08.10.2014, 00:00 Uhr

1914: Der Kaiser ruft!

Chronist Karl Fahringer hat 15 Hefte zu verschiedenen Themen herausgegeben.

Chronist Karl Fahringer, berichtet im Interview über die Lebensumstände bei Kriegsausbruch.

Herr Fahringer Sie waren Mittelschulprofessor für Latein und Deutsch, engagieren sich im Mauerbacher Heimatmuseum und sind nun Ortschronist. Wie kam es dazu?
Karl Fahringer: "Geschichte hat mich immer interessiert. Mauerbachs langjähriger Pfarrer Johannes Georg Oppolzer hatte viel geforscht und damit wurde mein Interesse verstärkt."

Wie ging es dann weiter?
"Ich wollte zuerst nur Vorhandenes aus der Pfarr- und Gemeindechronik und was mündlich überliefert wurde, zusammenstellen. Doch in den vergangenen 25 Jahren bin ich immer tiefer in die Quellenforschung und Archivarbeit hineingeraten."

Was geschieht mit den umfangreichen Ergebnissen und Aufzeichnungen?
"Zu verschiedenen Themen habe ich 15 Hefte herausgegeben. Die letzten Hefte habe ich gemeinsam mit Frau Dr. Elisabeth Knapp gemacht. Dieses Jahr war aus gegebenem Anlass 700 Jahre Kartause Mauerbach das Thema."

Doch heuer gedenken wir auch des Kriegsbeginns.
"Unter dem Titel ´Der Kaiser ruft!´ kam schon 1998 ein Heft zum Thema Erster Weltkrieg heraus."

Wie war die Lebensqualität vor 100 Jahren?
"In den Dörfern lebten zu dieser Zeit im Schnitt 15 Personen in einem Haus. Der größte Arbeitgeber in Mauerbach war die Gutsherrschaft Oettingen-Wallerstein. Daneben gab es noch die Kleingewerbetreibenden. Viele Haushalte hielten Schafe, Hasen und Federvieh."

Wie stand es mit der Kaisertreue zu Kriegsausbruch?
"Daran war nicht zu zweifeln. In der Pfarrchronik steht, dass der Abmarsch der ersten Eingezogenen noch ´patriotische Lieder singend und jubelnd für die Befreiung Österreichs´ erfolgte."

Kein Abschiedsschmerz?
"Doch. In einem Familienbuch liest man von ´schwerer Wehmut und unerträglichen Schmerzen´ beim Abschied. 4 Monate später war der Mann tot."

Rückten auch Frauen und Jugendliche ein?
"Frauen meldeten sich als Krankenpflegerinnen. 14 jährige Burschen hatten sich selbst zum Militär gemeldet. Sie wurden vor allem als Botengänger an der Front eingesetzt."

Wie erging es den Daheimgebliebenen?
"Die allgemeine Not, der Hunger wurde immer größer. Es ging den Menschen gesundheitlich immer schlechter. Hunger und Kälte setzten ihnen zu. Die Lebensmittelkarten nützten nichts mehr, weil es nichts zu verteilen gab."

Und den Kindern?
"Für die Soldaten mussten sie Kräuter für Tee sammeln. Die Männer fehlten, also mussten die Kinder daheim mitarbeiten. Oft klagte der Schulleiter, dass von den 50 Schulkindern nur 7 zum Unterricht erschienen sind."

Herr Fahringer Ihre Erzählungen wirken lebendig, man spürt Ihre Begeisterung.
"Das Aufspüren, die Bergung und Sichtung des brauchbaren Materials ist eine zeitraubende Arbeit. Aber solange es mir Spaß macht, versuche ich diese Sache neben dem Zusammenstellen des jährlichen Kalenders mit alten Mauerbacher Ansichten und der Arbeit im Heimatmuseum weiterzumachen."
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