17.11.2015, 00:00 Uhr

Volksmusik-Koryphäe Fuchs: "Es gibt keine schlechte Musik, nur schlecht gespielte Musik"

Franz Fuchs: "Ich könnte jetzt etwas spielen, wo alle sagen: 'Das ist Volksmusik!' Aber komponiert hat's Beethoven. Es gibt überall fließende Grenzen." (Foto: Cornelia Grobner)

Der Name Franz Fuchs ist in Klosterneuburg untrennbar mit Volksmusik und Volkstanz verbunden. Über volkstümliche Musik à la Andreas Gabalier will er nicht urteilen – solange es Menschen gibt, denen diese gefällt.

KLOSTERNEUBURG (Printausgabe, 18. November 2015). Wie sooft komponiert der Zufall die schönsten Melodien – so auch im Leben von Franz Fuchs. Der 76-Jährige ist längst eine Volksmusik-Institution in Klosterneuburg. Zur Musik und zum Tanz gebracht aber hat ihn das Beharren seines Vaters, der befand, der Sprössling habe eine schlechte Haltung und müsse zum Turnverein.

Vom Turner zum Tänzer

Dort wiederum wurde weniger den Leibesübungen gefrönt, sondern stattdessen eine Volkstanzgruppe gegründet. Aber aller Anfang ist schwer: Der Truppe fehlte zu Beginn noch eine musikalische Begleitung. Kurzerhand sattelte Franz Fuchs – er konnte schon Klavier spielen – um auf Akkordeon.
Der gebürtige Klosterneuburger und Senior-Baumeister lacht, wenn er sich an diese Zeit zurückerinnert. Anekdoten ziehen sich durch sein bewegtes Leben, in dem er schon Bernd Lötsch, dem ehemaligen Generaldirektor des Naturhistorischen Museums, in der Hadersfelder Volkstanzgruppe den Takt vorgab.

Archivar der Volksmusik

Als 1966 endlich auch in Klosterneuburg eine Volkstanzgruppe gegründet wurde, war Franz Fuchs selbstredend mit Feuer und Flamme dabei – wenn auch anfänglich etwas lädiert. Zum ersten Treffen erschien der leidenschaftliche Tänzer mit Krücken, ein zum Glück glimpflicher Arbeitsunfall. Sechs Jahre Volksliedwerk, ein lebendiger Volksmusikstammtisch, 48 Leopolditanzveranstaltungen, die zwei CDS "Unta an Huat" und "Aus'n Huat", vier Liederhefte mit Volksliedern größtenteils aus Klosterneuburg, eine Online-Volksmusikschule und eine beeindruckende Sammlung von Noten und Tanzbeschreibungen – Franz Fuchs' Leistungen um die Volksmusik sind beeindruckend.
Längst ist er mehr Musikant als Tänzer. "Ach", er lacht. "Mit dem Alter bin ich faul geworden. Oder sagen wir besser: bequem. Das Musizieren ist nicht so anstrengend." Über zwanzig MusikerInnen treffen sich regelmäßig bei den Klosterneuburger Volksmusik-Stammtischen. "Manchmal kann es sein, dass 15 Musikgruppen aufspielen wollen", ist Fuchs über den Erfolg des Stammtisches erfreut, der auch internationale Gäste wie zuletzt aus der Republik Moldau oder Oregon (USA) anlockt.

Volksmusik in Bewegung

Was für ihn das Besondere an Volksmusik sei, der doch immer ein bisschen der Nimbus des Verstaubten nachgesagt werde? Fuchs lehnt sich zurück und überlegt kurz: "Es gab eine Zeit, da galt nur das Überlieferte als das Echte, aber das sind wir nicht mehr. Das war Volksmusik wahrscheinlich nie. Volksmusik war immer in Bewegung", stellt er klar. "Für mich ist Volksmusik etwas, das man ändern und anpassen kann an das eigene Können, aber auch an das eigene Gefühl – vielleicht vergleichbar mit Jazz. Ich spiele nur, was mir gefällt und ich freue mich, wenn es anderen Menschen auch gefällt."
Über kitschige und volkstümliche Musik oder Gabalier und Konsorten will er nicht urteilen: "Wenn es Leute gibt, denen es gefällt, sage ich nichts dagegen. Jeder soll die Musik hören, die ihm gefällt. Nur so viel: Es ist nicht meine Musik. Es gibt keine schlechte Musik, nur schlecht gespielte Musik. Für mich gibt es keine echte oder unechte Musik. Vielleicht ist der Name 'Volksmusik' unecht, aber dann nur der Name, nicht die Musik dahinter."

FACTBOX
Die Volkstanzgruppe Klosterneuburg wurde im September 1966 gegründet. Sie betreibt nicht nur Volkstanz, sondern auch Kindertanz, Jugendtanz, Singen, Musizieren, Trachtennähen. Franz Fuchs ist seit Dezember 1977 Obmann des Vereines. Er war auch an der Gründung mehrerer Volkstanzgruppen beteiligt: u.a. MTV Klosterneuburg (1956), Hadersfeld (1964), VTG Klosterneuburg (1966), Totzenbach (1972), Hollabrunn (1978) und Pfarre Grinzing (2011).
Für seine „großen Verdienste um die Volkstumspflege“ bekam er am 12. November 1990 die „Ehrenplakette der Stadtgemeinde Klosterneuburg in Gold“. Die Niederösterreichische Landesregierung hat ihm in ihrer Sitzung vom 16. März 2004 „in Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um das Bundesland Niederösterreich“ das „Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich“ verliehen.

ZUM WEITERLESEN
Stammtischmusik: www.stammtischmusik.at
Volksmusik und Volkstanz im Alpenland: www.volksmusik.cc
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