Landesgericht Krems
Kohlenmonoxid-Unfall mit einem Toten und sieben Verletzten:Rauchfangkehrer-Meister und Geselle wegen fahrlässiger Tötung zu bedingten Haftstrafen verurteilt

Hochspannung am Kremser Landesgericht.
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Der Einsatz der Rettungskräfte wegen Austritts von Kohlenmonoxid in einem Wohnhaus in der Nacht auf den 4. Jänner 2020 in Schweiggers, Bezirk Zwettl, mit einem Toten und sieben Verletzten hatte jetzt ein Nachspiel am Kremser Landesgericht.

Anklage

Ein 59-jähriger Rauchfangkehrermeister und sein 35-jähriger Geselle mussten sich wegen grob fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassung verantworten. Der 64-jährige Hausbesitzer starb bei dem Unfall, seine 59-jährige Frau, sein 35-jähriger Sohn, dessen Frau sowie drei Kinder im Alter drei bis sieben Jahren erlitten Rauchgasvergiftungen. Auch ein Ersthelfer landete im Spital.

Kamin verstopft

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Geselle über einen Zeitraum von fünf Jahren die Kehrtätigkeiten in dem Haus verrichtet. Allerdings sei er nie in den Heizraum gegangen, um die Rückstände in der Kaminsohle zu entfernen. Er hatte immer nur vom Dachgeschoss aus von oben gekehrt. Deshalb habe sich im Kamin von der Sohle ausgehend ein über zwei Meter hoher Rückstand von Ruß und Rückständen angesammelt. Schließlich sei der Abzug vollkommen verschlossen gewesen.

Kaum Kontrolle

Dem Meister wurde vorgeworfen, er habe es verabsäumt eine entsprechende Qualitätskontrolle in Bezug auf seine Kunden sowie seine Beschäftigten im Betrieb vorzunehmen. Es habe de facto keine Kontrollen der Arbeiten gegeben. So seien unter anderem keine der Norm entsprechenden Kehrbücher geführt worden. Hätte es diese gegeben, wäre der Unfall zu vermeiden gewesen.

Geständig

Der Geselle bekannte sich schuldig, allerdings erklärte sein Anwalt, dass es sich seiner Meinung nach nur um Fahrlässigkeit gehandelt habe. Dem schloss sich der Verteidiger des Rauchfangkehrermeisters an. Der Geselle sagte aus, der Verstorbene hätte ihm bei den Hauptkehrungen den Zugang zum Heizraum im Keller verwehrt und gesagt, dass er dort selbst reinigen werde. Dies hätte er laut Gesetz jedoch überprüfen müssen, was nicht geschah. Der Geselle rechtfertigte sich damit, „er hätte dem pensionierten Lehrer vertraut, dass er das mache, es aber nicht überprüft, wie vom Gesetz vorgeschrieben“.

Zuverlässig

Sein Chef verantwortete sich damit, „dass es sehr wohl Qualitätsmanagement gegeben habe, auch wenn dies mangelhaft gewesen sei“. Sein Mitarbeiter sei immer zuverlässig gewesen, er habe seiner Arbeit vertraut. Der Geselle hätte ihm berichten müssen, dass er nicht in den Heizraum gegangen sei beziehungsweise dass man überprüfen müsse, ob die Entleerung des Kamins vom Hausherrn durchgeführt worden sei.

Gutachten

Der Gutachter berichtete, dass bei den Heizanlagen einiges im Argen gewesen sei. So hätte man nach dem Unfall festgestellt, dass neben der Ölheizung eine zweite mit festen Brennstoffen nicht gemeldet gewesen sei. Außerdem seien die Kessel der beiden Heizungen nicht korrekt am Kamin montiert gewesen. Auch die Wartung der Anlagen sei mangelhaft gewesen. Dies alles sei jedoch nicht Auslöser für den Unfall gewesen. Der starke Kohlenmonoxidaustritt sei durch die Ölheizung und den Verschluss des Kamins entstanden. Der Sachverständige führte weiter aus, dass alle Experten überrascht gewesen seien, dass das Kohlenmonoxid durch die dicke Decke des Heizraumes in das obere Stockwerk habe diffundieren können. Man hätte den Heizraum für sicher gehalten. Hätte der Rauchfangkehrer nach Vorschrift gehandelt und den Heizraum zwecks Überprüfung betreten, hätte ihm auffallen müssen, dass es eine nicht genehmigte zweite Heizanlage gegeben habe und diese überdies falsch an den Abzug angeschlossen war.
Der Anwalt der Frau und des Sohnes forderte für beide je 1000 Euro Schmerzensgeld. Diese wurden von beiden Angeklagten noch im Gerichtssaal an die Angehörigen des Verstorbenen bezahlt.

Schuldspruch

Der Richter fällte einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Fünf Monate bedingt für den Gesellen, vier Monate bedingt für den Meister. Die Aberkennung der Gewerbeberechtigung für den Chef wurde bedingt nachgesehen. Die grobe Fahrlässigkeit sei nicht gegeben, dafür hätte man wissentlich den Unfall voraussehen und ihn in Kauf nehmen müssen. Das sei nicht gegeben gewesen. Für alle Sprüche gilt eine dreijährige Bewährungsfrist. Die Angeklagten nahmen das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Nicht rechtskräftig. -Kurt Berger

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