17.09.2014, 08:58 Uhr

Angst vor Projekt im Gericht

Isabella Wolf, Robert Enderle, Friedrich Ritschl, Thomas Kuntschik und Isabella Kremnitzer wehren sich gegen Hypo-Bau.

Erneut wehren sich Korneuburger gegen Baupläne – diesmal beim Gericht. Stadt und Bauherr entwarnen.

Dass sich Bürger in Korneuburg zu Initiativen zusammenschließen und gegen geplante Bauvorhaben demonstrieren, ist in der Bezirks-hauptstadt mittlerweile zum Alltäglichen geworden. Vor allem jetzt, da in den nächsten Jahren gleich drei große Bauvorhaben – Altes Gericht, Jahnkaserne und alte Feuerwehr – verwirklicht werden.

Altstadtviertel verliert Gesicht


Auf www.rettetdenstadtkern.at haben sich nun Anrainerinnen und Anrainer des alten Korneuburger Gerichtes zusammengeschlossen. Sie befürchten durch die dort entstehenden Neubauten eine massive Verschlechterung ihrer Wohn- und Lebensqualität sowie eine Entwertung ihrer Eigentumswohnungen. "Wir haben durch Zufall Pläne auf ,Willhaben' entdeckt, wo die Hypo bereits die Wohnungen beworben hat. So sind wir draufgekommen, dass dort, mitten im historischen Altstadtkern von Korneuburg, rund 23 Meter hohe Komplexe geplant sind", erzählt Robert Enderle.
Verwundert und besorgt sind die Anrainer deswegen, weil jenes Gebiet derzeit der Bauklasse BB2 (Bauhöhe bis 11 Meter) entspricht. Die Hypo benötigt, um das Projekt umzusetzen, jedoch Bauklasse BB7 (über 20 Meter).
"Wir wollen jetzt etwas unternehmen, bevor es zu spät ist. Wenn die Stadtregierung erst einmal die notwendigen Voraussetzungen geschaffen hat, haben wir keine Chance mehr, etwas zu verhindert", ist Thomas Kremnitzer überzeugt.

Das befürchten die Anrainer

- Massive Verschlechterung der Lebensqualität durch Lärmbelästigung, eingeschränkte Lichtdurchflutung sowie unzumutbare Nähe und Verdichtung
- Klimaverschlechterung durch Wegfall der Grünflächen, Bäume und drastische Erhöhung der Betonflächen
- Abgasbelastung durch die Garagen
- Wegfall des "dörflichen" Charakters
- Bau, der nicht in das Stadtbild passt
- massiver, nicht mäßiger Zuzug von "Jungfamilien" – eben für diese bietet das Projekt keinen Platz für zumindest einen kleinen Kinderspielplatz oder eine Begegnungszone der Nachbarn
- Aufhebung der Rechtssicherheit durch investorbestimmte Anlassgesetzgebung und damit Verlust des Eigentumwertes

Noch nichts entschieden


"Das Projekt ist noch am Laufen, bisher wurden unterschiedliche Varianten besprochen. Jetzt ist die finale Version im Baustadtrat. Danach wird das Projekt auf jeden Fall noch den Bürgern vorgestellt. Wir werden hier sicher nichts übers Knie brechen", erklärt Bürgermeister Christian Gepp. Auch Baustadtrat Erik Mikura kann die Ängste der Anrainer verstehen: "Das Gesamtvolumen des künftigen Baues ist sicher größer, als früher jenes des alten Gerichtes. Höher als der erhaltene Komplex des Gerichtes wird es aber auf keinen Fall."
Dies bestätigt auch Markus Nepf von der Hypo, der ebenfalls schon von den Anrainerbedenken gehört hat. "Auch für uns ist es nicht einfach, allen Anforderungen gerecht zu werden." Genaue Details zum Bauprojekt kann er nicht bekannt geben. Diese sollen am kommenden Freitag, im Rahmen einer Pressekonferenz, erklärt werden.
Ab spätestens 22. September liegt das Projekt "Altes Gericht" zur Einsichtnahme auf. Sechs Wochen haben dann die Bürger Zeit, ihre Bedenken kund zu tun. Erst danach soll, so Gepp und Mikura, im Gemeinderat drüber entschieden werden.

Der bisherige Plan

Laut den Anrainer ist auf den Liegenschaften des alten Gerichts sowie der Wiener Straße 7 folgendes Projekt durch die Hypo NÖ geplant:
Zwei Wohnblöcke bis zu einer Höhe von 21 Metern, davon drei Stöcke Garagen, ein Stockwerk unterirdisch, zwei überirdisch.

Die Forderungen der Anrainer

- Zuzug von Jungfamilien darf nicht zu Lasten der "Alt-Korneuburger"/Anrainer gehen
- Wachstum muss dem Charakter der Stadt entsprechen
- Lebensqualität, Sicherheit und Gesundheit der Korneuburger Bevölkerung muss gewährleistet sein. Stichworte: Mikroklima, Grünzone, Garagenabgase
- Rechtssicherheit für Korneuburger Bürger muss garantiert sein
- Der Charakter des Korneuburger Stadtbildes muss erhalten bleiben, Korneuburg muss lebenswert bleiben
- Ansässige Korneuburger dürfen nicht aus ihren Häusern, Wohnungen vertrieben werden – sie sind es, die jahrzehntelang das Vereins- und Sozialleben der Stadt geprägt haben
- Lernen aus den jahrzehntelangen Fehlern – gesundheitliche und soziale Konsequenzen – anderer Städte
- Konsequente Einhaltung des eigenen Leitbildes und Rücksichtnahme auf die Umfrageergebnisse in Korneuburg – Konzept der Stadterneuerung
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