16.11.2017, 10:00 Uhr

#metoo: Das denkt die Lokalpolitik

Klagenfurts Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (Foto: KK/Stadtpresse)

Um die #metoo-Diskussion kommt nahezu niemand herum. Auch politische Vertreter nicht.

KLAGENFURT, VILLACH (vep). #metoo: Die weltweite Outing-Welle von Frauen via Soziale Netzwerke ist überall Gesprächsthema. Und: Es sorgt bei vielen Männern für Verunsicherung. Wie die obersten Lokalpolitiker Kärntens zu #metoo stehen – wir haben zwei gefragt.

Ihre persönliche Meinung zur aktuellen #metoo-Diskussion?

Maria-Luise Mathiaschitz: #metoo hat mit einem Eintrag begonnen und sich viral über die Sozialen Medien verbreitet. Das ist einerseits sehr beeindruckend und andererseits auch erschreckend. Ich finde es von den Opfern sehr mutig, dass sie in die Öffentlichkeit treten. Auf der anderen Seite ist es auch erschreckend, wie schnell man Beschuldigungen global verbreiten kann – unabhängig ob sie sich als wahr erweisen, verjährt sind oder vielleicht sogar falsch.
Günther Albel: Sexuelle Belästigung ist auf das Schärfste zu verurteilen! Sie beginnt immer dort, wo ein Nein nicht respektiert wird. Es ist wichtig, dass sich betroffene Frauen wehren, dass sie die ihnen zustehende Unterstützung und vor allem ihr Recht bekommen.

Geht die Diskussion aktuell in eine falsche Richtung?
Mathiaschitz: Ja. Anstatt über Fälle, die vor Jahren passiert sind, zu diskutieren, solle man lieber Frauen ermutigen, sich zur Wehr zu setzen. Ein klares "Nein" muss gelten und vehement vertreten werden – auch wenn es sich gegen Vorgesetzte richtet.
Albel: Wichtig ist, dass es zu einer offenen, ehrlichen, respektvollen und wertschätzenden Auseinandersetzung kommt. Die Zeit ist reif, vernünftig über diese Problematik zu reden. Dazu muss jede Aufgeregtheit aus dem Thema genommen werden.

Sicherlich haben Sie verfolgt, wie sich Nina Proll zu diesem Thema geäußert hat. Sie hat das Jammern der Frauen satt. Stimmen Sie ihr zu?
Mathiaschitz: Ich habe ihre Aussage sehr mutig gefunden. Sie hat sich bewusst gegen die vorherrschende Meinung gestellt und steht zu ihrer Aussage, auch wenn diese aktuell nicht sehr populär sein mag.
Albel: Das ist die persönliche Meinung von Frau Proll. Es betrifft aber meiner Meinung nach nur einen Teil der Gesamtproblematik.

Ist sexuelle Belästigung durch Machtmissbrauch in der Lokalpolitik überhaupt ein Thema?
Mathiaschitz: Persönlich war in meiner Tätigkeit noch nie von sexueller Belästigung durch Machtmissbrauch betroffen. Überall wo viele Menschen zusammentreffen, können derartige Vorfälle vorkommen. Auch im Magistrat oder der Lokalpolitik kann man das nicht ausschließen.
Albel: Mir ist diesbezüglich nichts bekannt.

Wie würden Sie auf einen Vorwurf der sexuellen Belästigung durch Machtmissbrauch innerhalb des Rathauses reagieren?
Mathiaschitz: Ich kann den Betroffenen nur raten, sich schnell zu melden, auch wenn das sehr viel Mut erfordert. Wenn ein Vorfall erst Jahre später bekannt wird, kann man nicht mehr viel ausrichten, da es Verjährungsfristen gibt.
Albel: Ich würde unverzüglich dafür sorgen, dass ein derartiger Vorfall aufgeklärt wird.

War vor #metoo das Bewusstsein für dieses Thema in der Lokalpolitik vorhanden?
Mathiaschitz: Ich denke, dass Bewusstsein war schon vor #metoo vorhanden. Die Frauenbewegung hat in den vergangenen Jahrzehnten sehr gute Arbeit geleistet.
Albel:
Nachdem in meinem politischen Umfeld ein sehr respektvoller Umgang miteinander herrscht, nehme ich an, dass in unser aller Bewusstsein verankert ist, was sexuelle Belästigung sein könnte.

Wird #metoo etwas verändern?
Mathiaschitz:
Ich würde der #metoo-Diskussion nicht zu viel Bedeutung beimessen. Sie hat das Thema aufgegriffen und über die sozialen Medien verbreitet, die Veränderungen müssen jedoch im realen Leben stattfinden. Die sozialen Medien sind sehr schnelllebig, ich bin schon gespannt was auf #metoo folgen wird.
Albel: Es wäre positiv, wenn dort, wo sexuelle Belästigung womöglich nur als Kavaliersdelikt empfunden wird, ein Umdenken erfolgt.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.