35-Stunden Arbeitswoche
Sozialwirtschaft ist NICHT NUR Pflege, aber auch!

Caritas-KV 2020 - Demonstration vor der Zentrale der Caritas Wien
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Eva Scherz ist Chefverhandlerin auf Seiten der gpa-djp bei den festgefahrenen Kollektivvertragsverhandlungen für den Bereich der "Sozialwirtschaft in Österreich". Bei "meinbezirk.at" stellt Eva Scherz in einem Interview fest, dass die 35-Stundenwoche auch und sogar im Pflegebereich sehr wohl finanzierbar ist. Dieses Interview kann nachgelesen werden unter: https://www.meinbezirk.at/wieden/c-politik/die-35-stunden-woche-in-der-pflege-ist-finanzierbar_a3925683
MitarbeiterInnen in der "Sozialwirtschaft Österreich" - kurz SWÖ - arbeiten allerdings nicht ausschließlich in der Pflege! Sowohl die Demonstration in St. Pölten, als auch vor dem Sozialministerium in Wien zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig die Aufgaben im Rahmen der SWÖ sind! Die DienstgeberInnen im privaten Sozialbereich haben sich verändert. War die überwiegende Rechtsform der ArbeitgeberInnen noch vor wenigen Jahren in vielen Fällen ein Verein, so sind es nun GmbHs um finanzielle Risiken besser kontrollierbar zu machen, aber durchaus auch um gewinnorientiert arbeiten zu können; denn nicht jede GmbH ist auch ein "non-profit-Unternehmen" - also eine "gemeinnützige GmbH"! Spricht also der Vertreter von "Senecura" von Unfinanzierbarkeit, tut er dies nicht nur im Namen der "Senecura Pflegeheime"; "Senecura" wurde verkauft und ist Teil der Orpea-Gruppe mit Sitz in Paris. Orpea und damit auch Senecura ist ein gewinnorientiertes Unternehmen. Senecura will nun junge Pflegekräfte aus Marokko nach Niederösterreich holen, eine eigenes Schulungszentrum soll gebaut werden mit StudentInnenwohnheim, Lehranstalt, etc. Das Ziel ist die Anerkennung der Ausbildung in Marokko und das Erreichen der österreichischen Standards in fachlicher, wie auch in sprachlicher Hinsicht. Eine noble Absicht scheint dahinterzu stecken: Eine Zukunft für junge Menschen aus Marokko. Wir schließen hier die Lücke in der Pflege - bleibt sie aber dann auch geschlossen in Marokko für pflegebedürftige Menschen vor Ort?
Zurück zur Aussage, dass "Arbeit in der Sozialwirtschaft nicht nur Pflege ist": BegleitlehrerInnen, KollegInnen in der Jugendarbeit, Weiterbildung und Umschulung, Arbeit mit Menschen mit Behinderung, nahezu der gesamte Bereich der Suchtprävention und -therapie (und damit ist nicht nur Drogensucht gemeint, sondern ebenso Alkohol und Anderes mit Suchtpotential) und viele Angebote mehr.
In vielen Bereichen liegen die Arbeitszeiten, wie für die meisten arbeitenden Menschen zwischen Montag und Freitag, für sehr Viele aber bedeutet "arbeiten" bereit zu sein 7 Tage in der Woche, 24 Stunden am Tag! Ein Krankenstand von wenigen Tagen hat unmittelbar und SOFORT Einfluss auf die Dienstpläne eines gesamten Teams und damit auch auf deren Planung von Familie, Freizeit und Erholung!
Die MitarbeiterInnen in der Sozialwirtschaft sind die Garanten von sozialem Ausgleich und Frieden in Österreich - jeden Tag und rund um die Uhr! Sie brauchen ausreichend Zeit um selbst gesund und fit zu bleiben - die steigende Zahl an (Langzeit)erkrankungen im Sozialbereich muss gestoppt werden: Jetzt und sofort! Beginnen wir mit einer Reduktion der Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche! Leisten wir uns gesunde MitarbeiterInnen für unsere Angehörigen, die Hilfe brauchen. Sie haben es sich verdient: Die Menschen, die Begleitung brauchen UND die Menschen, die diese Begleitung, Betreuung, Unterstützung und Pflege geben!

Walter Waiss
- begleitet, unterstützt, betreut und pflegt Menschen mit Behinderung
- ist Betriebsratsvorsitzender
- ist Arbeiterkammerrat in Niederösterreich

Autor:

Walter Waiss aus Korneuburg

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