„Die Lustige Witwe hat eine Aura wie kaum eine andere Operette“

Andreas Stoehr (l.) und Rudolf Frey im Gespräch mit den "Bezirksblättern".
  • Andreas Stoehr (l.) und Rudolf Frey im Gespräch mit den "Bezirksblättern".
  • hochgeladen von Manfred Kellner

LANGENLOIS (mk) Kurz vor der Premiere der „Lustigen Witwe“ bei den Schlossfestspielen in Langenlois am 20. Juli 2017 sprachen die „Bezirksblätter“ mit dem Intendanten der Festspiele Andreas Stoehr und dem Regisseur Rudolf Frey unter anderem über die neue Inszenierung, ihre Besonderheiten und ihre Aktualität.

Herr Stoehr, worum geht es in der Operette „Die lustige Witwe“?
Andreas Stoehr: Es geht um ein Paar – Hanna Glawari und Graf Danilo –, das aufgrund von gesellschaftlichen Konventionen nicht zueinander kommen konnte. Die beiden begegnen einander später wieder in einer verzwickten Situation, in der Danilo Hanna aus politisch-ökonomischen Gründen heiraten soll. Daraus entsteht eine stetige Aufeinander-zu- und Voneinander-weg-Bewegung. Dazu kommen viele andere Handlungsstränge, die miteinander verwoben sind und aufeinander stoßen. Oft erinnert das an einen Kampf, bei dem es darum geht, Punkte zu machen.

Frage an der Regisseur: Die „Lustige Witwe" ist eine vielgespielte, sehr bekannte Operette. Findet man da noch einen eigenen Ansatz für die Inszenierung?
Rudolf Frey: Natürlich: Je bekannter das Stück, desto mehr kämpft man gegen eigene Erwartungshaltungen und gegen Erwartungshaltungen der Zuschauer. Hier in Langenlois aber inszeniere ich ja nicht in einem Theater, sondern es gibt hier ganz andere Koordinaten: das Schloss etwa, die Open-Air-Situation und noch viele andere Unterschiede. Das erfordert ein ganz anderes Denken. Deshalb ist unser Ansatz auch kein großes Fest als Hintergrund, sondern eher ein festliches Souper: Ein reicher Fürst feiert in einem Schloss mit einer kleinen Gästeschar – der Staat ist zwar bankrott, aber der Champagner fließt in Strömen…

Das hört sich ja ganz aktuell an …
Andreas Stoehr: Ja, aber die Aktualität der „Lustigen Witwe“ ist heute weniger eine politische. Wir können nichts dafür, dass schon im originalen Textbuch von einem banktrotten Staat geredet wird in einer Region, in der es heute wieder schwierig. Das muss man nicht extra bedienen. Die Aktualität, die ich bei der „Witwe“ sehe, ist eher eine menschliche: Letztlich geht es darum, dass sich Menschen nach Nähe, nach Wärme sehnen. Nebenbei gesagt: Gute Operetten spielen immer mit dieser Sehnsucht – und die „Witwe“ macht das meiner Ansicht nach am besten. Die „Fledermaus“ sicher auch, aber die macht das nicht so elegant, so fein. Die „Lustige Witwe“ hat eine Aura wie kaum eine andere Operette.

Gibt es besondere Regieeinfälle?
Rudolf Frey: Der Schwerpunkt der Regie liegt bei den vielfältigen Paarkonstellationen – Ehepaare eigentlich, die aber durch Affären miteinander verknüpft sind. Damit entsteht so etwas wie ein doppelter Boden, so dass die Bandbreite etwa ein und derselben Frau von der vornehmen Dame bis zur nicht ganz ehrbaren Grisette reicht, die auf dem Tisch tanzt. Diesen Bogen, diese Transformation kann man bei jeder Figur des Stücks mitverfolgen. Dazu kommt als zentrales Element der runde Tisch, der die Bühne dominiert, der zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens wird, um den herum sich das Kaleidoskop der Geschichten und Beziehungen abspielt so wie ein fortwährender Tanz – oder, wie schon gesagt, sogar wie ein Kampf.

Hatte das Auswirkung auf die Besetzung?
Rudolf Frey: Sicher! Wir zeigen zum Beispiel den Baron Zeta nicht wie üblich als senilen Greis mit einer viel jüngeren Frau, sondern als Mann im besten Alter, so dass man während des Festes nicht weiß: Spielen die beiden miteinander? Wollen sie andere in dieses Spiel hineinziehen? Dann haben wir Hanna und Danilo, die Außenseiter in der Festgesellschaft sind, und so ganz anders, sehr mutig, höchst markant spielen müssen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Besetzung.

Wie hat das Publikum vor gut einem Jahrhundert die „Lustige Witwe“ aufgenommen?
Andreas Stoehr: Die „Lustige Witwe“ war ein riesiger Erfolg – trotz oder wegen der Passagen, die regelrecht parodistisch, manchmal auch provokativ waren. Skandalös war etwa die offene Darstellung der Untreue einer Frau. Natürlich geht alles gut aus, sonst wäre es ja keine Operette, aber ich kenne keine Operette, die mit einem so großen Fragezeichen am Schluss endet. Das hat etwas ganz Modernes, weil Lehár früh verstanden hat, sich an den Prinzipien der ernsten Musik zu orientieren, aber mit einer Musiksprache, die diese Leichtigkeit hat. Das Stück sehr schillernd.

Rudolf Frey: Mit unserer Inszenierung haben wir uns wieder dieser ursprünglichen Auffassung der Operette angenähert und versuchen, der eigentlichen Brisanz dieses Stücks gerecht zu werden. Natürlich war die „Witwe“ auch damals als Unterhaltung konzipiert, aber der doppelte Boden war immer da, der Einfluss von Sigmund Freud ist immer zu spüren, und die Shakespeare-Zitate rücken Danilo in die Nähe Hamlets. Da ist ein riesiges Potenzial enthalten.

Kurz zusammengefasst: Worauf kann sich das Publikum in Langenlois freuen?
Andreas Stoehr: Auf die Möglichkeit, die „Lustige Witwe“ auf verschiedenen Ebenen neu zu entdecken, auf eine Aufführung mit der nötigen Leichtigkeit, aber auch mit einer Tiefe, die man einer Operette eigentlich gar nicht zutraut. Wer die Operette liebt, kann sich mit Freude darauf einlassen!

Termine „Die Lustige Witwe“

Premiere:
Donnerstag, 20.07.2017, 20:30 Uhr

weitere Vorstellungen:
Freitag, 21.07.2017, 20:30 Uhr
Samstag, 22.07.2017, 20:30 Uhr
Samstag, 29.07.2017, 20:30 Uhr
Freitag, 04.08.2017, 20:30 Uhr
Samstag, 05.08.2017, 20:30 Uhr
Sonntag, 06.08.2017, 17:30 Uhr
Freitag, 11.08.2017, 20:30 Uhr
Samstag, 12.08.2017, 20:30 Uhr

Tickets und weitere Information über den Karten-Vorverkauf auf www.schlossfestspiele.at

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