20.06.2017, 11:51 Uhr

Wo sind Klagenfurts Köche und Kellner?

Hans Zeppitz mit einem seiner 70 Mitarbeiter in den Bäder-Gastrobetrieben: Günter Krainz, Küchenchef im Bad Maiernigg (Foto: Dobernig)

Noch schwieriger zu finden als die Nadel im Heuhaufen sind Mitarbeiter für Saisonbetriebe.

KLAGENFURT (ado). Es ist Montag, 11 Uhr, der Himmel strahlend blau. Das ideale Wetter für einen Tag am See. Während sich die Liegewiese im Bad Maiernigg füllt, begrüßt Hans Zeppitz die ersten Gäste im Restaurant. Gemeinsam mit 70 Mitarbeitern bewirtet er jeden Tag Hunderte Gäste in seinen Gastronomiebetrieben im Strandbad Klagenfurt und in Maiernigg. Nicht immer sei das leicht, erzählt er: „Am Wochenende sind wieder drei Mitarbeiter nicht gekommen.“
Kurzfristige Absagen oder Mitarbeiter, die trotz unterschriebenem Dienstvertrag nicht zur Arbeit erscheinen, erlebe er immer wieder. „Es ist schwierig, Mitarbeiter für einen Saisonarbeitsplatz zu finden – vor allem Einheimische. Und immer weniger Leute wollen wochenends arbeiten“, meint Zeppitz mit Blick auf die Uhr. Er wartet auf eine Dame, die sich zu einem Vorstellungsgespräch angemeldet hat. „Wahrscheinlich kommt sie gar nicht“, sagt er achselzuckend. Er hat Zweifel daran, dass es in Zukunft noch möglich sein wird, Bäderrestaurants mit qualitativ hochwertiger Küche führen zu können. „Uns fehlen einfach die Fachkräfte – und es wird immer schlimmer.“

Schwarz auf weiß

Diesen Trend bestätigen die Zahlen des AMS: Aktuell gibt es in Klagenfurt 225 offene Stellen im Tourismus. Das sind um 63 Prozent mehr als im Vorjahr. Gesucht werden vor allem Kellner (86 Jobangebote) und Köche (65), die restlichen Stellenangebote richten sich unter anderem an Rezeptionisten, Stubenmädchen und Abwäscher.

Mangelnde Motivation

Adi Kulterer, WK-Sprecher der Klagenfurter Gastronomen, kennt die Entwicklung: „Gute Mitarbeiter im Tourismus sind gefragt – und zwar international.
Viele Köche und Kellner werden schon im dritten Berufsschuljahr von internationalen Konzernen angeworben. Die jungen Leute gehen von Kärnten aus in die ganze Welt, was eine tolle Sache ist. Aber andererseits fehlen uns hier die Fachkräfte.“ Dazu komme, dass nicht alle arbeiten wollen, obwohl qualifizierte Arbeitskräfte weit über dem Kollektivvertrag bezahlt werden – und zusätzlich kostenlose Verpflegung bekommen.
„Die soziale Absicherung ist in Österreich offenbar so gut, dass manche keinen Anreiz zum Arbeiten sehen. Das AMS ist sehr bemüht, Leute zu vermitteln, aber es ist zum Teil wirklich schwierig“, so Kulterer.
Davon kann auch Verena Chyba, die das Hotel Jägerhof in Krumpendorf führt, ein Lied singen: „Wir haben momentan zwei offene Stellen, die wir schon seit langem besetzen wollen“, erzählt sie. Weil es kaum Bewerber gibt, packt sie derzeit selbst überall mit an, „aber wir hoffen, dass wir Mitarbeiter finden werden.“
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