22.09.2014, 12:00 Uhr

"Ich wünsche mir mehr Service-Qualität!"

Lotte Spinka im Interview: "Mathiaschitz wird sich bemühen, ist aber noch nicht so bekannt"
Charlotte Spinka im Interview: "Jeder wäre besser als der aktuelle Bürgermeister."

INNENSTADT. Sie gilt als SPÖ-Urgestein in Klagenfurt und ist trotz ihrer 95 Jahre noch hellwach, was die politischen Vorgänge in Klagenfurt und Kärnten angeht: Charlotte "Lotte" Spinka.

Sie haben Ihre politische Karriere 1985 beendet. Fehlt Ihnen die Politik?
Charlotte Spinka: Ja, eigentlich schon. Aber ich verfolge noch sehr gerne, was in der Stadt passiert. Ich war ja die erste Stadträtin in Klagenfurt. Es haben sich nur Männer für diesen Posten interessiert, aber ich bin es trotzdem geworden - "Nehmts doch die Lotte!" hat ein damaliger Weggefährte geraten - und daran haben sie sich gehalten.

War es eigentlich schwer, sich damals gegenüber den Männern zu behaupten?
Ich hatte es sicher ein bisschen schwerer, oft hatte ich das Gefühl, dass die Männer eifersüchtig sind. Ein paar halt, andere waren sehr gute Kollegen. Aber was damals gezählt hat, das war Handschlagqualität. Bei mir war ein "Ja" ein "Ja" und ein "Nein" ein "Nein", das hat jeder gewusst. Und wenn das Vertrauen gestimmt hat, dann hat man auch mit den anderen Parteien gut zusammengearbeitet. Mit dem Guggi (Anm.: Altbürgermeister Leopold Guggenberger) hat das immer gestimmt, der hat gewusst: Die Stadträtin legt mich sicher nicht herein.

Und wie ist das heute?
Heute hört man immer nur "Events, Events", ich habe oft das Gefühl, dass die Politiker nicht mehr so serviceorientiert sind, wie sie es sein sollten. Zu meiner Zeit habe ich den Leuten auch abseits von meinen Referaten geholfen. Und ich habe auch probiert, zu helfen, wenn sie mit privaten Problemen zu mir gekommen sind. Ich wünsche mir mehr Servicequalität, die Politiker sollten für die Leute da sein.

Wie fällt Ihr Zeugnis für die aktuelle Stadtregierung aus?
Da fängt alles mit dem Bürgermeister an. Der aktuelle ist meiner Meinung nach wenig entscheidungsfreudig - dabei sollte doch gerade der Bürgermeister schauen, dass etwas weitergeht. Und dass die Stadträte gut arbeiten und mehr für die Leute tun.

Was halten Sie in diese Zusammenhang von Maria-Luise Mathiaschitz?
Wenn sie Bürgermeisterin wird, wird sie es bestimmt besser machen, als der aktuelle Bürgermeister. Mit kommt aber vor, dass sie noch nicht so bekannt bei den Leuten ist.

Würden Sie da etwas ändern?
Persönlich hätte ich mich sehr gefreut, wenn Manfred Mertel angetreten wäre. Aber noch einmal: Mathiaschitz wird sich sicher bemühen, wenn sie Bürgermeisterin wird. Jeder andere wäre ein besserer Bürgermeister als der aktuelle.

Sie sprechen natürlich als Sozialdemokratin - haben in dieser Partei Ihrer Meinung nach Frauen mehr Chancen?
Ich denke schon - ich wurde ja als Stadträtin vorgeschlagen, obwohl ich mich gar nicht um den Posten beworben habe. Aber einmal abgesehen davon: Mir war es immer wichtig, dass auch Mädchen etwas lernen. Früher war es ja wirklich so, dass sie von ihrem Mann völlig abhängig waren. Was die Themen heute angeht: Jetzt wird diskutiert, ob in der Bundeshymne die Töchter vorkommen sollen. Also das interessiert mich überhaupt nicht.

Was wünschen Sie sich für die Politik in der Zukunft?
Dass wir in Klagenfurt einen neuen Bürgermeister bekommen. Und dass sich die Politiker dann wieder mehr um die wirklichen Probleme der Menschen kümmern. Für mich war das immer wichtig. Ich war Landtagsabgeordnete, hab das aber wieder gelassen und bin in die Kommunalpolitik zurück. Ich wollte einfach direkt mit den Menschen in Kontakt sein.
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