09.08.2017, 11:28 Uhr

Tempo 100 auf Wörthersee-Autobahn ab Herbst?

Präsentierten das Gutachten: Kurt Fallast, Rolf Holub und Albert Kreiner (von links)

Verkehrs- und lärmtechnisches Gutachten für Tempo 100 auf Wörthersee-Autobahn ergibt "nur positive Auswirkungen", so LR Holub. Aus rechtlicher Sicht dürfte einer Verordnung nichts im Weg stehen.

WÖRTHERSEE. Landesrat Rolf Holub hat es angekündigt, das Gutachten zum Vorhaben Tempo 100 bzw. 60 (für LKW) auf der A2 im Wörthersee-Abschnitt. Nun liegt es vor. Untersucht wurde der Abschnitt Knoten Villach bis Minimundus im Hinblick auf Verkehrstechnik, -sicherheit und Lärmbelastung. Verkehrsexperte Kurt Fallast hat dazu auch über 80 Messfahrten durchgeführt. Insgesamt seien 3.839 Objekte bzw. 6.100 Personen betroffen.

Harmonisierung des Verkehrsflusses

Insgesamt käme es zu einer Harmonisierung des Verkehrsflusses und damit steige die Leistungsfähigkeit der Autobahn, so Fallast. "Die Verkehrsqualität nimmt nicht ab. Ein PKW würde rund zwei Minuten länger brauchen, ein LKW bei Tempo 60 maximal acht Minuten." Im Vergleich zum Fahren auf der B 83 sei man über die Südautobahn trotzdem deutlich schneller, weshalb keine Verlagerung des Verkehrs auf die Bundesstraße zu erwarten wäre. 
In puncto Sicherheit sehe man eine "leichte Tendenz zur Verbesserung", so der Verkehrsexperte. Geringeres Tempo bedeute geringeres Konfliktpotenzial. Analysen würden zeigen, dass Tempo 100/60-Abschnitte rund zehn Prozent weniger Unfälle aufweisen als Abschnitte mit Tempo 130/80.

Weniger Lärm

Was den Lärm betrifft, sei mit einer Verringerung der Lärmimmissionen um ca. drei Dezibel zu rechnen. Messungen in der Nacht hätten zwischen 55 und 58 Dezibel im Durchschnitt ergeben, also deutliche Grenzwert-Überschreitungen. Der Grenzwert liegt in der Nacht bei 50, bei Tag bei 60 Dezibel. Fallast: "809 Objekte bzw. 1.290 Personen, die bisher über dem Grenzwert belastet sind, werden um drei Dezibel entlastet. Das ist deutlich merkbar und entspricht lärmtechnisch einer Halbierung der Verkehrsbelastung." Natürlich würden nicht alle Betroffenen damit unter den Grenzwert "rutschen".
Neben Anwohnern würde sich die Lärmreduktion auch auf Freizeiteinrichtungen wie Wanderwege oder Strandbäder positiv auswirken.

"Günstige Variante"

Ein weiterer "Pluspunkt" für Tempo 100 seien die geringen Kosten. Holub: "Lärmschutzwände oder Anderes sind viel teurer. Das Gutachten ergibt nur positive Auswirkungen, wenn man den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht das Auto."
Diese prognostizierten Auswirkungen sind laut Albert Kreiner, Leiter der Abteilung 7, die rechtliche Voraussetzung für eine entsprechende Verordnung. Kreiner über die nächsten Schritte: "Es folgt der Antrag beim Verkehrsministerium für ein Verordnungsgebungsverfahren - natürlich mit sämtlichen Anhörungsrechten. Aus rechtlicher Sicht dürfte aber einer Verordnung nichts im Weg stehen." Läuft alles glatt, könnte diese schon im späten Herbst erfolgen.

Für Holub sollten die Vorteile eines "100ers" auch die Kritiker überzeugen. "Luftgüte-Messungen sind noch im Gang, auch hier sind aber Verbesserungen durch Tempo 100 zu erwarten."

Darmann: "Für die Pendler einsetzen"

Kritik am Vorhaben kommt weiterhin von der FPÖ. Landesrat Gernot Darmann ortet "eine unnötige grüne Pflanzerei aller Autofahrer und Pendler". Die FPÖ wolle sich beim Verkehrsministerium für die Pendler einsetzen, ein Gesprächstermin samt Übergabe der Unterschriften der FPÖ-Petition gegen Tempo 100 wurde schon bei Minister Leichtfried angefragt. Das Gutachten zweifelt Darmann wegen "nicht repräsentativen Messmethoden und Voreingenommenheit des Auftraggebers Holub" an. Darmann werde keinen Antrag der Landesregierung an das Verkehrsministerium für ein Tempo 100-Limit unterstützen.

Nikel: "Bin für flexible Beschränkungen"

Auch BZÖ Kärnten-Obmann Helmut Nikel ist gegen die Pläne. Er spricht sich für flexible Geschwindigkeitsbeschränkungen aus: "Die Höchstgeschwindigkeit sollte nach Parametern wie Verkehrsdichte, Sicht und Straßenverhältnissen angepasst werden." Solche flexible Maßnahmen würden einen besseren Verkehrsfluss und weniger Umweltbelastung verursachen.

Köfer: "Lärmschutzwände reichen"

Eine ablehnende Haltung kommt auch von LR Gerhard Köfer (Team Kärnten). Er nennt Tempo 100 einen "Schildbürgerstreich" und eine "Schikane": "Ich werde es nicht zulassen, dass Politik gegen Autofahrer und Pendler, die diesen Streckenabschnitt tagtäglich nutzen, gemacht wird. Die übergroßen Lärmschutzwände reichen völlig aus."
Er warnt weiter vor einer "radikalen Radar-Abzocke" bei Tempo 100. 

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Arnulf Aichholzer aus Villach | 09.08.2017 | 20:00   Melden
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