‚Es ist ein grausliches Viertel‘

L-Straßenkehrerin

Das Winkelwerk im Umkreis des Hohen Marktes lädt Nachtschwärmer seit Jahren zum Feiern unter freiem Himmel ein. Was haben die Anrainer davon: Schmutz, Lärm und materielle Schäden. Die Polizei ist zwar im Dauereinsatz, doch für die Altstädter zu wenig präsent.
KREMS (sg). Verbrannte Tischtücher, Zigarettenstummeln, Erbrochenes, leere Dosen und Whiskeyflaschen - das alles findet Ulrike Amon-Jell beinahe jeden Sonntagmorgen in ihrem Gastgarten. „Es tut mir leid, dass ich mein altehrwürdiges Wirtshaus hier oben habe“, bedauert die Betreiberin des Gasthauses Jell, „es ist ein grausliches Viertel geworden.“ Für den optischen Zustand des Hohen Marktes samt Umfeld geniert sich Amon-Jell vor den Touristen. Unter der damit einhergehenden Lärmbelästigung zu nächtlichen Stunden leidet sie wie viele andere Anrainer: „Wir können nicht einschlafen. Gott sei Dank haben wir abseits der Innenstadt eine weitere Wohnmöglichkeit.“

Einzelne sind sehr betrunken
Auch der Obmann des Vereins „Freunde der Kremser Altstadt“, Josef Pachschwöll, bestätigt: „Es sind immer Einzelne, die besonders besoffen sind und Radau schlagen.“ Seit Jahren setzt sich der Verein für eine Sperrstunden- Vorverlegung der Altstadtlokale ein, schließlich würde man um vier Uhr morgens, wenn die Leute die Bars verließen, jede Menge Autotüren schlagen hören. Doch eigentlich sind die Lokale das geringere Problem, denn die meisten Nachtschwärmer an der neuralgischen Linie Herkulesbrunnen - Irish Pub sind ohnehin Selbstversorger, die den Alkohol im Rucksack mitbringen.

Anrainer spüren wenig Polizei
Auf die Frage, was sich seit dem Runden Tisch vor vier Jahren, als Anrainer, Stadtpolitiker, Polizei und Lokalbetreiber über eine Verbesserung der Situation diskutiert hatten, getan hätte, antworten Pachschwöll und Amon-Jell unisono: „An der Problematik hat sich nichts geändert, es wird nach wie vor zu wenig kontrolliert.“
„Wir sind sehr wohl tätig“, kontert Chefinspektor Otto Liebhart, „in letzter Zeit haben wir so viele Kontrollen durchgeführt, Anzeigen wegen Lärmbelästigung und auch gegen Lokalbesitzer wegen Nichteinhaltung gewerberechtlicher Auflagen, wie schon lange nicht.“

Vandalenakte geschehen schnell
Auch Magistratsdirektor Karl Hallbauer bestätigt, wie sehr die Polizeiinspektion bemüht sei, an der neuralgischen Linie ganz besonders präsent zu sein. „Vor ein paar Monaten bin ich mit einer Polizeistreife durch die Fußgängerzone gefahren. Als wir nach einer Viertelstunde das zweite Mal durchgefahren sind, waren die Blumentröge umgeworfen.“ Außerdem würden Beamte in Zivilfahrzeugen öfter am Hohen Markt verdeckt stehen. Die Ergebnisse sind nur all zu häufig Strafmandate wegen Verwaltungsübertretungen wie „An-die Mauer-Pinkeln“ oder für grundloses Losbrüllen.
„Die Öffentlichkeit tut das, was sie aufgrund des Gesetzes tun darf“, informiert Hallbauer. Der Personalmangel bei der Polizei macht es nicht einfacher, bei jedem Delikt sofort an Ort und Stelle zu sein.
„Oft rufen Leute um zwei Uhr morgens an und beschimpfen die Beamten auf´s Primitivste, weil sie wegen des Lärmes vor ihrer Türe ihren Frust ablassen wollen“, bedauert Liebhart. Auch an den Orten des Geschehens weht kein milderer Wind, wie Hallbauer aus Erfahrung weiß: „Die Polizisten müssen sich viel gefallen lassen. Trotzdem taktieren sie mit Fingerspitzengefühl und manchmal mit der nötigen Schärfe.“

Größtes Problem: Die Einstellung der Nachtschwärmer
Doch selbst, wenn den Forderungen nach mehr Polizeipräsenz oder früheren Sperrstunden nachgekommen würde - die Grundproblematik bliebe bestehen. Der Magistratsdirektor bringt sie auf den Punkt: „Es handelt sich um Jugendliche, die keine Werte in sich tragen. Warum sonst würde jemand auf einem ruhigen Platz nachts plötzlich grundlos zu schreien beginnen?“

Kontrolle für das Nachtleben

• Von Freitag auf Samstag gehen zwei Beamte auf Streife. Allerdings sind diese für das gesamte Stadtgebiet zuständig.

• Von Samstag auf Sonntag überwachen vier Beamte die Stadt, davon sind zwei uniformierte Beamte mit einem Zivilauto unterwegs.

• Quartalsweise begleitet Magistratsdirektor Karl Hallbauer (gegebenenfalls mit diversen Experten) die Streifen, um als Vertreter der Gewerbebehörde unangesagte Kontrollen bei den Lokalbetreibern durchzuführen.
Brandschutzmaßnahmen, Fluchtwegsituationen und vieles mehr nimmt man dabei unter die Lupe.

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