20.06.2017, 18:30 Uhr

Ahmad (29): "Endlich kann ich etwas beitragen!"

Ahmad Hanoush mit Richard Brachmaier vor dem Caritas-Büro in Klagenfurt. Er arbeitet für die Caritas als freiwilliger Betreuer in Flüchtlingsquartieren

Erfolgreiche Integration: Ahmad Hanoush aus Aleppo hat heute zwei Jobs und betreut dazu als Freiwilliger andere Flüchtlinge.

MARIA SAAL, KLAGENFURT. Das lange Warten ohne etwas zu tun zu haben - das war es, was Ahmad Hanoush kaum ertragen konnte. Zu Ostern 2015 kam auch der Jusstudent aus Aleppo (Syrien) als einer von 19 Flüchtlingen im Quartier in Maria Saal unter. Die WOCHE traf den heute 29-Jährigen schon einmal, da musste er noch auf das ersehnte "Interview", bei dem festgestellt wird, ob Asyl gewährt wird oder nicht, warten. Mittlerweile ist Ahmad seit elf Monaten subsidiär schutzberechtigt. Das bedeutet, er darf arbeiten, sein Asylantrag wurde allerdings abgelehnt. Der Schutz wird für zwei Jahre gewährt, dann wird erneut entschieden.

Ziel ist ein Studium

"Ahmad war von Anfang an eine Integrationsfigur", sagt Richard Brachmaier über einen seiner "Schützlinge". Er setzt sich mit vielen anderen Maria Saalern nach wie vor für die Flüchtlinge ein. Bei den freiwillig organisierten Deutschkursen war Ahmad besonders fleißig. Darum spricht er jetzt auch so gut Deutsch. "Als der subsidiäre Schutz genehmigt wurde, habe ich einen Deutschkurs vom AMS besucht." Mittlerweile lernt er bereits - wenn Zeit bleibt - für die B2-Prüfung. Diese wird für ein Studium in Österreich verlangt. Ahmads Ziel: Medienkommunikation in Klagenfurt zu studieren. "Dafür spare ich jetzt auch."

Problemlöser und Psychologe

Auch den B-Führerschein nennt der 29-Jährige mittlerweile sein Eigen. Und den braucht er: Denn neben zwei Jobs arbeitet er auch als Freiwilliger bei der Caritas. Da muss man von A nach B kommen. "Für die Caritas betreue ich Flüchtlinge in verschiedenen Quartieren in Kärnten, auch als Dolmetscher. Da bin ich oft der Problemlöser, das macht mir Spaß. Und ich bin natürlich auch ein bisschen Psychologe."

"Warten war schlimm"

Ahmad arbeitet außerdem für die Kinderfreunde in Sekirn im Quartier für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - auch in der Nacht. Seit zwei Monaten ist er ebenfalls noch bei Ikea im Lager teilzeitbeschäftigt.
Ahmad kommt so auf insgesamt um die 65 Stunden pro Woche. Auch die Planung seiner Arbeitswoche braucht bei drei Tätigkeiten Zeit, um alles aufeinander abzustimmen. "Ich schlafe zwar nur wenig, aber das macht mir nichts. Das Warten aufs Interview, ohne etwas zu tun - das war schlimm, nur schlafen und essen. Nun habe ich endlich Arbeit und kann mit meinen Steuern etwas beitragen." Brachmaier ist stolz: "Unglaublich, welch starke Entwicklung Ahmad gemacht hat - vor allem in Sachen Sprache."

Kasnudel-Fan

Ahmads Wunsch wäre ein fixer 40 Stunden-Job. Bei Ikea würde es ihm schon gefallen. Mittlerweile wohnt er auch nicht mehr im Maria Saaler Quartier, sondern mit einer österreichischen Familie in einer Wohngemeinschaft in Klagenfurt. Kulturell gesehen musste er sich natürlich erst daran gewöhnen. Kulinarisch passt jedenfalls alles: "Kasnudel sind super!"
In seiner spärlichen Freizeit liest der 29-Jährige viel - logisch eigentlich. Und ganz nebenbei lernt er, der Englisch, Deutsch und Arabisch spricht, auch noch Farsi. Viel Glück weiterhin, Ahmad!

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