15.03.2017, 10:37 Uhr

Grüne Nachhaltigkeitsgespräche: Ein zweiter Planet ist nicht in Sicht

Klagenfurt am Wörthersee: Europahaus |

„Ein zweiter Planet ist nicht in Sicht“ - Unter diesem Motto wurde am vergangenen Donnerstag im Klagenfurter Europahaus im Rahmen der Grünen Nachhaltigkeitsgespräche, die der Grüne Landtagsklub sowie die Grüne Bildungswerkstatt Kärnten veranstalteten, diskutiert.

Die renommierte Umwelthistorikerin Verena Winiwarter hielt vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal in ihrem Vortrag eindrucksvoll die Grenzen unseres Planeten fest, beleuchtete die Auswirkungen unseres Handelns auf die folgenden Generationen und gewährte tiefe Einblicke in die Umweltgeschichte.

Fazit: Es ist fünf Sekunden vor zwölf. Die Lage rund um unseren Planeten ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Daher gilt es, das Ruder umzureißen und unser Verhalten zu ändern. Ein erster wichtiger Schritt wäre, den fossilen und nuklearen Energien den Rücken zu kehren. Mit der Energiewende muss ein echter gesellschaftlicher Transformationsprozess eingeleitet werden.

Verena Winiwarter: „Es gibt kein Naturgesetz, dass uns in den Untergang treibt. Wir Menschen sind es, die über unseres Zukunft entscheiden.“ Die größten Bedrohungen für unseren Planeten sind – wie es die Wissenschaftlerin ausführte, die fossilen und nuklearen Energien: „Der fossilnukleare Metabolismus der Industriegesellschaft hat keine Zukunft. Je länger wir an ihm festhalten, desto höher wird der Preis für die nachfolgenden Generationen sein“, erklärte die Umwelthistorikerin.


Als Beispiel für ein strahlendes Erbe führte Winiwarter die Plutoniumfabrik Handford in den USA an, das in den 1940er Jahren zur Herstellung von Plutonium für Bomben und später auf für Tritium für die H-Bombe erbaut wurde. Die Fabrik war bis 1987 in Betrieb, seit 1989 laufen die Aufräumungsarbeiten. Allein die nur wichtigsten Maßnahmen werden vielleicht – wenn es gut geht - bis 2052 abgeschlossen sein. Winiwarter: „Unsere Entscheidungen von heute werden sich noch zehntausende Jahre oder länger auswirken. Genannt seien an dieser Stelle nur die Stichworte Atommüll und Klimawandel. Es gibt keine überzeugenden Ansätze, wie die Menschheit mit diesem geschichtlich neuen Phänomen klug umgehen kann. Denn wir haben vieles geschaffen, was sich nicht schnell oder leicht ändern lässt.“ Als möglichen Ausweg aus dieser Situation führte die Wissenschaftlerin die Anwendung des Vorsorgeprinzips an. Dabei soll so gehandelt werden, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird. Winiwarter: „Wir müssen gemeinsam Entscheidungen treffen, die weit in die Zukunft hinein wirken, obwohl wir mit viel Unsicherheit konfrontiert sind.“

Im Anschluss an den Vortrag diskutierten unter der Moderation von Klubobfrau und Initiatorin der Grünen Nachhaltigkeitsgespräche, Barbara Lesjak, LR Rolf Holub, Ökonomin Renate Hübner und Christian Salmhofer vom Klimabündnis über die Grenzen unseres Planeten. Beim Bio-Buffet vom Biohof Thaler wurde bis in die späten Abendstunden weiter diskutiert. Ein wahrlich spannender und gelungener Abend.
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