Impfung ja oder nein
"Jede Impfung ist sinnvoll"

Impfung: Ein kleiner Stich schützt vor Krankheiten. Doch sind alle unsere Impfungen notwendig?
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Klosterneuburg Ärzte treten für das Impfen ein: Empfehlungen von Kinderarzt Georg Vollnhofer, Allgemeinmedizinern Peter Kaufmann und Gudrun Kaspar.

KLOSTERNEUBURG. Ein heute geborenes Baby bekommt bis zu seinem 18. Geburtstag satte 50 Impfungen. Während die einen darin den medizinischen Fortschritt und die Ausrottung gefährlicher Krankheiten sehen, finden Kritiker viele Impfungen schlicht für überflüssig. In unserer neuen Serie „Gute Imfpung, schlechte Impfung“ beleuchtet Medizinjournalist Bert Ehgartner ab dieser Woche Vorteile und Nachteile des Impfens. Wir haben unsere Ärzte im Bezirk gefragt, wie es um die Impfmoral steht und welche Imfpungen sie empfehlen – oder auch ablehnen.

Hohe Impfmoral, steigende Kritiker

"Die Impfmoral in Klosterneuburg ist prinzipiell sehr gut," berichtet Allgemeinmediziner Peter Kaufmann, der mit seinen Kolleginnen Kathrin Hollaus und Veronika Herret-Kaufmann die Gruppenpraxis DoktorInKritzendorf führt. "Wir sehen nur leider immer wieder eine oft fast religiös verbrämte Diskussion über Impfungen, die oft den Boden einer seriösen Diskussion verlassen hat." "Insgesamt würde ich sagen, dass die Menschen Impfungen kritischer gegenüber stehen. Sie setzen sich genau mit der Notwendigkeit auseinander und entscheiden auch nach dem vorhandenen Impftiter", konstatiert Medizinerin Gudrun Kaspar aus Klosterneuburg.

Verunsicherung

"Eltern werden nicht richtig informiert, das verunsichert", stellt Kinderarzt Georg Vollnhofer fest. Vor allem aus dem Internet. Seiten der Impfgegner behaupten dort, Impfen würde Allergien oder Autismus auslösen. "Keine dieser Sachen wurde je bewiesen, sonst hätte man doch schon längst aufgehört zu impfen." Für ihn ist "keine Impfung sinnlos". Das Verbreitungsgebiet der Krankheiten spiele natürlich eine Rolle: "Ich würde mich in Österreich nicht gegen Tollwut oder Typhus impfen lassen, die kommen hier nicht vor."

Besser Informieren

"Es liegt an uns Ärztinnen und Ärzten objektiv aufklärend zu wirken... im Prinzip sollte das Paket der Impfempfehlungen im Kindes- und Jugendalter nicht auseinander geknüpft werden. Dieses Paket wurde nicht von einigen wenigen Ärzte ausgedacht sondern wurde auf höchstem internationalen Niveau erstellt und stellt die Grundlage für alle weiteren Impfempfehlungen im Erwachsenenalter dar. Die letzte Entscheidung sollte aber immer zusammen mit den impfenden Hausärzten oder Kinderärzten getroffen werden", meint Peter Kaufmann. "Immer mehr Menschen sind kritisch und entscheiden  "Der Kinderarzt ist der Experte, er hat viele der Krankheiten, um die es geht, schon gesehen", ergänzt Vollnhofer, der die laufenden Weiterbildungen betont. "Wer ein Kind mit Masern erlebt hat, das ist nicht einfach ein bisschen krank. Das hat hohes Fieber, 40 Grad, eine Woche lang. Das Fieber bekommen Sie mit Medikamenten kaum in den Griff. Das hat einen furchtbaren Husten, also selbst wenn keine Komplikationen auftreten ist das schlimm." Die Impfung schützt - und das nicht nur diejenigen, die geimpft sind. "Wir brauchen 80 Prozent Impfquote, um alle zu schützen, die nicht geimpft werden können", appelliert Vollnhofer. "47.000 Masernfälle gab es im vergangenen Jahr in Europa, viele Kinder sind gestorben. Jede Krankheit die ich verhindern kann, darf doch nicht sein." Wenn die Impflücken zu groß werden, werden wir wieder große Masernepidemien haben, wo viele Kinder sterben werden, appelliert er für Impfungen.

Zusätzliche Impfungen

Im österreichischen Impfplan finden sich jedoch auch Impfungen, die aus nicht ganz verständlichen Gründen nicht von der öffentlichen Hand finanziert werden, erklärt Kaufmann: An erster Stelle wohl die Impfung gegen die Zecken–Meningoencephalitis ( FSME ), dann aber auch gegen die infektiöse Gehirnhautentzündung und schließlich auch gegen die so häufige Feuchtblatternerkrankung, wobei die Ärzte seiner Gruppenpraxis in Kritzendorf diese Impfung besonders bei Kindern mit chronischen Hauterkrankungen empfehlen.
"Ich habe letztes Jahr ein 18 Monate altes Kind an Meningokokken verloren, vor so etwas fürchten wir uns", ergänzt Vollnhofer. Bei den Feuchtblattern empfiehlt er in jedem Fall eine Impfung in Haushalten, wo neben einem Kindergartenkind ein Baby im Haushalt ist, denn: Im ersten Lebensjahr können Feuchtblattern gefährlich werden. Persönlich habe er seine Kinder geimpft: "Da ist einmal die mögliche Narbenbildung. Und zweitens, vergessen Sie nicht: da dürfen Sie zehn Tage nicht raus. Die Kinder nicht an die Sonne, kein Kontakt zu anderen. Ich könnte es mir selbst nicht leisten zehn Tage zu Hause zu bleiben." 
 

Grippeimpfung ja oder nein?

"Hatten Sie schon einmal die Grippe? Die echte Grippe setzt sie zwei Wochen außer Gefecht", plädiert Kinderarzt Vollnhofer für die Influenzaimpfung. Sie "schützt mit einer hohen Sicherheit vor der mitunter lebensbedrohlichen epidemischen Grippe – Influenza", stimmt Kaufmann zu. "Nach Gefährfungssituation" impft Kapar vor allem Alte und chronisch Kranke.
"Was das uns Steuerzahlen kostet, alleine die Grippefälle die zwei Wochen im Krankenstand sind. Auch so muss man leider denken", meint Vollnhofer.

Weitere Empfehlung

Die für Kinder empfohlenen Impfungen gegen Meningokokken und Pneumokokken halte ich auch für ältere und immungeschwächte Personen für angebracht, bringt Gudrun Kaspar ein. Sie betrachtet vor allem die Lebenssituation der Patienten: "Die Impfung gegen Hepatitis B sollte insbesondere bei beruflicher Exposition etwa im Gesundheitsbereich durchgeführt werden. Hepatitis A ist bei Reisenden, oder Personen, die gerne Meeresfrüchte essen sinnvoll. Die Infektion erfolgt hier fäko- oral, also über Nahrungsmittel."

"Übung" für Immunsystem

Für Immunsystem sei es übrigens völlig egal, ob eine Krankheit "wild" durchgemacht worden sei oder durch Impfung: "Das ist im Blut nicht mehr feststellbar", räumt Vollnhofer mit einem Mythos auf. Jede Impfung stärkt das Immunsystem, auch Totimpfungen, die den Großteil der heute verabreichten Impfungen ausmachen.

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