Autosonntag 2026
Zwischen Hybriden und Hüpfburgen
- Der Autosonntag bietet Händlern die seltene Gelegenheit, ihre Modellpalette in voller Breite zu zeigen und Hüpfburgen aufzustellen. Probesitzen für die Eltern, Probehüpfen für den Nachwuchs.
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Ein Sonntag im März: Jahr für Jahr wird Stockerau zur Bühne für neue Antriebe, neue Angebote – und für ein Publikum, das sehen will, was es morgen fahren könnte. Heuer zeigt sich vor allem eines: Die Branche steckt mitten im Übergang. Zwischen Elektroanspruch und Hybridrealität, zwischen Beratungsgespräch und Familienausflug. Ein Nachbericht.
STOCKERAU. „Es gibt die, die unbedingt elektrisch fahren wollen. Und es gibt die, die sagen: Ich kann nicht laden, also kommt das für mich nicht infrage“, beschreibt Karl Strauß vom Autohaus Strauß die aktuelle Stimmung unter den Kundinnen und Kunden. Dazwischen liege wenig.
Tatsächlich zieht sich dieses Bild wie ein roter Faden durch die Gespräche mit den Autohäusern. Elektrofahrzeuge prägen viele Neuheiten, doch Hybridmodelle bleiben für viele Käuferinnen und Käufer der praktikable Kompromiss. Strauß setzt dabei bewusst auf beide Welten: Neben neuen elektrifizierten Modellen werden auch leistungsstarke Hybridfahrzeuge mit rund 450 PS präsentiert.
Auch im Autohaus Spreng zeigt sich dieser Trend. „Viele fragen nach Elektro – gekauft wird am Ende oft Hybrid“, sind sich Geschäftsführer Alexander Artlieb und Vertriebsleiter Hannes Schrabauer einig. Entscheidungsfaktoren seien neben der Antriebstechnik vor allem Preis, Platzangebot und Fahrzeuggröße.
Große Auswahl als Besuchermagnet
Der Autosonntag gilt für Händler als seltene Gelegenheit, ihre Modellpalette in voller Breite zu zeigen. Spreng holt dafür sogar zusätzliche Fahrzeuge von befreundeten Betrieben nach Stockerau. „Es geht an diesem Tag nicht ums Verkaufen, sondern ums Gespräch“, betont Alexander Artlieb. Die Besucherzahlen bestätigen diese Strategie: Nur rund ein Drittel der Gäste seien Stammkundinnen und -kunden. Der Rest komme, um sich zu informieren – oft auch Kundschaft anderer Marken.
Beim Kia-Autohaus Schallgruber beobachtet man ähnliche Entwicklungen. „Viele kommen gezielt, um sich über Antriebsarten zu informieren“, so Maximilian Pieczara. Dank intensiver Werbung reiche das Einzugsgebiet inzwischen bis nach Wien. Der Autosonntag sei deshalb eine wichtige Institution für die ganze Region – auch, weil Familien den Termin bewusst als gemeinsamen Ausflug nutzen.
Jubiläen, Premieren und ungewöhnliche Konzepte
Für Herbert Knoth von der gleichnamigen Autobörse ist 2026 ein besonderes Jahr: Vor sechs Jahren wurde der Standort eröffnet, nur um am nächsten Tag wegen des Corona-Lockdowns wieder schließen zu müssen. Seither hat er ganze 858 Fahrzeuge ausgeliefert.
Ein Highlight für Besucher ist der Schauraum selbst: Er gleicht eher einem kleinen Museum. „Drinnen stehen eher die unverkäuflichen Liebhaber-Stücke, draußen die Verkaufsfahrzeuge“, erklärt Herbert Knoth. Interessierte kämen meist mit einem konkreten Bedarf zu ihm, etwa Eltern, die für ihre Führerscheinneulinge Autos kaufen wollen.
Im nahegelegenen Autohaus Knoth wiederum sorgt der neue Fiat 600, der den früheren 500X ablöst, für Interesse. „Unsere Kundschaft ist sehr bunt gemischt“, sagt Geschäftsführer Thomas Fallnbügl. Elektro werde entweder konsequent gewünscht oder strikt abgelehnt, Diesel hingegen spiele kaum noch eine Rolle. Ein Dauerbrenner sei auch der Mitsubishi Colt, der mit seinem neuen dynamischen Design jüngere Zielgruppen ansprechen soll.
Mobilität für alle: vom SUV bis zum Spezialfahrzeug
Innovative Lösungen zeigt Schallgruber mit dem vollelektrischen Kia PV5. Das Fahrzeug kann als Personen- oder Lieferwagen eingesetzt werden und ist auch für mobilitätseingeschränkte Menschen geeignet, etwa mit seitlicher Rampe.
Eleganz ist das erklärte Markenzeichen des Autohauses Standard. An seinem neuen Standort präsentiert sich das Autohaus in einem modernen Neubau mit verglaster Front. Mit rund 10.000 Quadratmetern zählt der Betrieb zu den größten in Niederösterreich, von Sportwagen bis zu Kleintransportern reicht das Angebot. Geschäftsführer Ronald Kokollari setzt dabei bewusst auf Inszenierung: „Menschen kaufen nicht nur Autos, sondern auch Leidenschaft und Lebensgefühl.“ Künftige Kundinnen und Kunden werden sich freuen: Neuwagen sollen bei der Übergabe an die neuen Besitzerinnen und Besitzer in einem eigenen Showroom feierlich präsentiert werden.
Autosonntag als Schaufenster der Branche
Warum sich der Aufwand lohnt, darüber sind sich die Händler einig. „Es bringt alle zusammen – Interessenten, Kundinnen und Kunden sowie ganze Familien“, heißt es etwa im Autohaus Strauß. Gerade viele Menschen, die noch nie Kontakt zum Betrieb hatten, kämen an diesem Tag erstmals vorbei.
So wird der Autosonntag Jahr für Jahr zum Spiegelbild der Branche: neue Technologien, veränderte Kundenwünsche und ein Markt im Wandel. Und für die Region bleibt er ein Fixpunkt, ein Tag, an dem man sehen kann, wie Mobilität morgen aussehen könnte.
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