05.04.2017, 08:30 Uhr

Kampf um "Schutz der Schutzzonen"

Das Grün hinter Elisabeth Spitz soll für Wohnbau weichen, sie kämpft. (Foto: Talkner)

Debatte um Wohnbau in Skallgasse kommt nicht zur Ruhe: Betroffene will nun alle ‚Schutzzonen schützen‘.

KLOSTERNEUBURG (bt). "Ich nehme an, das dieses Bauvorhaben bis vor das oberste Gericht bekämpft wird", meint Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager, über das geplante Wohnbauprojekt in der Skallgasse 9 bis 15. Die hartnäckigste Gegnerin ist Elisabeth Spitz. Seit August 2016 wehrt sie sich zusammen mit anderen Nachbarn. Mit der Initiative "Schutz der Schutzzone in Klosterneuburg" nun in ausgeweiteter Form.

"Betrug an der Gesellschaft"

"Das Stadtbild ist Allgemeingut. Wer sich daran bereichert, bereichert sich auf Kosten der Allgemeinheit. Das ist Betrug an der Gesellschaft", zitiert Elisabeth Spitz den Denkmalschützer Friedmund Hueber. Fast alle Gebäude der Skallgasse wurden um die Jahrhundertwende gebaut. Zusätzlich handelt es sich um eine Gartensiedlung von Carl Witzmann. Spitz will das Ortsbild der Villengegend wahren. Zwei Häuser mit 20 Wohneinheiten samt Tiefgarage, wie geplant, betrachtet sie in diesem Idyll als Fehl am Platz.

"Bürger müssen Baubehörde überprüfen"

Nun kreidet Spitz an: "Wie kann es sein, dass wir Bürger die Baubehörde überprüfen müssen?" Diese sei ihrer Pflicht, vor der Bauverhandlung eine Vorprüfung der Einreichung durchzuführen, nicht nachgekommen. "Dadurch konnten wir unsere Nachbarrechte nicht feststellen." Müsste also eine erneute Bauverhandlung stattfinden? "Das kann ich nicht bestätigen, das wurde uns von befugter Stelle so noch nicht mitgeteilt", entgegnet Bürgermeister Schmuckenschlager auf Anfrage der Bezirksblätter. Erste Instanz sei die Rechtsabteilung der Stadtgemeinde, die zweite ein Berufungsverfahren beim Land Niederösterreich. "Aber es gibt ja noch keinen Bescheid."

Widersprüchliche Gutachten

Damit nicht genug, Elisabeth Spitz will weitere Rechtswidrigkeiten festgestellt haben. Anhand eines privaten Gutachtens. Denn jenes, dass die Stadt in Aufrag gegeben hat, beziehe sich weder auf die Orstbildgestaltung, noch auf die Bebauungsvorschriften in Schutzzonen. Auch die Nachbargebäude, an die gekuppelt gebaut werden soll, wurden nicht dokumentiert. Das Gegengutachten besgat, dass "in den Aspekten Dichte, Kubatur, Fassadengestaltung und -öffnungen sowie Dachform eine harmonische Einfügung in die charakteristische Struktur des Orstbildes beziehungsweise der Schutzzone nicht gegeben ist."
Außerdem hinterfragt Spitz: "Wie kann es sein, dass ein Mitglied des Stadtbildgremiums ein unabhängiges Gutachten schreiben kann?" Bürgermeister Schmuckenschlager: Architekt Karl Langer wäre nicht befangen, nur weil er im Stadtbildgremium sitzt. "Persönlich sage ich zu einem Gutachterstreit nichts, da habe ich nicht die fachliche Qualifikation dazu. Ich glaube aber nicht, wenn man einerseits unterstellt, dass ein Gutachter befangen wäre, dass derjenige mit Privatauftrag nicht befangen ist."

"Gegen jeden Gleichheitsgrundsatz"

"Wir fordern dazu Nachbarrechte. Wir, die in der Schutzzone lebenden Bürger, haben Auflagen bekommen, wie wir unsere privaten schützenswerten Häuser renovieren müssen, aber der Bauträger von nebenan, darf unser Umfeld zerstören. Das ist gegen jeden Gleichheitsgrundsatz", so Elisabeth Spitz.
"Das beantwortet sie selbst, Ihr Haus stammt von der Jahrhundertwende, das am noch unbebauten Grunstück nicht", kontert Schmuckenschlager.

"An eigene Nase fassen"

Wie es mit dem Bauvorhaben in der Skallgasse weitergeht, ist noch nicht absehbar. "Dank der Initative von Christoph Kaufmann können wir Wohneinheiten nun auch im Stadtzentrum beschränken", verbucht Schmuckenschlager als "ersten großen Erfolg." Die Bevölkerung bittet er, sich an die eigene Nase zu fassen: "Man kann schon immer die Gemeinde in die Pflicht nehmen, aber verhindern kann einen Bau nur der Grundeigentümer."

Zur Sache: Schutzzonen


Neu- und Zubauten von Gebäuden sind in Umfang und Baumassengestalung den prägenden Strukuren im Umgebungsbereich anzupassen. Anzupassen sind besonders die Proportionen der Baukörper, die Dimensionierung der Konstruktion, die Proportion und Unterteilung der Fassadenöffnungen, Form, Deckungsmaterial und Aufbauten von Dächern sowie die verwendeten sichtbaren Materialien.
Der Gemeinderat der Stadtgemeinde Klosterneuburgs hat in seiner Sitzung am 21.10.2016 eine Bausperre für alle Grundstücke, für die eine Schutzzone, ein erhaltenswürdiges Altortgebiet oder eine Ortsbildzone festgelegt ist, beschlossen. Bauverfahren, die im Zeitpunkt der Kundmachung der Bausperre bereits anhängig waren, werden dadurch allerdings nicht berührt.

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