13.02.2018, 16:00 Uhr

Er kämpft gegen die Stolpersteine im Leben

Beim Neubau der Raiffeisenbank war Peter Schwagerle in die Planung eingebunden. Ergebnis: Es gibt sogar Schilder in Blindenschrift, einen eigenen barrierefreien Besprechungsraum etc.

Grafenstein ist anderen Gemeinden in Sachen Barrierefreiheit weit voraus. Denn es gibt Peter Schwagerle, seit 2011 Behindertensprecher.

GRAFENSTEIN (vp). Die Marktgemeinde Grafenstein kann sich glücklich schätzen, denn seit 2011 engagiert sich Peter Schwagerle als Behindertensprecher mit unglaublichem Engagement für Betroffene. Regelmäßig organisiert er einen Stammtisch für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, wo mitunter auch Fachleute vor Ort sind. Bei Problemen oder Fragen ist er erster Ansprechpartner und besucht Betroffene auch zuhause - und das über die Grenzen der Gemeinde hinaus. Häufig geht es um die Frage, wie man zum Behinderten- oder Parkausweis kommt bzw. zum Euro-Key. Der Schlüssel sperrt WCs, Aufzüge, Türen etc. Die nötigen Unterlagen hat Schwagerle dann gleich mit.

Selbst betroffen

Was man nicht sofort merkt: Schwagerle ist selbst betroffen. 1993 führte eine komplizierte Autoimmunerkrankung dazu, dass ihm innerhalb von 15 Monaten beide Unterschenkel amputiert werden mussten. Seine Landwirtschaft musste er aufgeben, lernte schnell, mit zwei Prothesen durchs Leben zu gehen. Aber auch der Rollstuhl ist sein Begleiter. "Plötzlich habe ich all diese Stolpersteine gesehen und oft ist es gar nicht teuer oder kompliziert, sie zu beseitigen." Er begann, sich um andere Betroffene zu kümmern.

In Projekte eingebunden

"Für mich zählt nicht nur der Mensch, sondern auch die Stolpersteine im öffentlichen Bereich - z. B. bei Gehwegen die Bordsteinkante. Bei öffentlichen Gebäuden fehlt oft der barrierefreie Zugang. Das ist auch für Mütter mit Kinderwägen - speziell bei Mehrlingsgeburten -, ältere Menschen mit Rollator oder jemanden mit Gipsbein eine Hürde." Seit Schwagerles ehrenamtlicher Funktion in Grafenstein ist viel in diesem Bereich umgesetzt worden, denn die Gemeinde bindet ihn in Planungen mit ein und er zeigt auf, wo es Mängel gibt.

Nächstes Projekt: Volksschule

Schwagerle: "Barrierefrei ist seitdem das Gemeindeamt, Kindergarten, Sportanlage, die neue Raiffeisenbank, der Friseursalon von Karin Mochorko oder das Restaurant ,Der Hambrusch'. Als nächstes wird die Volksschule heuer in Angriff genommen." Ihm zufolge sind 70 Prozent der Gemeinde barrierefrei. "Damit ist Grafenstein anderen Gemeinden weit voraus."
Bei der Raiffeisenbank wurde sogar gleich die Leerverrohrung für eine Induktionsschleife (ermöglicht Hörgeräte-Trägern störungsfreien Empfang von Audiosignalen) verlegt. 
Doch wo ortet Schwagerle noch Handlungsbedarf? "Auf Induktionsschleifen und Blindenleitsysteme wird oft vergessen. Auch im Straßenbau wird oft nicht mitgedacht und es entstehen unnötige Stolpersteine." Sein Wunsch: "Die Politik sollte uns mehr miteinbinden. Man kann sich gerne an mich wenden. Auch wenn es um Lösungen geht, wie man Altbauten kostengünstig barrierefrei macht." 

Kegeln gut für Feinmotorik

Ein großes Anliegen ist ihm, bei Veranstaltungen im Rahmen der "Gesunden Gemeinde Grafenstein" einen Gebärdensprache-Dolmetscher, vom Land finanziert, zu erreichen. 
Aus den Stammtischen ist übrigens eine Kegelrunde entstanden. Vor allem nach einem Schlaganfall regt der Sport die Feinmotorik an, ist Schwagerle aufgefallen.
Seit Herbst 2014 ist er im Vorstand der Diözesensportgemeinschaft/Behindertensportvereins als Sektionsleiter für Bowling und Kegeln tätig. Menschen mit Behinderung wie Lernschwierigkeiten sind mit viel Spaß dabei. "Wir trainieren Bowling alle 14 Tage in der Cinecity Klagenfurt immer Freitag und kegeln 14-tägig samstags in Völkermarkt. Dafür benötigt man auch Trainer wie Hans Tauschitz und für die Mädels Renate Reichmann als zuverlässige Helfer."

Sommerspiele im Juni

Viele Turniere von Special Olympics wurden da schon erfolgreich absolviert. Organisiert werden außerdem ein Wintersporttag im Bodental oder ein Eisstockturnier beim Kurat. "Ich bin sehr stolz darauf, in der DSG/BSV im Vorstand zu sein und positive Ideen gemeinsam umzusetzen."
Im Juni steht eine große Herausforderung an: die Special Olympics Sommerspiele in Oberösterreich. Mit elf Bowling-Spielern ist Schwagerle dabei. Logisch: Davon sind fünf Sportler und zwei Betreuer aus Grafenstein...

Zur Person - Peter Schwagerle

Alter: 59 Jahre
Wohn- und Geburtsort: Grafenstein
Beruf: Landwirt
Familie: verheiratet, zwei erwachsene Kinder
Funktionen: Behindertensprecher der Marktgemeinde Grafenstein, Obmann-Stv. und Sportreferent beim Öziv Völkermarkt, Vorstandsmitglied der Diözesansportgemeinschaft/DSG-Behindertensportverein (Sektionsleiter Bowling)
Hobbys: Teppichknüpfen, Kegeln, Bowling, Landwirtschaft

Kontakt bei Anliegen oder Interesse an Aktivitäten:
0664/35 06 327 oder pschwagerle58@gmail.com
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