17.09.2014, 12:00 Uhr

Alleinerziehende fühlen sich diskriminiert

Die Wohnungssuche bei Privatvermietern gestaltet sich für Alleinerzieherinnen oft sehr schwierig (Foto: mev.de)

Privatvermieter sind vorsichtig: Als alleinerziehende Mutter ist es schwer, ein Haus mieten zu können.

(pl, vp). "Ich fühle mich unheimlich diskriminiert, wie ein ,Haustier' nach dem Motto ,Haustiere sind hier verboten'." - Und damit ist die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, Alina Filip, nicht allein. Seit längerer Zeit sucht sie in Klagenfurt und Umgebung nach einem kleinen Häuschen zur Miete, um es ihren Kindern so angenehm wie möglich zu machen.

Keiner fragt nach Bonität

Doch bei den Privatvermietern hat sie kaum Chancen: "Ich darf meine Lebensumstände gar nicht weiter ausführen, weil ich gleich angebe, dass ich alleinerziehende Mutter von zwei Kindern bin. Keiner fragt nach meiner Bonität oder ob ich bis dato meine Miete regelmäßig zahle, was ich prompt nachweisen könnte." Das Argument der Vermieter: Man könne eine alleinerziehende Mutter ja nicht einfach auf die Straße setzen, wenn etwas mit dem Mietverhältnis nicht passt. Filip: "Darf ich nicht nachweisen, dass ich sehr wohl imstande bin, meine Kinder zu erziehen, zu studieren, den Haushalt zu schmeißen, den Garten zu pflegen und zu arbeiten?"

Auch Freundinnen geht es ähnlich. Anna-Maria Pollak etwa: "Privat oder in angemessener Größe hat man keine Chance und bei den Genossenschaften bekommt man nach langem Warten nur Wohnungen in sozialen Brennpunkten. Lehnt man diese ab, wird die alleinerziehende Mutter so schnell kein Angebot mehr erhalten."

Einer Strategie folgen

"Die Vermieter sind sehr vorsichtig, es ist ein brutaler Markt", sagt auch Wolfgang Unterlercher vom Katholischen Familienwerk, wo es eine Anlaufstelle für Alleinerziehende gibt.
Die Frauenbeauftragte der Stadt Klagenfurt, Astrid Malle, kennt das Problem "als Randerscheinung": "In unserer Beratung geht es meist um Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen und da gibt es ein klares Bewertungssystem bei Wohnungen, wo die Stadt das Vergaberecht hat." Das Punktesystem bevorzugt Alleinerziehende.
Malle rät: "Man muss die Sache bei privaten Vermietern strategisch angehen." Die Familienverhältnisse sollten nicht das erste sein, das man dem Vermieter mitteilt. "Vielmehr ist es ratsam, sogleich - am besten schriftlich belegt - nachzuweisen, dass man ein fixes sicheres Einkommen hat und man sich das Haus leisten kann." Nach den Familienverhältnissen wird der Vermieter später fragen - oder auch nicht.

Keine rechtliche Möglichkeit

Auch an der Arbeiterkammer Kärnten kommt es hin und wieder vor, dass alleinerziehende Mütter um Beratung ansuchen. „In diesen Fällen geht es aber seltener um Ungleichbehandlungen, sondern vielmehr um Wohnungen im gemeinnützigen Wohnbau. Wird hier um eine Wohnung angesucht, so muss der Vermieter nämlich eine Abfrage zur Einkommenssituation der Mietwerber machen“, erklärt Michael Tschamer, Mietrechtsexperte an der AK. Wenn der Mietwerber zu viel verdient, erhält er ebenso eine Absage, wie wenn er zu wenig verdient: „Wenn die Wohnung 80 Prozent des monatlichen Einkommens ausmacht, dann wäre eine Kündigung vorporgrammiert.“

Die Beschwerden der alleinerziehenden Mütter kann Tschamer aber „absolut nachvollziehen. Ich bin überzeugt davon, dass es bei Privatvermietungen ab und zu so abläuft - nur wird man das nie von einem Vermieter selbst hören.“ Bei Privatvermietern habe man rechtlich keine Möglichkeit, tätig zu werden, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, erklärt Tschamer: „Private tun sich wesentlich leichter, jemanden abzulehnen.“
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