09.10.2014, 14:39 Uhr

"Scheider hat kein Netzwerk"

Noch Klagenfurter Vizebürgermeister: Albert Gunzer (Foto: KK)
Albert Gunzer im Interview: "In die Stichwahl zu kommen ist mein Ziel."

KLAGENFURT. Am Freitag, 17. Oktober, legt Albert Gunzer sein Amt als Klagenfurter Vizebürgermeister zurück - bei der Gemeinderatswahl will er mit der "Bürgerallianz" antreten.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie der FPÖ den Rücken gekehrt haben und mit Ihrer eigenen Liste antreten?
Albert Gunzer: Ich bin schon im Sommer in mich gegangen und habe nachgedacht, wie ich in der Politik weitermachen will. Ich bin ja immerhin seit dem Jahr 2000 politisch tätig und möchte auf jeden Fall weitermachen. Bei meinen Überlegungen habe ich aber festgestellt, dass ich in der derzeitigen Situation in einem engen Korsett bin - die Entscheidungen waren gerade in letzter Zeit oft von Parteipolitik geprägt. Außerdem sollte der Bürgermeister parteiübergreifend arbeiten und über ein gutes Netzwerk verfügen, wie ich es aufgebaut habe - zu Bund, Land und anderen Organisationen.

Und Christian Scheider hat dieses Netzwerk nicht?
Nein, er hat dieses Netzwerk nicht. Er hat ein sehr dünnes Netzwerk zum Land und was den Bund angeht, so ist das fast gar nicht vorhanden. Das hat man ja bei den Entscheidungen rund ums Stadion gesehen.

Aber da hätten Sie auch innerparteilich sagen können, dass es so nicht weitergehen kann, anstatt eine eigene Liste zu gründen?
Das habe ich ja getan! Ich habe immer wieder darauf aufmerksam gemacht.

Haben Sie dann nicht etwas lange damit gewartet, die Konsequenzen zu ziehen? Immerhin sind Sie seit 2006 im Stadtrat, seit 2009 unter Bürgermeister Scheider.
Ich habe seit Sommer Gespräche geführt, auch mit unserem Landesparteiobmann und mit Scheider selbst. Aber ich glaube, Scheider hat das nicht wahrnehmen wollen, dass ich tatsächlich die FPÖ verlassen könnte. Ansonsten glaube ich, war meine Entscheidung für niemanden wirklich eine Überraschung.

Wie wollen Sie sich im Wahlkampf von Scheider abgrenzen?
Scheider war jahrelang mein Kollege, aber ich konnte immer wieder meine eigenen Einfälle einbringen.

Wird das reichen, dass die Wähler Ihre FPÖ-Vergangenheit vergessen?
Nein, vergessen soll niemand etwas. Ich bin kein Parteimitglied mehr. Ich bin ein liberaler Mensch. Die FPÖ hat für mich dazugehört - doch gerade auf Grund der Ereignisse in letzter Zeit habe ich mich eben entschieden, meinen eigenen Weg zu gehen.

Sie treten mit der Bürgerallianz an, Scheider mit der FPÖ, Peter Zwanziger mit einer eigenen Liste. Nutzt das Aufsplittern nicht dem eigentlichen politischen Gegner, der SPÖ?
Genau diese Überlegungen stelle ich eben nicht an! Mir geht es darum, parteiübergreifend zu arbeiten - für die Stadt. Und mit dieser Einstellung liege ich richtig. Ich verzeichne einen überwältigenden Zulauf - Leute aus ganz Kärnten melden sich bei mir.

Wie wird dann Ihr Team mit der Bürgerallianz aussehen?
Da bitte ich um Verständnis, dass ich dazu noch nichts sagen kann.

Haben Sie einen Wunschkandidaten, der Ihre Nachfolge als Vizebürgermeister übernehmen soll?
Dazu gebe ich keine Stellungnahme ab, das steht mir nicht zu.

Es wird spekuliert, dass Christian Scheider das Finanzreferat übernimmt. Trauen Sie ihm das zu?
Da mische ich mich überhaupt nicht ein. Ich bitte wirklich um Verständnis, dass ich dazu nichts sagen kann.

Eine Ihrer letzten Initiativen im Stadtsenat war der Startschuss für die Gespräche über ein Stadtmuseum. Das riecht doch sehr nach Vorwahl-Geplänkel - wie wollen Sie sicher sein, dass daraus auch etwas wird?
Es gibt ja einen Grundsatzbeschluss, den alle Parteien gefasst haben. Wir werden ein mögliches Objekt besichtigen und es war mit wichtig, dass der Ausschuss mit der Arbeit beginnt. Und das, obwohl ich mein Mandat jetzt zurücklege. Aber was das Museum angeht, so gibt es natürlich auch eine Zeit nach der Wahl im März.

Ihre Erwartungen von der Gemeinderatswahl?
Da möchte ich dem Wähler nicht vorgreifen - ich habe aber hohe Erwartungen.

Angenommen, es kommt zu einer Stichwahl - welche zwei Kandidaten werden das Rennen dann unter sich ausmachen?
Die Stichwahl ist mein erstes Ziel - wer noch in die Stichwahl kommt, das kann ich derzeit aber noch nicht sagen.

Wie soll es mit Klagenfurt weitergehen?
Mein wichtigstes Ziel für Klagenfurt ist es, die Stadt noch stärker als Drehscheibe im Alpen-Adria-Raum zu etablieren. Da gibt es ein gewaltiges Potential. Erreicht werden soll das mit einer Verbesserung der Infrastruktur, preisgünstigen Grundstücken für Betriebsansiedlungen und, was das angeht, auch noch mit schnellen Behördenverfahren.
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