05.09.2014, 15:00 Uhr

"Dann kriegt der Einbrecher eins drauf"

Richard Eberhard: Seine Alarmanlage nebelt den Raum mit Tränengas ein
Richard Eberhard vertreibt eine Alarmanlage, die mit Tränengas funktioniert.

WELZENEGG. Die Luft steht in dem kleinen Geschäftslokal in der Pischeldorfer Straße in Klagenfurt. Richard Eberhard sitzt im hinteren Teil des Geschäfts auf einer Couch und zündet sich eine John Player an. Der Fernseher läuft. Eberhard entwickelt Systeme für Schwerbehinderte: Fenster, die mit einfachen Befehlen auf und zu gehen oder Vorrichtungen für Jalousien, die sich nur mit Sprachbefehlen oder überhaupt nur durch die Bewegung der Augen steuern lassen. Seit einiger Zeit hat Eberhard aber noch etwas ganz anderes im Angebot: Eine Alarmanlage, die Einbrecher mit einem Reizstoff besprüht.

Eigeninteresse
Einbrecher - das ist überhaupt so ein Thema für Eberhard. "Die werden bei uns mit Samthandschuhen angefasst. Wenn man sich einmal wehrt, kriegt man gleich einmal eine Anzeige wegen Körperverletzung", sagt er. Schon kurz nachdem er sein Geschäft eröffnet hatte, wurde bei ihm eingebrochen - und das war für ihn der Grund, warum er sich für diese besondere Form der Alarmanlage interessierte.

Eigentum schützen
Eberhards Grundgedanke: "Eingebrochen werden kann immer und überall. Man kann nicht verhindern, dass eine Tür oder ein Fenster aufgebrochen wird. Alarmanlagen sind dann zwar gut und schön - aber maximal nach zwei Minuten sind die Einbrecher weg und man schaut durch die Finger", so Eberhard. Mit der speziellen Alarmanlage will er dem entgegenwirken. Ihre Wirkung beschreibt er so: "Der Reizstoff greift zuerst die Schleimhäute an, man geht orientierungslos zu Boden. Und sobald man den ersten Atemzug nimmt, geht das Gas auf die Hirnrezeptoren und simuliert Schmerzen. Da kann man nur mehr das Weite suchen." Auch er kam selbst einmal mit dem Gas in Berührung: "Ein Tropfen hat schon gereicht und ich bin am Boden gelegen."

Entwicklung
"Unsere Systeme arbeiten mit dem Reizstoff TW1000. Bei Kontakt ruft er keine gesundheitlichen Folgeerscheinungen hervor", erklärt dazu Wilfried Weyse von der Firma Wewitec. "Ich habe das System in jahrelanger Arbeit entwickelt - ein sehr kostenaufwändiger Prozess", erklärt Weyse.

Keine Fehlalarme
Die Alarmanlage eignet sich für Autos und Geschäftslokale, für Baucontainer und Motorräder - sie werden in eine Gaswolke eingehüllt. Fehlalarme sind so gut wie ausgeschlossen, sagt Eberhard: "Die besten Sensoren werden verwendet - es ist nicht möglich, dass die Alarmanlage durch Zufall losgeht." Die Gastkartuschen lassen sich völlig unauffällig verstecken: Getarnt als Aktenordner oder als Rohr in der Wand. Wird der Alarm ausgelöst, so wird der gesamte Raum innerhalb einer Sekunde mit dem Reizstoff gefüllt. Er ist so aggressiv, dass auch eine Gasmaske nicht hilft. Bis der Raum ausgelüftet ist, dauert es vier bis sechs Stunden lang. Und auch, wenn es der Einbrecher dann noch einmal probiert, dürfte er keinen Erfolg haben: Denn dann nebeln zusätzliche Gaskartuschen den Raum ein.

Alarmanlage als Waffe
Eine Zulassung für dieses System zu bekommen, sei nicht einfach gewesen, erklärt der Erfinder: "Erst wurde die Alarmanlage als Waffe eingestuft." Das habe sich aber geändert: "Man muss aber an der Außenseite des Geschäfts einen Hinweis anbringen, dass die Alarmanlage mit dem Reizstoff funktioniert", sagt Eberhard. Er grinst. "Warum auch nicht? Man soll das ruhig wissen: Wenn hier eingebrochen wird, dann kriegt der Einbrecher eins drauf."
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