Polit-Streit in Korneuburg
Stadtsaal-Verkauf erhitzt die politischen Gemüter

Die SPÖ Korneuburg will den Stadtsaal "retten": Fraktionsobmann Robert Manhart, Vizebürgermeisterin Gabriele Fürhauser und Stadtrat Martin Peterl.
  • Die SPÖ Korneuburg will den Stadtsaal "retten": Fraktionsobmann Robert Manhart, Vizebürgermeisterin Gabriele Fürhauser und Stadtrat Martin Peterl.
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Der geplante Verkauf des Korneuburger Stadtsaales an die Familie Minnich lässt in der Bezirkshauptstadt Korneuburg die politischen Wogen hoch gehen.

BEZIRK | STADT KORNEUBURG. Wobei, Stadtsaal-Verkauf ist eigentlich nicht ganz richtig. Vielmehr will die Stadtgemeinde Korneuburg ihren Anteil am Gebäude Hauptplatz 31-32 veräußern, in dem sich auch der Stadtsaal befindet und das man gemeinsam mit der Familie Minnich besitzt. Was für die SPÖ mit Fraktionsobmann Robert Manhart und Vizebürgermeisterin Gabriele Fürhauser ein "Verscherbeln von Familiensilber" mit "schiefer Optik" ist, ist für Bürgermeister Christian Gepp und Stadtrat Andreas Minnich das geglückte Ende eineinhalbjähriger Verhandlungen. Denn seit zwei Jahren seien umfangreiche Investitionen in den Stadtsaal überfällig, die sich auf bis zu 500.000 Euro belaufen sollen. Und weil Einnahmen und Ausgaben für die Stadtgemeinde laut Gepp "nicht mehr wirtschaftlich" seien, habe man sich zu diesem Schritt des Verkaufs entschlossen.

Die Vorgeschichte

Doch wie kam es eigentlich zu den gemeinsamen Besitzverhältnissen an dem 120 Jahre alten Haus am Korneuburger Hauptplatz? In aller Kürze erklärt: Das Haus hat einst den Familien Kronberger und Minnich gehört. Als die Familie Kronberger ihren Anteil verkaufen wollte, bot sie diesen der Familie Minnich an, die jedoch ablehnen musste. "Damals haben wir gerade die Herrenabteilung aufgebaut, da konnten wir uns das nicht leisten. Glück im Unglück, denn unmittelbar danach hat es bei uns gebrannt und da war sowieso alles anders", erzählt Andreas Minnich. Und so kam die Stadtgemeinde ins Spiel, die damals die Anteile der Familie Kronberger aufkaufte.

Eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Bis jetzt hat die Stadtgemeinde Korneuburg einen Nutzungsvertrag für den Stadtsaal, laut dem sie für die Instandhaltung zuständig ist. Dazu komme eine fixe, monatliche Miete von rund 2.000 Euro sowie jährliche Investitionen von bis zu 70.000 Euro. Dem gegenüber sollen aber nur jährliche Stadtsaal-Einnahmen von rund 10.000 Euro stehen. Und weil das alte Gemäuer viel Pflege braucht, muss mittlerweile umfangreich saniert werden: Feuchtigkeit macht Probleme, die Decke sowie die Statik und auch der Brandschutz ist nicht mehr auf dem aktuellsten Stand. Im Rathaus spricht man von rund 500.000 Euro Sanierungskosten, die jetzt notwendig seien. Teuer werde eine Sanierung auch, weil das Gebäude unter Denkmalschutz stehe.
In den letzten vier Jahren hätte die Stadtgemeinde um die 260.000 Euro in die Instandhaltung des Hauptplatz-Hauses gesteckt (Leitungen, Heizung, Licht, neue Steigleitungen) – den Aufzug, der seit geraumer Zeit den Stadtsaal barrierefreier Zugänglich macht, nicht mitgerechnet.

