12.10.2016, 00:00 Uhr

Wenn das Reh vor das Auto springt

Jäger Johann Matzinger: "Ich würde mir mehr Wildwechsel-Warnschilder wünschen."

Was kann man tun, um Wildunfälle zu vermeiden und was ist zu tun, wenns trotzdem passiert?

KLOSTERNEUBURG. Schon bald wird es wieder früher finster und Bambi und Co. sind den Straßen sehr nahe. Die Bezirksblätter haben die Experten im Bezirk zu Verkehrsunfällen mit Wildtieren erforscht und befragt.

Hotspots in der Region
Die durch Wild hoch frequentierten Gebiete sind laut der Polizeiinspektion Klosterneuburg jene Strecken in der Region, welche durch Weidling und Scheiblingstein führen, aber auch auf der Straße zur Windischhütte ist ebenfalls Vorsicht geboten. Die Gründe dafür sind klar: Die Straßen führen ausschließlich durch den Wald – der Heimat der Wildtiere. So erklärt Polizeikommandant Georg Wallner: "Hier passieren zur Zeit des traditionell starken Wildwechsels leider immer wieder Unfälle mit dem Wild." Auch er möchte betonen, dass sich Autofahrer nach einem Wildunfall unbedingt bei der Polizei oder dem zuständigen Jäger – insofern er bekannt ist – melden soll.

Magelware: Warnschilder
Auch Jäger Johann Matzinger hat mit vielen Wildunfällen zu tun, aber er bemängelt: "Leider melden sich nach wie vor nur wenige Autofahrer, wenn sie einen Wild-Unfall hatten, dabei passiert ihnen ja gar nichts." Die meisten Unfall-Tiere seien der Dachs, der Fuchs und das Reh. Ebenfalls sieht der Jäger, welcher für das Gebiet Gugging, Klosterneuburg und Kierling zuständig ist, viel Verbesserungsbedarf in Sachen Warnschilder: "Es gibt zu wenige Wild-Warnschilder – gerade außerhalb der Stadt." Beispiele dafür wären die Straße zur Windischhütte und die Holzgasse in Richtung Weißer Hof, denn "da habe ich erst einen Dachs geholt."

Richtiges Verhalten
Doch wie verhält man sich als Autofahrer in der Dämmerung oder der Finsternis im Wald richtig? Ingrid Nemec von Leo's Fahrschule Klosterneuburg erklärt: "Wenn ein Wild auf der Straße steht, ist es wichtig abzublenden und vor allem die Geschwindigkeit zu verringern – gegebenenfalls auch stehen zu bleiben. Bewegt sich das Wild nicht, kann man kurz mal hupen, damit es erschrickt und wegläuft." Das Abblenden sei insofern wichtig, als dass das Wild nicht vom Fernlicht geblendet wird und auch sieht, wo es hinlaufe. "Bei einer Führerscheinprüfung könnte ein solcher Fehler als mittelschwer gewertet werden, aber es kommt immer auf das Gesamtbild an", so Nemec.

Zur Sache

Im Jahr 2015 wurden im Bezirk Wien-Umgebung 300 Feldhasen, 350 Rehe, 70 Fasane, 30 Füchse und 10 Wildschweine durch Unfälle mit Autos getötet. Insgesamt sind das 760 Wildtiere.
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