Hochwasser können auch gesundheitliche Probleme mit sich bringen

Professor Hademar Bankhofer.

Gesundheitliche Gefahren nach einem Hochwasser –  Hademar Bankhofer klärt auf.

KLOSTERNEUBURG (pa). Tagelange Regenfälle haben zu einer katastrophalen Hochwassersituation geführt. Viele Menschen haben aber durch die Wassermassen nicht nur ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen, sondern auch Hab und Gut verloren und sind somit enormen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt. Ärzte des Roten Kreuzes, die solche Hochwasser schon öfter in ihrem Leben mitgemacht haben, warnen: Denkt man bei all den Rettungsaktionen nicht auch an die Gesundheit der Menschen - sowohl die der Retter als auch der Betroffenen -, so ist zu befürchten, dass viele davon ernsthaft krank werden.

Mit welchen Gefahren für die Gesundheit muss man bei und nach einem Hochwasser rechnen?

Hademar Bankhofer:

"Es drohen Erkältungen, Sommergrippe, Unterkühlungen mit Nieren- und Magenproblemen, Gefährdungen durch verseuchtes Wasser, Hauterkrankungen und vieles mehr. Aber auch viele bereits vorhandene chronische Leiden können verstärkt auftreten."

Warum diese massive Gefahr für die Gesundheit?

Hademar Bankhofer:

"Weil in dieser Situation weder Helfer noch Betroffene an ihre Gesundheit denken. Man hat ja Bilder im Fernsehen gesehen, wie verzweifelt viele sind.
• Allein die seelische Situation schwächt das Immunsystem enorm. Alle, die vom Hochwasser betroffen sind, haben eine höhere Krankheitsanfälligkeit.
• Man hat gesehen, wie Menschen bis zur Brust im Wasser zu ihren Häusern waten, um in den oberen Stockwerken zu retten, was zu retten ist. Das bedeutet Unterkühlung. Dasselbe trifft auf die Helfer zu, die stundenlang im kalten Wasser im Einsatz sind.
• Man bekommt also leicht eine Erkältung, Nieren und Magen werden angegriffen, und rheumatische Beschwerden verstärken sich."

Was kann man tun, um Unterkühlungen zu vermeiden?

Hademar Bankhofer:

"• Die Menschen arbeiten bis zum Umfallen. Sie sind nass vom Wasser und durchgeschwitzt. Das ist gefährlich. Es muss an den Einsatzzentralen darauf geachtet werden, dass nasse Kleidung in Abständen gewechselt wird. In einem unterkühlten Körper, der friert, haben Viren und Bakterien leichtes Spiel.
• Es müssen Decken und warme Kleidung bereitgestellt werden.
• Helfer und Betroffene brauchen Wärme.
• Speziell Opfer des Hochwassers, die bis zum Umfallen und bis zur Erschöpfung um ihr Hab und Gut kämpfen wollen, vergessen in ihrer Verzweiflung, an all das zu denken."

Was kann man tun, um in so einer Situation die Immunkraft einigermaßen zu stärken?

Hademar Bankhofer:

"Jetzt hat es keinen Sinn, mit klugen Ratschlägen von gesunder Ernährung, von Vitaminen aus Obst und Gemüse zu reden. Man muss stattdessen schnell etwas tun, ohne Zeit dafür zu benötigen. Jetzt ist die Zeit, auch in Sachen Gesundheit „Feuerwehr“ zu spielen: Multivitamin- Säfte trinken und stilles Mineralwasser mit Multivitamin-Tabletten. Man weiß aus britischen Untersuchungen, dass eine Tasse Tee mit einer Multivitamin-Brausetablette darin aufgelöst, sehr schnell wirkt.
Jetzt sind alle jene Firmen gefordert, die Vitamin-Präparate, Mineralstoff-Vitamin-Präparate oder Multivitamin-Säfte erzeugen, zu spenden. Rasch überall dorthin zu liefern, wo Helfertrupps im Einsatz sind."

Sie sagen Mineralwasser. Warum kein Leitungswasser?

Hademar Bankhofer:

"Dort, wo Hochwasser alles überflutet, droht immer die Gefahr, dass Wasser verseucht werden kann. Muss nicht, kann aber. Vorsicht ist angebracht. Daher sollte man in betroffenen Gegenden Wasser aus der Leitung nur abgekocht verwenden, und zum Trinken am besten Mineralwasser nehmen."

Wie weit kann man etwas gegen die seelische Belastung der Menschen etwas tun?

Hademar Bankhofer:

"Das Rote Kreuz stellt seit Tagen Helfer ab, die besonders belastete Menschen psychologisch betreuen. Wobei die Erfahrung zeigt: Es ist wichtig, dass sich Betroffene ihr Leid von der Seele reden können. Mit dem Reden können viele das Erlebte besser aufarbeiten."

Besteht die Gefahr von Depressionen?

Hademar Bankhofer:

"Ein Ärzteteam in Prag weist darauf hin, dass viele der Betroffenen in den nächsten Wochen unter depressiven Stimmungen leiden und ärztlich und psychologisch betreut werden müssen."

Was muss man in Sachen Gesundheit beachten, wenn nach dem Hochwasser die Aufräumarbeiten weitergehen?

Hademar Bankhofer:

"Das Wasser hat nicht nur Schlamm und Schmutz mitgebracht, sondern auch Umweltschadstoffe, mitunter auch Chemikalien und andere Substanzen, die auf der Haut Verätzungen oder allergische Reaktionen auslösen können. Daher sollte man nur mit Gummihandschuhen hantieren und nicht mit bloßen Händen, wo es möglich ist."

Zusatz zum Thema Wetterkapriolen

Hademar Bankhofer:

"In den letzten Jahren nehmen die zuckenden Blitze bei einem Gewitter weltweit zu. Das schaut nicht nur unheimlich aus, sondern bedroht auch unsere Gesundheit in jedem Alter. Amerikanische Wissenschaftler haben 65 Jahre lang die Krankheitsdaten von 46 Millionen Menschen analysiert und mit den Wetterdaten dieser Zeit abgeglichen. Da hat sich folgendes gezeigt: Bereits einen Tag vor einem Gewitter haben besonders viele Patienten die Notaufnahmen von Krankenhäusern aufgesucht. Der Grund: Sie hatten akute Atemwegs- Probleme. Besonders betroffen waren ältere Menschen mit Asthma und Chronisch Obstruktiver Bronchitis, in der Medizin als COPD bezeichnet. Unmittelbar vor einem Gewitter steigen die Temperaturen. Es bilden sich hohe Konzentrationen von Feinstaub. Das belastet die Atemwege in hohem Maße."

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