Der "Deal"

Eineinhalb Jahre wurde nun verhandelt – Stadtentwicklungsfonds (SEFKO) mit dem damaligen Vorsitzenden Thomas Pfaffl (SPÖ) und Familie Minnich saßen dabei fast 14-tägig an einem Tisch. "50 Prozent des Gebäudes gehören derzeit meinem Vater, nun wollen wir als Familie auch den Rest davon kaufen. Wir sind ja selbst dort mit der Herrenabteilung eingemietet, außerdem ist es uns ein Herzensanliegen, den Stadtsaal für die Stadt weiter zu entwickeln", sagt Andreas Minnich und fügt hinzu: "Thomas Pfaffl hat für die Stadt sehr gut verhandelt und viel herausgeholt."
So habe man vereinbart, die Mietsätze der Stadt für den Stadtsaal 20 Jahre lang unverändert zu lassen, mit der Option, diese Vereinbarung auch darüber hinaus zu verlängern. Der Stadt stehen 25 Veranstaltungen zu, bisher sei man jährlich auf etwa 20 gekommen. Zudem erhält die Stadt ein Vor- und Rückkaufsrecht und muss keine fixen Monatsmieten mehr bezahlen. Eine Win-Win-Situation, wie es Andreas Minnich sieht – zumal auch der Kaufpreis höher sei, als der von einem unabhängigen Gutachter geschätzte Wert der Immobilie.

"Verscherbeln von Familiensilber"

Dass der Stadtsaal-Verkauf so garnicht im Sinne der Stadt ist und hier vielmehr wertvolles "Familiensilber verscherbelt" wird, davon ist die SPÖ Korneuburg überzeugt. "Die Garage im alten Gericht hat uns 1,2 Millionen Euro gekostet, Hunderttausende will man auch für den Kauf eines mit Öl kontaminierten Grundstückes in der Hovengasse sowie für einen Mobilitätsspielplatz ausgeben und dann haben wir nicht einmal 500.000 Euro für die Sanierung des Stadtsaales", prangert Robert Manhart an. Von "schiefer Optik" spricht gar Stadtrat Martin Peterl, sieht den Deal zwischen VP Landtagsabgeordneten Gepp und VP Nationalrat Minnich als "Freunderlwirtschaft". Dass man nicht schon vor eineinhalb Jahren, als die Verhandlungen zwischen SEFKO (Stadtgemeinde) und Familie Minnich begonnen hatten, aufgeschrien hat, sei ein großer Fehler gewesen. Einverstanden sei man schon damals nicht damit gewesen.

Eine Frage des Geldes

Die SPÖ schlägt nun vor, die Sanierung des Stadtsaales, an der sich ja auch die Familie Minnich zur Hälfte als Miteigentümer beteiligen müsste, mit den Mieteinnahmen zu finanzieren. So haben in dem Gebäude neben dem Modehaus Minnich auch eine Anwaltskanzlei sowie das Cafe Grünzweig ihr Zuhause. Da sich die Mieteinnahmen jedoch jährlich "nur" auf rund 50.000 Euro belaufen, die zudem auch noch zwischen den beiden Eigentümern aufgeteilt werden, dürfte eine derartige Rechnung nicht so einfach aufgehen, wie Andreas Minnich erklärt.
Kritisiert wird von der SPÖ ebenso, dass es für die nun anstehenden Sanierungen keine entsprechende Auflistung gäbe, die genannten Investitionskosten von 500.000 Euro also lediglich Schätzungen seien, deren Wahrheitsgehalt man nicht überprüfen könne.

Am Dienstag wird abgestimmt

Morgen, Dienstag, findet nun die Gemeinderatssitzung statt, in deren Rahmen über den Verkauf des Hauptplatz-Hauses abgestimmt werden soll – allerdings im nicht öffentlichen Teil, was der SPÖ ebenso sauer aufstößt. "Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, davon zu erfahren, ebenso, um welchen Preis unser Familiensilber verscherbelt wird", sagt Stadtrat Peterl.
Die Bezirksblätter bleiben auf jeden Fall dran!

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