Schmucki ist sich sicher

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KLOSTERNEUBURG (pa). Beinahe vier Jahre ist es her, dass die Entscheidung fiel, die ausgediente Magdeburgkaserne vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung zu stellen. Für Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager war diese Entscheidung immer eine menschliche Selbstverständlichkeit und auch heute sieht er wieder die Notwendigkeit, für Menschen, die vor Krieg und Folter geflohen sind, einzutreten.

Gegenseitige Bemühungen um Integration

Die Integrationsbereitschaft war auf Seiten der Einheimischen und der geflüchteten Menschen groß. Von den rund 100 geflüchteten Menschen, die in Klosterneuburg ein neues Zuhause gefunden haben, sind rund 40 Afghanen. Viele junge Afghanen haben inzwischen ihren Pflichtschulabschluss nachgeholt, manche sind Mitglieder bei der freiwilligen Feuerwehr oder dem Roten Kreuz geworden. Auf Initiative des Vereins „Klosterneuburg hilft“ haben sich wiederholt Neuankömmlinge freiwillig gemeldet, um für Obdachlose zu kochen oder an Müllsammelaktionen teilzunehmen. Oftmals sind sie Teil der Familien geworden, die sie aufgenommen haben, sind Mitglieder in Sportvereinen. Doch vor allem eines haben viele von ihnen nicht: Sicherheit.

Drohende Abschiebungen

Denn jeder von ihnen, der sich noch im Asylverfahren befindet, könnte letztendlich abgelehnt werden und nach Afghanistan abgeschoben werden. Und das, obwohl man fast täglich von Bombenanschlägen in dem Land hört. Erst kürzlich wurde mit einem Anschlag gezielt eine Schule in Kabul zerstört. Im Jahr 2017 gab es mehr als 10.000 zivile Opfer in Afghanistan. Allein seit Jahresanfang sind mehr als 206.000 Menschen vor Kämpfen mit den radikalislamischen Taliban aus ihren Dörfern und Städten geflohen. Insgesamt gibt es in dem Land rund zwei Millionen intern vertriebene Menschen, die sich in den wenigen Großstädten sammeln. 70 Prozent der Bevölkerung Kabuls leben in sogenannten „Slums“.
Parallel dazu wird jedoch die Situation in Afghanistan, von österreichischen Behörden, als ausreichend sicher deklariert, um auch 2018 regelmäßig Sammelabschiebungen vom Flughafen Wien aus durchzuführen. Gleichzeitig besteht eine aufrechte Reisewarnung des Außenministeriums. Aus diesem Grund haben etablierte Organisationen wie asylkoordination, Diakonie und Volkshilfe die Kampagne #sichersein ins Leben gerufen, um darauf aufmerksam zu machen, dass Abschiebungen nach Afghanistan den Menschenrechten widersprechen.

Anlässlich des jüngsten UNHCR-Berichts zur Lage in Afghanistan sieht auch Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager es an der Zeit, für den Schutz geflüchteter Menschen aus Afghanistan einzutreten.
„In Klosterneuburg haben sich viele Familien dem Schicksal Asylsuchender angenommen. Ich erlebte in den vergangenen Jahren die freundschaftlichen Beziehungen, die geknüpft wurden und wie sehr sich Helfende und Hilfesuchende um Ausbildung und Teilhabe an der Gemeinschaft bemühen. Dadurch ist es gelungen, die Integrationswilligkeit der hier lebenden Afghanen zu fördern und so entstand ein konfliktfreies Zusammenleben.
Wenn jemand, der seit zwei Jahren in Österreich lebt, eine Zusage für eine Lehrstelle hat oder freiwilliger Feuerwehrmann wird, dann ist das begrüßenswert. Wenn man dann hört, dass manche dieser Menschen möglicherweise zurück in lebensgefährliche Gebiete gebracht werden, wird man nachdenklich. Schließlich flohen afghanische Asylwerber, um Bürgerkrieg und Terrororganisationen zu entkommen. Oftmals haben sie Familienmitglieder in ihrer Heimat oder auf der Flucht für immer verloren. Wir alle können und sollten uns dafür entscheiden, eine Ordnung herzustellen, in der durch das richtige Maß niemand überfordert wird und gleichzeitig den verfolgten Menschen geholfen werden kann.“



Jakob Ernst und Uschi Spitzbart erläutern stellvertretend für den Verein „Klosterneuburg hilft“: „Wenn man diese Menschen einmal persönlich kennen gelernt hat, erfährt man, welche unfassbaren Schicksalsschläge sie durchgemacht haben. Doch wenn Du als Afghane in Österreich weiter Unglück hast, zählen in Deinem Verfahren weder Deine Fluchtgründe noch Deine gute Integration. Wir fänden es wünschenswert, wenn die Anerkennung von beidem lückenlos sichergestellt würde. Vor allem jedoch sollte die gefährliche, furchtbare Situation in Afghanistan es selbstverständlich machen, dass unser Land keine Abschiebungen dorthin umsetzt.“

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