Gedanken zur Ökologie unserer Ernährung, oder: "Weil's halt so lecker ist..."

Wer diskussions- und streitfreudige Verwandte, oder Freunde hat, kennt das vielleicht: Bei Plauderrunden kommen gelegentlich die Gesprächsthemen "Umweltzerstörung" und "Klimaerwärmung" auf. Die Diskussionen verlaufen meist so: Die Industriekonzerne sind an der Misere schuld, weil sie durch ihre Produktion so viel Triebhausgase in die Atmosphäre pusten, ebenso wie die Menschen, die unnötig oft Gebrauch von ihrem Auto machen. Die Agrarkonzerne sind daran schuld, dass große Flächen von fruchtbarem Boden durch Monokultur unfruchtbar gemacht werden und der Einsatz von Chemikalien leistet dazu auch seinen Beitrag. Diese Gespräche transportieren die Botschaft: "Die anderen haben Schuld". Dabei ist der Mehrzahl der Leute gar nicht bewusst, dass sie einen der wichtigsten Gründe für vielseitige Umweltzerstörung direkt auf dem Teller vor sich liegen haben: Das leckere Schnitzel, den saftige Schweinebraten, die Rinds- oder Putenroulade, oder kurz: Fleisch!

Fleisch trägt mehr zum Klimawandel bei als alle Autos dieser Welt

Im Online-Standard vom 24.10.2012 war zu lesen, dass jeder Österreicher im Durchschnitt 70 kg Fleisch im Jahr vertilgt: Im Vergleich zu 1950 sei dies mehr als eine Verdopplung des Konsums. Im EU-Vergleich stellt Österreich somit eine "Fleischhochburg" dar. Auf Platz 1 stehen die USA mit jährlich rund 120 Kilo Fleisch pro Einwohner.

Das Problematische daran:
Die "Produktion" von Fleisch ist extrem ressourcenaufwendig, um nicht zu sagen: Totale Lebensmittelverschwendung. So werden laut Greenpeace für die Herstellung von 1 Kilogramm Rindfleisch rund 22 Kilogramm Getreide und 20000 Liter Wasser benötigt. Ein Skandal, wenn man Folgendes bedenkt: Futtermittel wird heute zum Großteil aus Soja und Mais hergestellt. Die gigantischen Anbauflächen befinden sich meist in Brasilien, dort, wo einst noch Regenwald war. Jährlich werden hunderttausende Quadratkilometer Regenwald abgebrannt und abgeholzt, so eine Studie der UNO, der Organisation der Vereinten Nationen. Da der schon benutzte Boden durch die Monokultur (also den einseitigen Anbau von Soja oder Mais) unfruchtbar wird, müssen stetig neue Anbauflächen gewonnen werden. Wie viel Fläche das ist, kann man so veranschaulichen: Würde man alles bebaubare Land auf der Erde auf alle Menschen aufteilen, so würden jedem von uns circa 2.700 Quadratkilometer zur Verfügung stehen, um darauf Nahrung anzubauen. Da Fleisch so extrem viele Ressourcen verschlingt, benötigt jeder durchschnittliche Fleischkonsument rund 13.000 Quadratkilometer, wie die FAO (Food and agricultural Organization) berichtet.

Außerdem stoßen die vielen Rinder, Schweine und Schafe Unmengen an Methan aus, das um ein Vielfaches klimaschädlicher ist als das viel beklagte CO2. Der Beitrag der Fleischindustrie zur Klimaerwärmung wird vom World Watch Institute auf bis zu 51% geschätzt. Das bedeutet nichts anderes, als dass das Weltklima an den Flatulenzen der Masttiere kaputt geht. Das klingt vielleicht lächerlich, ist aber Realität.

Doch der Fleischverzehr ist- in dem Ausmaß, in dem er heute geschieht- nicht nur eine ökologische Katastrophe: Das Getreide und Wasser, welches in den Tiermägen landet fehlt dort, wo Menschen täglich vor dem Hungertod stehen: In der sogenannten Dritten Welt. Laut FAO hungern derzeit weltweit rund 850 Millionen Menschen. Die meisten Hungernden und Verhungernden gibt es paradoxerweise in Ländern, die einen eindeutigen Nahrungsüberschuss aufweisen. Diese Nahrung landet aber in die reichen Industriestaaten und dort in den Masttiermägen. Dadurch, dass durch die Viehfütterung sehr viel Getreide nachgefragt wird, steigt der Preis für Getreide. Das trifft vor allem die Ärmsten dieser Welt, die ohnehin schon mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben (müssen?).

Als logische Konsequenz sollten wir - die „Reichen“, die es sich leisten können- unsere Ernährung grundsätzlich umstellen. Mit etwas Phantasie, dem richtigen Rezept und guten, frischen Zutaten kann man auch sehr schmackhafte pflanzliche Gerichte zaubern. Warum sollten wir nicht zurückkehren zum „Sonntagsbraten“, den es einmal in der Woche gibt? Viele Menschen essen Fleisch so gerne und oft „weil’s halt so lecker ist…“. Doch wollen wir das unseren Enkeln als Antwort geben, wenn sie uns fragen warum wir die Welt „aufgefressen“ haben: Weil’s halt so lecker war?

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