10.10.2017, 16:30 Uhr

Wienerroither: Der innovative "Wörthersee-Bäck"

Martin Wienerroither III. führt den Familienbetrieb in dritter Generation (Foto: Kärntenphoto/Martin Assam)

Die WOCHE bat Martin Wienerroither III., den "Bäck vom See", zum Interview. Das Familienunternehmen feiert das 80-jährige Bestehen.

WÖRTHERSEE, VILLACH, KLAGENFURT (vp). Das ist selten: Das Familienunternehmen Wienerroither mit Hauptsitz in Pörtschach feiert das 80-jährige Bestehen. Am Samstag wird zum "Tag der offenen Backstube" geladen.

WOCHE: 80 Jahre - was bedeutet das für euch?
MARTIN WIENERROITHER:
 Das Jubiläum ist ein sehr besonderes. Schön ist, dass wir bis heute das Familienunternehmen leben, dass wir es 80 Jahre lang weiterentwickeln können. Meine Eltern sind nach wie vor präsent - meine Mutter im Café in Pörtschach, mein Vater kümmert sich als ,Mann mit dem grünen Daumen' um die Gestaltung. Meine Frau hat die Filialorganisation über, meine Schwester das Marketing. Und ich kümmere mich um Produktion und Einkauf. 

War es für Sie immer klar, in die Fußstapfen der Eltern zu treten?
Nein, ich habe einiges ausprobiert. Aber der Bäcker-Beruf hat mir immer gefallen, nur das frühe Aufstehen war etwas problematisch. Irgendwann ist aber die Entscheidung gereift, selbst etwas bewegen zu wollen. Die Selbständigkeit war das Reizvolle und da hat sich der Familienbetrieb angeboten.

Man hört viel vom Bäcker-Sterben: Warum ist das bei euch kein Thema?
Es gibt immer noch viele erfolgreiche Kollegen. Ich glaube, erfolgreich ist man, wenn man anders ist, nah bei den Kunden, wenn man trotz Tradition innovativ ist und sich abhebt. Tradition ist für mich nicht, dass ein Bäcker täglich einen 50 Kilo-Sack Mehl schleppen muss. 

Ihr bildet Lehrlinge aus. Ist es schwer, welche zu finden?
Wir hätten jedes Jahr gerne zwei neue Lehrlinge, aber es ist schwierig. Ich denke, der Ruf der Lehre ist das Problem. Heute wird oft propagiert, dass man ohne Studienabschluss nichts wert sei. Dabei steht einem mit einer Lehre, auch mit der Bäcker-Lehre, die ganze Welt offen.

Was ist das Schöne am Bäcker-Beruf?
Das Lebensmittel, das jeden Tag etwas anders ist, mit dem man viel ausprobieren kann. Da wird es nie langweilig.

Ihr seid auf allen möglichen Social Media-Kanälen unterwegs, es gibt lustige Videos und vieles mehr. Wie wichtig schätzen Sie Social Media ein?
Sehr wichtig. Wir haben uns entschieden, in der Werbung diesen Weg zu gehen. Meine Schwester Marianne ist der kreative Geist dahinter.



Dabei stellt ihr auch oft eure Mitarbeiter in die Auslage ...

Wir sind sehr froh, dass unter den 160 Mitarbeitern viele langjährige dabei sind. Für mich gehören sie zur Familie.

Welche Produkte sind die beliebtesten?
Wir achten darauf, so gut es geht regional einzukaufen. Besonders beliebt sind Handsemmel, Dinkelbrot, Milchrahmstrudel, La Baguette und im Fasching natürlich die Krapfen. Wir haben auch einen Online-Shop aufgebaut, der steckt noch in den Kinderschuhen. Da gibt es Reindling und Kekse. Auch das gehört heutzutage dazu.

Stehen Sie als Chef selbst noch in der Backstube?
Mein Job ist die Versuchsbäckerei. Dort kreiere ich erste Entwürfe, die wir dann auszurollen versuchen.

Innovation gehört bei euch dazu. Welche Ideen gibt es für die Zukunft?
Viele, aber ich rede nicht gerne über Dinge, die noch nicht fix sind. In der Produktion gibt es aber laufend Neues, jetzt etwa unsere Hadnstoppl. 2018 wollen wir zwei Filialen umbauen und in Klagenfurt ist auch eine neue geplant.

Jubiläum - Tag der offenen Backstube

Samstag, 14. Oktober, ab 13 Uhr, Bäckerei Wienerroither Pörtschach.
Dabei kann man mitbacken, sich durchkosten, am Glücksrad drehen und vieles mehr.


Kurz-Geschichte der Bäckerei Wienerroither

  • 1937 zieht Martin Wienerroither I. mit Gattin Marianne von Oberösterreich an den Wörthersee. Sie kaufen eine bestehende Bäckerei und etablieren ihre eigene.
  • Martin II., der älteste ihrer vier Söhne, tritt in den 60er-Jahren in den Betrieb ein. Er integriert Konditorei und Café und es werden Anfang der 70er-Jahre die ersten zwei Filialen in Klagenfurt eröffnet. Mit Gattin Helga baut er den Betrieb aus.
  • Martin III. übernimmt das Geschäft um die Jahrtausendwende. Unterstützt wird er von seinen Eltern, Frau Karin und Schwester Marianne. Heute gibt es neben dem Stammhaus in Pörtschach zwölf Filialen - insgesamt 160 Mitarbeiter. Beliefert werden auch Hotels in Pörtschach und Velden. Das Stammhaus wurde 2014 generalsaniert, seitdem gibt es eine Schaubäckerei. Einmal im Monat wird zur "Back.Werk.Statt" geladen, wo Interessierte in der Bäckerei selbst Hand anlegen können.

Die zwölf Filialen:
  • Pörtschach (Stammhaus)
  • 8.-Mai-Straße Klagenfurt
  • Annabichl/Klagenfurt
  • Hauptbahnhof Klagenfurt
  • Siebenhügel/Klagenfurt
  • Uni Klagenfurt
  • Pädak/Klagenfurt
  • Wienergasse Klagenfurt
  • Südring Klagenfurt
  • Velden
  • Hauptplatz Villach
  • Neukauf Villach
  • Hauptbahnhof Villach
Mehr: www.wienerroither.com
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Helga Amh aus Bruck an der Leitha | 11.10.2017 | 19:12   Melden
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