10.02.2017, 07:30 Uhr

Grenzenlose Liebe vereint die Kulturen

Wolfgang Petek und Ena Kulasin sind seit vier Jahren ein Paar und werden im Mai heiraten. Ihr ganzer Stolz ist die zehn Monate alte Tochter Aylin (Foto: Polzer)

Dass Liebe wichtiger ist als Vorurteile und Grenzen im Kopf, zeigen zwei Klagenfurter Pärchen.

KLAGENFURT (vep). Am 14. Februar feiern viele mit dem Valentinstag den Tag der Liebenden. Dass Liebe grenzenlos ist, zeigen auch immer mehr junge Paare aus unterschiedlichen Kulturen. Wie Ena Kulašin und Wolfgang Petek. Die gebürtige Bosnierin und Muslimin ist seit vier Jahren mit dem Klagenfurter Maschinenbauer liiert, im Mai werden die beiden heiraten. "Ich bin mit ihrem Bruder befreundet. Bei ihm habe ich ein Foto von Ena gesehen und mich sofort verliebt", erzählt Petek.

Strenge Traditionen und stolze Frauen

Zunächst dachte er, er hätte aufgrund ihres muslimischen Hintergrunds und der Traditionen keine Chance, mit ihr eine Beziehung zu beginnen. "Es stimmt schon, dass die bosnischen Frauen sehr stolz sind und Männer oft wochenlang ihre Aufwartung machen müssen, bis wir mit ihnen überhaupt einmal auf einen Kaffee gehen", schmunzelt Ena. Deshalb ist es für sie hierzulande auch sehr schwer nachzuvollziehen, dass 16-Jährige schon bei ihren Freunden übernachten. "In Bosnien gäbe es das nicht, da ist das viel strenger. Und es ist noch so, dass die Frau zuhause bleibt", sagt Ena.
Die unterschiedlichen Religionen waren für die beiden jedoch nie ein Thema. "Ich bin hier aufgewachsen und keine praktizierende Muslimin. Meine Großeltern sind noch sehr traditionell und gläubig, aber meine Eltern sind sehr tolerant und offen", sagt Ena. Dennoch haben sie und Wolfgang manchmal mit Vorurteilen zu kämpfen. "Beim Passamt haben sie uns einmal gefragt, wie das gehen soll, eine Muslima und ein Christ", erinnert sich Ena.

Es hat nur Vorteile

Beide sind der Ansicht, dass es nur Vorteile hat, wenn zwei Kulturen durch die Liebe zueinander finden. Wichtig sei, tolerant zu sein, den Partner und seine Werte zu respektieren. "Auch kulturelle Eigenheiten muss Wolfgang da hinnehmen, denn wir Bosnier sind z. B. sehr temperamentvoll. Wenn wir normal reden klingt das für Leute hierzulande wie streiten", lacht Ena.

Fasziniert von der indischen Kultur

Für Christian Gruber vom CIK in Klagenfurt ist die Beziehung zu seiner indischen Freundin Rupinderjit Mahal eine Bereicherung in jeder Hinsicht. "Ich bin fasziniert von der indischen Kultur, durch die Beziehung mit Pindi habe ich mich intensiv damit beschäftigt."
Vor allem die indische Küche mit all ihren Gewürzen und die Kultur der Gegensätze üben eine Faszination auf Chris aus. "Das ist aber auch jener Aspekt, den ich nie ganz verstehen werde. Einerseits sind sie die Erfinder des Kamasutra, andererseits darf man auf der Straße nicht einmal die Hand einer Frau berühren."

Prestige und Gesicht zu wahren besonders wichtig

In Indien ist es wichtig, das Gesicht zu wahren und keine Schande über die Familie zu bringen. "Ich bin Sikh und wurde streng traditionell erzogen, obwohl ich hier geboren wurde", erzählt Pindi. Heute praktiziert sie ihre Religion nicht mehr und auch ihre Mutter Guljit, die Pindi mit 20 einen Ehemann aussuchen wollte, hat verstanden, dass sie die Kultur des westlichen Landes, in dem sie nun lebt und mit denen Pindi gleichermaßen groß geworden ist, respektieren muss. Heute kommt sie fast jeden Sonntag mit indischen Köstlichkeiten vorbei, sehr zur Freude von Chris.

Es muss einem nicht alles gefallen

Wenn beide Partner aus so verschiedenen Kulturen kommen, ist es wichtig, diese auch anzunehmen. "Es muss einem ja nicht alles gefallen, aber man muss für alle Aspekte offen und tolerant sein", sagt Chris.
Toleranz ist eine Komponente, die Chris manchmal im Alltag vermisst: "Wenn wir unterwegs sind, schauen die Leute nach wie vor, besonders Ältere." Vor allem seit der Flüchtlingswelle habe dieses Verhalten wieder zugenommen. "Ich arbeite in der Gastronomie und werde oft stark gestikulierend auf Hochdeutsch angesprochen, weil viele meinen, ich verstehe sie nicht. Dann lege ich im Kärntner Dialekt los, die meisten sind dann ganz verblüfft", schmunzelt Pindi.
Für Chris zählt nur eines: "So komisch das jetzt klingt, aber Pindi ist für mich keine Inderin mit dunkler Hautfarbe, sie ist einfach meine Freundin. Einfach nur meine Pindi, die ich liebe, egal was andere sagen."

Nächste Generation wächst mit beiden Kulturen auf

Er und Pindi sind seit sechs Jahren ein Paar, vor knapp einem Monat kam ihr Sohn Louis Raj zur Welt. Er soll beide Kulturen gleichermaßen kennenlernen. "Wir haben bisher weder christliche noch indische Feste gefeiert", erzählt Chris. "Doch für Louis werden wir künftig Feste aus beiden Ländern zelebrieren." Auch Pindi ist es wichtig, dass ihr Sohn in beiden Welten aufwächst und beide Sprachen lernt.
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