19.01.2018, 17:58 Uhr

Langenzersdorfer fordern von der Gemeinde versprochene grüne Pufferzone ein

Geplantes Mega-Logistikzentrum im Betriebsgebiet Nord von Langenzersdorf

Nach dem wahrscheinlichen Aus für das Post-Verteilzentrum bei der Autobahnabfahrt Korneuburg, meldet sich nun der Pächterverein Langenzersdorf und erinnert den Bürgermeister an eine gegebene Zusage. Andreas Arbesser hatte versprochen, dass solange er Bürgermeister ist, weder der Nordrand noch der Südrand von Langenzersdorf in Bauland umgewidmet weerden.


Das geplante Mega-Logistikzentrum auf 40 Hektar im Betriebsgebiet Nord wäre ein massiver Verstoß gegen dieses Versprechen. Daran erinnert der Pächterverein Langenzersdorf in einem Schreiben vom 15. Jänner 2018 an den Langenzersdorfer Bürgermeister (Kopie siehe unten).

Der Pächterverein hat etwa 300 zahlende Mitglieder aus Langenzersdorf, Korneuburg, Klosterneuburg und Wien, die Pächter von Grundstücken sind, die dem Stift Klosterneuburg gehören. Seit Mitte der 90er Jahre befinden sich die Pächter im Clinch mit dem Stift um die Einhaltung von gegebenen Zusagen zu erreichen. Den Pächtern war die Möglichkeit zum Kauf zugesagt worden, was allerdings nach einem Wechsel in der Leitung des Stifts nicht mehr eingehalten wurde. Das hat eine massive Entwertung der Häuser zur Folge, die praktisch nicht mehr verkaufbar sind.

Die Rolle des Großgrundbesitzers Stift Klosterneuburg

Dem Stift Klosterneuburg gehören etwa 22 Hektar im Betriebsgebiet Nord, etwa 5,5 Hektar gehören dem Verbund, mit dem Post schon einen bedingten Kaufvertrag geschlossen hatte, der Rest ist im Streubesitz privater Eigentümer. Offenbar hatte die Post für die restlichen 4,5 Hektar bereits Kauf- oder Pachtverträge mit den privaten Eigentümern bzw dem Stift abgeschlossen.

Mit dem Stift haben allerdings nicht nur die privaten Pächter Ärger. Die Gemeinde Langenzersdorf hatte im Betriebsgebiet Süd die dem Stift gehörenden Grundstücke auf eigene Kosten aufgeschlossen um sie für Betriebsansiedlungen attraktiv zu machen. Die Liegenschaftsverwaltung des Stiftes stellte daraufhin im Jahr 2005 Werbematerial ins Internet. Allerdings machte von dem Angebot bisher kein Unternehmen Gebrauch, vermutlich wegen zu hoher Pacht oder zu ungünstigen Bedingungen. Darüber ist natürlich die Gemeinde Langenzersdorf nicht erbaut, da die eigenen Investitionen damit brach liegen.

Betriebsgebiet oder grüne Pufferzone

Der Pächertverein hat sich immer wieder an verschiedene Instanzen und natürlich auch Politiker um Hilfe gegen das Stift gewendet, darunter auch an Bürgermeister Arbesser. Dieser hat im Rahmen mehrerer Gespräche, besonders als die Obstplantage zur Diskussion stand, eben versichert, dass die Ortsteile im Betriebsgebiet Nord und Süd grüne Pufferzone bleiben sollten. Das offenbar auch vor dem Hintergrund der Fehlinvestition im Betriebsgebiet Süd. Dazu gibt es Protokolle über Gespräche im Laufe der Jahre nicht nur vom Pächterverein, sondern auch vom Kleingartenverein Seeschlacht.

Unklar ist inwieweit das Stift im Betriebsgebiet Nord bereit gewesen wäre, seine 22 Hektar zu einem marktkonformen Preis zu verkaufen oder zu verpachten. Der Plan für das Post-Verteilzentrum soll allerdings schon 2015 vom Postgeneral Georg Pölzl und dem früheren Landeshauptmann Erwin Pröll eingefädelt worden sein. Letzterem werden auch beste Kontakte zum Propst des Ordens nachgesagt. Das 40 Hektar große Mega-Logistikzentrum fand auch in gemeinsame Planungen der Fachgruppen Transport & Verkehr der Wirtschaftskammern Niederösterreich und Wien und des Landes NÖ Einzug. Auch Bürgermeister Arbesser steht in seinem Beruf als Rechtsanwalt mit dem -Stift in Kontakt. Er wurde vom Pächterverein mit Verhandlungen mit dem Stift beauftragt und im Jahr 2013 war er Vertragserrichter und Treuhänder bei einem Grundstücksverkauf vom Stift an Private.

Logistiknutzung abgesagt?

Das PVZ scheint nun allerdings Geschichte zu sein. Bekanntlich hatte die ÖVP am Tag ihres Wahlkampfauftaktes das beim Kraftwerk Korneuburg geplante Post-Verteilzentrum gekillt. Dazu schickte man den Spitzenkandidaten für den Wahlkreis Christian Gepp vor, der gleichzeitig Bürgermeister von Korneuburg ist und in dieser Funktion ein von der Post benötigtes Grundstück nun doch nicht verkaufen will. Daraufhin sagte die Post das Projekt ab.

Anschluss an die Grünraumspange Bisamberg

Was nun mit dem Areal passieren soll ist unklar. Seitens der Bürgerinitiative und nun auch seitens des Pächtervereins wird die Umwidmung in Grünland und Erholungsgebiet gewünscht. Eine weitere Möglichkeit wäre der Anschluss an die "Grünraumspange Bisamberg-Gerasdorf-Norbert Scheed-Wald", die nach der derzeitigen Planung östlich des Bisambergs enden würde. Das von der EU geförderte Projekt soll in Zusammenarbeit mit dem Land Niederösterreich einen Grüngürtel im Norden Wiens schaffen.
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