Kärntnern stoppen. Sein Vorschlag: „Fixes Auslandsstudium für jeden Kärntner Maturanten mit Auszeichnung.“ – Das Interview:

WOCHE: Nahezu jedes Jahr werden bei der Zahl der Unternehmensgründungen Rekorde vermeldet. Sind dies Ein-Personen-Unternehmen (EPUs) aus einer Notlage heraus oder ist die Zahl auch Ausdruck einer steigenden unternehmerischen Gesinnung?
Dekan Schwarz: Die meisten Gründerinnen und Gründer handeln nicht aus der Not heraus – das ist etwas anders als z.B. in Slowenien und Polen. Die Lust an der Selbstständigkeit ist bei uns die wesentliche Triebfeder. Die große Zahl an EPUs lässt sich auch damit erklären, dass das Netzwerkdenken steigt. Viele gründen, weil sie flexibler sein wollen.

Dennoch ist die Gründerkultur bei uns nicht so ausgeprägt wie etwa im angelsächsischen Raum. Scheut der Österreicher das Risiko?
Es ist ein Phänomen in Mittel- und Zentraleuropa, das man auch mit der Kultur und der Religion zu erklären versucht. Man hat lange auch mit der komplizierten rechtlichen Situation argumentiert – da hat sich aber vieles geändert. Mittlerweile braucht man den Meisterabschluss schon lange nicht mehr. Man kann auch bei uns in ein, zwei Tagen ein Unternehmen gründen und es gibt eine gute Beratungsinfrastruktur.

Sie beschäftigen sich vor allem mit den wachstumsorientierten Unternehmen. Weshalb?
Wir beschäftigen uns mit Unternehmen, die das Potenzial haben zu wachsen. Das sind österreichweit 5 bis 10 Prozent der Gründungen. Wir haben in Kärnten 1.500 bis 1.700 Gründungen pro Jahr, von denen rund 20 als sehr innovativ zu bezeichnen sind. Obwohl wir von ein, zwei Prozent aller Gründungen sprechen, haben diese „Highflyer“ oder „Gazellen“ nach wenigen Jahren 50 Prozent aller Arbeitsplätze eines Gründungsjahrgangs geschaffen.

Was unterscheidet „Highflyer“ von EPUs?
Am Beginn liegt das primäre Ziel, etwas „Großes“ umzusetzen. Man braucht das geeignete Produkt und die passende Strategie. Mit einem Dienstleistungsprodukt ist Wachstum viel schwieriger. Diese Unternehmen schauen sehr früh auf Kosten, optimieren Prozesse, Technologie spielt eine große Rolle.

Ist Gründen nach wie vor männlich?
Ja, wir haben unter den Gründern 35 bis 38 Prozent Frauen. Das liegt nach wie vor am Ressourcenzugang, Frauen übernehmen weiterhin tendenziell die Familienarbeit. Es gibt auch eine Ungleichheit beim Ansparen von Geld. Und es orientieren sich Frauen tendenziell eher Richtung Sicherheit. Frauen wählen zudem tendenziell eher Ausbildungen und Berufe, die weniger als die Technik in wachstumsorientierten Branchen etabliert sind und gründen daher eher im Dienstleistungssektor.

Werden bei uns zu sehr Ansiedelungen und zu wenig Gründer gefördert?
Es muss ein Mix sein. Von den Unternehmen des Build!-Gründerzentrums wurden bereits über 200 Arbeitsplätze geschaffen. Um Unternehmen mit 200 Arbeitnehmern ansiedeln zu können, muss man sehr viel Geld in die Hand nehmen. Wir benötigen eine noch stärkere Gründerberatung.

Was wäre dafür die „Rendite“?
Wenn man das Geld, das fürs Stadion und andere Dinge verwendet wurde, ins Gründungsgeschehen investiert hätte, wären das Tausende neue Arbeitsplätze gewesen. Das Land braucht attraktive Arbeitsplätze in innovativen Unternehmungen.

Ist der Kärntner eher risikoavers?
Sicher nicht, aber es geht uns darum, die gut ausgebildeten Kärntner hierzubehalten. Der große Braindrain beschäftigt mich. Mehr als 50 Prozent gehen weiter nach Graz oder Wien studieren. Die Gefahr, dass sie dort bleiben, ist sehr groß. Wir müssen versuchen, die guten Kräfte in Kärnten zu behalten oder wiederzugewinnen.

Warum ist das so?
Uns fehlt eine Bildungstradition. Es gibt kaum ein Bundesland, das so dringend eine Universität benötigt und es gibt kaum eine Universität, die so wenig Wertschätzung im Land genießt. Was man besonders notwendig hat wird halt immer wieder zu verdrängen versucht. Ich bin seit 10 Jahren da und es hat sich schon gewandelt – die Universität wird nicht mehr als Feindbild betrachtet, sondern als Player. Aber sie ist mehr.

Haben Sie Ideen, wie Braindrain zu stoppen wäre?
Wir müssen die exzellenten Studierenden hierbehalten. Ich kann mir vorstellen, dass wir jedem Kärntner Maturanten mit ausgezeichnetem Erfolg garantieren, dass er einen Auslandsstudienplatz erhält. Dieses Angebot würden wir als Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät gerne machen.

Auch an der Wirtschafts-Fakultät der Universität wird die Strategie neu ausgerichtet – mit welchem Ziel?
Auch wir werden uns verändern. Wir werden verstärkt Richtung Qualität gehen. Im Herbst startet „International Management“, der erste Master-Studiengang an der Uni Klagenfurt, der durchgehend englischsprachig ist und auf maximal 35 Personen begrenzt sein wird. Mir schweben zudem zwei weitere Masterstudiengänge vor – „Wirtschaft und Recht“ sowie „Regional Studies“ – ein Masterstudiengang, den ich unbedingt einführen möchte und der interdisziplinär angelegt ist.

Interview von: Uwe Sommersguter

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