31.10.2016, 19:00 Uhr

Sternenkinder: "Man geht zu wenig offen mit dem Thema um"

Anita Ogris begleitet Familien vor, während und nach stillen Geburten. Nun organisiert sie einen Nähmarathon für Einschlagdecken für Sternenkinder. Stoffspenden werden gesucht (Foto: elff)

Für Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben, organisiert Anita Ogris einen Nähmarathon für Einschlagdecken.

KÄRNTEN. Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist immer schwer. Ein Kind zu verlieren - das will man sich erst gar nicht vorstellen. Wie müssen sich Eltern fühlen? Unbürokratische Hilfe und Unterstützung bietet die Plattform "Verwaiste Eltern", bestehend aus einem interdisziplinären und überkonfessionellen Team. Trauernden Eltern, Großeltern, Geschwistern etc. wird über die Plattform eine weitere Betreuung bzw. Begleitung organisiert.

Ein Tabu-Thema

Anita Ogris hat sich auf die Begleitung vor, während und nach stillen Geburten (Kinder werden tot geboren) spezialisiert. Sie organisiert nun einen Nähmarathon für Sternenkinder, also jene, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben (Näheres siehe unten). Vor rund vier Jahren begann Ogris, studierte Sozialpädagogin, mit Trauerbegleitung. Als parlamentarische Mitarbeiterin sei dies ihr "soziales Ventil", außerdem ist sie selbst Betroffene. Ihr wichtigster Tipp an das Umfeld von Betroffenen: "Nicht werten! Jeder trauert anders."
Ogris weiß: "Man geht zu wenig offen mit dem Thema um, es wird tabuisiert. Und es gibt kaum Unterstützung bzw. umfangreiche Information."

Im Alter oft wieder Thema

Vor über drei Jahren initiierte sie eine Petition. Erreicht werden soll, dass die 500 Gramm-Grenze abgeschafft wird. In Österreich ist es nämlich so, dass frühverstorbene Kinder unter diesem Geburtsgewicht weder registriert noch gemeldet werden müssen. Es gab einen einstimmigen Entschließungsantrag, der Abschaffung nachkommen zu wollen, bis 2. November ist ein Gesetzesentwurf in Begutachtung.
Ogris: "Wichtig ist die Freiwilligkeit der Eintragung. Für viele Eltern ist es enorm wichtig für den Trauerprozess, etwas in der Hand zu haben, das beweist, dass ihr Kind existiert hat. Vor allem für Väter und auch Geschwister." Viele Betroffene verdrängen nämlich ihre Trauer, die dann später wieder auf sie einbricht. "Im Alter wird dieses verlorene Kind häufig wieder Thema."

Häufig Kündigungen

Was noch hinzu kommt: Auch Müttern steht in diesem Fall rechtlich kein Wochengeld oder Mutterschutz zu. Seit diesem Jahr gibt es aber wenigstens vier Wochen Kündigungsschutz. "Es kommt nämlich sehr oft vor, dass betroffene Frauen gekündigt werden", so Ogris.

Selbstbestimmung

Ihr ist wichtig, dass betroffene Familien über die Möglichkeiten, die sie haben, genau aufgeklärt werden. "Damit vor allem die Frau selbst entscheiden kann, ob sie etwa eine Kürretage will, abwarten will, bis sich ihr Körper selbständig von der Schwangerschaft verabschiedet oder dies mit Medikamenten einleiten will. Das gibt ihr ein Gefühl von Selbstbestimmung und das hilft bei der Bewältigung der Trauer."

Aufklärung entscheidend

Ebenso wichtig ist die Aufklärung darüber, dass es ehrenamtliche Sternenkinder-Fotografen gibt, dass man von seinem Kind durchaus einen Fußabdruck oder - wenn vorhanden - eine Haarlocke haben kann. "Und eben, dass es in den Krankenhäusern Einschlagdecken gibt. Sternenkinder-Kleidung hilft auch beim Begreifen. Sie gibt den zarten Kindern Stabilität und hilft den Eltern, ihre Kinder zu halten."
Die beim Nähmarathon entstandenen Decken werden an Kärntner Krankenhäuser übergeben.

Nähmarathon für Sternenkinder - Stoffspenden gesucht!

Im Rahmen eines Nähmarathons werden Einschlagdecken für Sternenkinder unter fachkundiger Anleitung genäht.
Vernäht werden gespendete Stoffe, es können aber auch eigene Stoffe und Stoffreste mitgebracht werden.

Termin:
Samstag, 26. November, ab 14 Uhr, Gemeindesaal Lendorf bei Spittal
Mitzubringen: Nähmaschine, Verlängerungskabel/Stromverteiler, Unterspulen, Zwirn, Schere.

Sammelstellen für Stoff(reste), Bänder etc.:
>> "Miranda's Welt", St. Veiter Straße 29, Klagenfurt
>> Atelier "Lucy & Luke", Lendorf 5, Lendorf bei Spittal


Wichtige Adressen für Betroffene

>> Plattform "Verwaiste Eltern": Astrid Panger - 0676/95 27 024 - auch auf Facebook - mit Infos zu Bestattungsmöglichkeiten, stiller Geburt, Selbsthilfegruppen & Co.
>> Sternenkind-Fotografen: www.dein-sternenkind.eu - auf Facebook
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Gordon Kelz aus Villach | 02.11.2016 | 08:06   Melden
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Petra Maldet aus Neunkirchen | 02.11.2016 | 10:12   Melden
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