Kultur-Salon Wasserzeile
Ein Salon wie vor 100 Jahren in Ehrenfellners Wohnzimmer

Ehrenfellner veranstaltet den Salon seit 7 Jahren.
  • Ehrenfellner veranstaltet den Salon seit 7 Jahren.
  • Foto: Marion Pertschy
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KLOSTERNEUBURG (mp). Seit mittlerweile sieben Jahren ist der gebürtige Salzburger Christoph Ehrenfellner bereits Wahl-Klosterneuburger. "Im April sind wir von Wien rausgezogen und im Oktober haben wir mit den Salon-Konzerten angefangen. Die Idee war aber von Anfang an da", erzählt Ehrenfellner über sein Projekt. Die Rede ist vom „Kultur-Salon Wasserzeile“, eine Konzertreihe der etwas anderen Art, die direkt im Wohnzimmer bei Ehrenfellners stattfindet. "Einmal im Monat, an 'unserem' Kultur-Montag, räumen wir das ganze Wohnzimmer aus", deutet er lachend auf einen massiven Holztisch am Ende des großen Raumes. Auch das Kinderspielzeug muss weichen, das Arbeitszimmer seiner Frau Franziska nebenan wird zum Pausenbuffet umfunktioniert.

Musiker mit Leib und Seele

Ehrenfellner ist selbst Geiger, Komponist und Dirigent. Seine Partner sind heute etwa das Mexico City Philharmonic Orchestra, das Mozarteum Orchester Salzburg oder das Mainfranken Theater Würzburg. Von 2011 bis 2015 war er Chefdirigent der Beethoven Philharmonie in Baden, dem Hausorchester der operklosterneuburg – seine Vergangenheit als Kammermusiker hat der Salzburger jedoch nie abgelegt. Bei Gerhard Schulz, Geiger des Alban Berg Quartett lernte der begeisterte Tonkünstler in Wien. Heute mischt er sich auch im Kultur-Salon Wasserzeile unter die illustre Runde der Künstler. Wer in Ehrenfellners Wohnzimmer auftritt, hat sich bereits einen Namen gemacht – Größen der klassischen Musik wie Elisabeth Leonskaja (01.04.19), Paul Gulda (25.02.19) oder Emmanuel Tjeknavorian (05.11.18) geben sich in dieser, bereits 7. Saison die Klinke in die Hand und bereiten den rund 50 Gästen "Sternstunden zum Anfassen", so der dreifache Vater.

Ein Null-Summen-Spiel

Dass Kultur in dieser Form einen "unglaublichen Mehrwert" für die Gemeinde bringt, davon ist der Wahl-Klosterneuburger überzeugt und erzählt von seiner Vision, die Menschen um ihn herum mit Kunst in Berührung zu bringen. "Es war anfangs nicht einfach, um die wenigen Förderungen und dafür, dass wir solche Konzerte überhaupt 'öffentlich' abhalten konnten, mussten wir kämpfen", erinnert sich Ehrenfellner und ergänzt: "In den ersten zwei Jahren hat meine Frau immer gekocht, jetzt gibt's Kooperationen." Weine und Säfte sponsert das Stift Klosterneuburg, warme Heurigenspeisen steuert das Gasthaus Ockermüller aus Kritzendorf bei – beides ist im Eintrittspreis von 35 Euro inbegriffen. Auch jetzt ist die Konzertserie aber immer noch per Definition ein Null-Summen-Spiel, das von der Leidenschaft des Musikers und seiner Familie lebt und von Ehrenfellners Künstler-Freunden großzügig unterstützt wird. "Leidenschaften mit seiner Mitwelt zu teilen – das macht die Schönheit des Lebens aus", meint der Salzburger.

"Wie eine Beziehung"

Werbung machen die Ehrenfellners für ihre Konzertreihe, die an die bürgerlichen Salone vor 100 Jahren erinnert, kaum. "Atmosphäre ist das Schlüsselwort – der begeisterte Freund bringt den Freund mit", so der Hausherr. Heute ist jeder Kultur-Montag gut gefüllt mit Klosterneuburger Feinspitzen der klassischen Musik. "Kammermusik ist durchaus wie eine Beziehung – das muss passen", findet Ehrenfellner, der sein Publikum stets persönlich durch den Abend führt. „Wir leisten uns eben einmal im Monat einen kleinen Luxus", schließt der Künstler augenzwinkernd.

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