29.10.2017, 15:48 Uhr

Herzliche Grüße aus der Steinzeit an Großrußbach und Hipples

Keramikschale, Feuersteinklingen die als Messer verwendet wurden und Fragmente von Reibplatten, mit denen Mehl gerieben wurde. (Foto: ARDIG)

Steinzeitmenschen im Weinviertel haben viele Spuren hinterlassen, bei Bauarbeiten treten diese häufig zu Tage.

Im Gebiet zwischen Kreuzstetten, Großrußbach und Ladendorf erweitert die Windkraft Simonsfeld nächstes Jahr ihren Windark um sieben neue Windräder. Seit einigen Wochen wird an Wegen und Fundamenten gearbeitet. Winfried Dimmel von der Windkraft Simonsfeld: "Bei den Aushubarbeiten stieß man auf archäologische Funde aus der Steinzeit. Ein Archäologenteam der Firma ARDIG (Archäologischer Dienst aus St. Pölten) wurde beigezogen, um die Arbeiten auf der Baustelle archäologisch professionell zu begleiten."

Knapp unter der Oberfläche

Die Bodenverfärbungen und kleinen Relikte aus der Steinzeit lagen nur wenig unter dem Oberboden, der für die Errichtung der zukünftigen Windräder abgetragen wurde. Der für die Errichtung der Standplätze benötigte Abtrag des Humus und Oberbodens mittels maschineller Hilfe von Baggern lässt in den meisten Fällen einen Einblick in den geologisch anstehenden Untergrund gewähren, in dem sich archäologische Befunde abzeichnen können.

Spuren für Fachleute gut erkennbar
Bei einem der zukünftigen Windrad-Standorte konnten im anstehenden, gelben Lössboden mehrere dunkelbraune, humose Verfärbungen festgestellt werden, die sich als archäologische Objekte herausstellten. Dabei handelte es sich um oval geformte, kreisrunde und linear geformte Verfärbungen, die in einem ersten Schritt manuell überputzt und in einem weiteren Schritt fotografisch und vermessungstechnisch dokumentiert worden sind. Die durch die Bautätigkeit sichergestellten, archäologischen Objekte wurden im nächsten Schritt manuell ausgegraben und die in der Verfüllung enthaltenen Fundstücke freigelegt, geborgen und gesichert.

Keramik, Klingen und Beile
Archäologin und Ausgrabungsleiterin Susanne Baumgart erklärt: "Bei den archäologischen Objekten handelt sich um Hinterlassenschaften einer 7000 Jahre alten Siedlung aus dem Mittelneolithikum mit Hausgrundrissen in Form von 21 m langen Fundamentgräbchen, mehreren Materialentnahmegruben und Vorratsgruben, die sekundär als Abfallgruben verwendet worden waren." In den manuell entfernten Verfüllungen fanden sich eine Vielzahl an Keramikfragmenten, Tierknochen und Lehmabdrücke von Flechtwerkwänden. Zu den besonderen Fundstücken zählen eine kleine Keramiktasse, Fragmente von steinernen Reibplatten für die Herstellung von Mehl, mehrere Feuersteinklingen, die als Messer eingesetzt wurden und zwei kleine Steinbeile.

Stromproduktion erweitert
Die Windpark Kreuzstetten IV GmbH errichtet im kommenden Jahr sieben neue Windenergieanlagen der Dreimegawattklasse zur Erweiterung ihres Windparks Kreuzstetten. Bis Herbst 2018 sollen die sieben neuen Maschinen in Betrieb sein. Ihre Jahresproduktion entspricht dem Jahresverbrauch von 10.500 österreichischen Durchschnittshaushalten.
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