05.02.2018, 11:00 Uhr

"Wirtesterben" im Bezirk Korneuburg: Dorfhaus ersetzt Wirtshaus

Erika und Horst Bischof von der Dorfschenke in Oberzögersdorf wissen, wie es funktioniert.

Von 65 Gasthäusern sind im Bezirk Korneuburg nur 44 aktiv, der Rest "ruhend" beziehungsweise aus dem Ortsbild verschwunden.

BEZIRK KORNEUBURG. Das gute alte Dorfwirtshaus mit Stammtisch und fixer wöchentlicher Schnapserrunde stirbt aus. Seit dem Jahr 2010 hat in Niederösterreich mehr als jedes zehnte Gasthaus seine Pforten für immer geschlossen. Ein BEZIRKSBLÄTTER „Lokal-Augenschein“ im wahrsten Sinne des Wortes.

126 Gastronomiebetriebe

Zu den 44 aktiven "klassischen Gasthäusern" werben im Bezirk Restaurants, Kaffeehäuser, Kaffeekonditoreien, Heurigenlokale und diverse andere Gastrobetriebe um Gäste. Was aber immer schwieriger wird. Der klassische Stammgast ist inzwischen eine Ausnahmeerscheinung. Der vielzitierte "Stammtisch" geistert meist nur mehr in Erinnerungen durch die Gedanken.


Dorfhäuser und Vereine

Horst Bischof, erfolgreicher Gastwirt in Oberzögersdorf, sieht eines der Probleme für die Wirte in der architektonischen Entwicklung der Dörfer und Gemeinden. "Wirtshäuser waren über Jahrhunderte auch und zum Teil ganz besonders Kommunikationszentren. So gut wie alle Vereine hatten ihren Sitz in den örtlichen Lokalen, wo sie sich zum Vereinsabend trafen und Kontakte knüpften. Die Leute trafen sich nach der Arbeit oder am Sonntag zum Gedankenaustausch, zum Handeln, um Politik zu machen und konsumierten, wenn auch nicht viel, dafür aber regelmäßig." erklärt er. "Heute treffen sich die Leute, wenn überhaupt, im Dorfhaus, Vereine haben ihre eigenen Räumlichkeiten und der Wirt schaut durch die Finger."

Behördliche Widrigkeiten

Die meisten Lokalschließungen werden mit behördlichen Widrigkeiten und fehlenden Nachfolgern begründet. Doch nicht nur Behörden, auch nette Nachbarn können einen Wirt zum Aufgeben zwingen. So geschehen in Stockerau im Fall des TRAteliers. Eine unglaubliche Anzeigenflut eines einzigen Nachbarn wegen angeblicher Ruhestörung führte letztendlich zur Schließung des beliebten Lokales. Oder das drei Jahrzehnte lang von Franz „Schani“ und Brigitta Mitterhauser betriebene Knusperhäuschen. Die Einführung der Registrierkassa und die ausufernden behördlichen Auflagen haben zum vorzeitigen Pensionsantritt geführt.

Lage nicht entscheidend

Die Bischofs haben die Dorfschenke im Jahr 1999 übernommen und zu einem bis nach Wien bekannten und beliebten "Wirtshaus" gemacht. Was beweist, dass die Lage nicht entscheidend ist. Wer kennt schon Oberzögersdorf, außer durch die Dorfschenke.
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